Telekombranche lehnt Festnetz-Flatrate in Grundversorgung ab

Geht es nach dem Bund, müssen im Preis für ein Festnetzabonnement künftig sämtliche Anrufe ins schweizerische Fest- und Mobilfunknetz inbegriffen sein (Symbolbild).
Geht es nach dem Bund, müssen im Preis für ein Festnetzabonnement künftig sämtliche Anrufe ins schweizerische Fest- und Mobilfunknetz inbegriffen sein (Symbolbild). © Keystone/CHRISTIAN BEUTLER
Ab 2018 sollen Kunden mit einem Festnetzabo beliebig oft im Schweizer Fest- und Mobilnetz telefonieren können – ohne mehr zu bezahlen. Nach Ansicht des Bundes darf das maximal 29,35 Franken kosten. Nun wehrt sich die Telekombranche. Der freie Wettbewerb sei gefährdet.

Konkret stört sich die Branche daran, dass im Preis für ein Festnetzabonnement in der Grundversorgung ab 2018 alle getätigten Anrufe inbegriffen sein sollen – egal wie oft und lange jemand telefoniert. Der Abopreis dafür soll höchstens 29,35 Franken pro Monat betragen.

Dies sieht die Revision der Verordnung über Fernmeldedienste vor, deren Anhörung am Dienstag zu Ende ging. Notwendig wird sie, weil die aktuelle Grundversorgungskonzession ausläuft. Die Swisscom verfügt noch bis Ende 2017 über die Konzession. Doch es ist wahrscheinlich, dass sie die Konzession auch weiterhin behalten wird und gezwungen sein könnte, die Flatrate ab 2018 anzubieten.

Wettbewerbsverzerrungen

Die Flatrate in der Grundversorgung zu verankern, führe aber zu Wettbewerbsverzerrungen, kritisiert der Verband der Telekommunikation (asut) in einer Stellungnahme. Ein Festnetzanschluss ohne Flatrate koste bei der Swisscom und Sunrise bereits heute rund 25 Franken pro Monat. Damit könnten die Nutzer in Zukunft für monatlich rund vier Franken unbeschränkt in sämtliche Schweizer Netze telefonieren.

Die neue Preisobergrenze ist laut asut auch nicht zu rechtfertigen. Die Grundversorgung garantiere flächendeckend ein Basisangebot zu erschwinglichen Preisen. Sie dürfe aber nicht als “Versorgungsanspruch auf alles Wünschbare” interpretiert werden. Vor “Regulierung der Regulierung Willen” warnt auch der Telekomanbieter Salt.

Kein marktüblicher Preis

Für die Kostenberechnung hat das BAKOM den aktuellen Preis herbeigezogen, den die Swisscom für die “letzte Meile” in Rechnung stellt. Dieser beträgt zurzeit 13,30 Franken. Für die Flatrate hat das Bundesamt den monatlichen Zusatzbetrag der gängigen Vivo-Angebote von Swisscom dazugerechnet.

In der Branche stösst diese Berechnung auf Unverständnis. Der Swisscom sei kein Marktangebot bekannt, welches mit den vorgeschlagenen Preisobergrenzen konkurrieren könnte, schreibt das Unternehmen. Anstatt den marktüblichen Preis habe das BAKOM den kostenorientierten Preis herangezogen.

Zukunft heisst Flatrate

Der Bund rechtfertigt den Wechsel zu einer Flatrate mit dem Trend in den nächsten Jahren. Aller Voraussicht nach werde ein Pauschalpreis für Gespräche zur Norm werden, heisst es im erläuternden Bericht.

Für die Swisscom ist es zwar unbestritten, dass Flatrates zunehmend beliebter würden. Eine klare Mehrheit der Kunden telefonierten aber nach wie vor auf Basis einer minutenbasierten Abrechnung, argumentiert das Unternehmen.

(SDA)


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