Thurgauer Regierung protestiert beim Bund

Jeder dritte Apfel in der Schweiz kommt aus dem Thurgau. Das Verbot gefährde Arbeitsplätze, findet die Thurgauer Regierung.
Jeder dritte Apfel in der Schweiz kommt aus dem Thurgau. Das Verbot gefährde Arbeitsplätze, findet die Thurgauer Regierung. © (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)
Obstbauern dürfen im Kampf gegen den Feuerbrand kein Streptomycin mehr einsetzen. Das hat der Bund entschieden. Der Thurgauer Regierung wehrt sich nun dagegen. 

In den vergangenen acht Jahren hatte das Bundesamt für Landwirtschaft Streptomycin jeweils befristet und mit Auflagen zugelassen. Allerdings sei die Anwendung keine ideale Lösung, da wie bei allen Antibiotika die Gefahr von Resistenzbildung bestehe, schreibt das Bundesamt heute. Es setzt nun auf andere Massnahmen. In der Saison 2016 habe man fünf andere Pflanzenschutzmittel als Alternativen regulär zugelassen. Zudem gelte es, bei den Präventivmassnahmen das Potenzial noch vermehrt auszuschöpfen.

Eine andere Möglichkeit sind feuerbrandrobuste Sorten. Agroscope hat etwa die Tafelapfelsorte Ladina gezüchtet. Aus europäischen Züchtungsprogrammen gibt es gemäss BLW ebenfalls Alternativen.

Grosse Befürchtungen der Obstbauern

Georg Bregy vom Schweizer Obstverband kritisiert den Entscheid des BLW. Der Entscheid sei rein fachlich nicht nachzuvollziehen. “Man hätte Streptomycin weiterhin als letztes Mittel zulassen sollen”, sagte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda, “und den Einsatz wie bisher nur unter Einhaltung von strengen Auflagen bewilligen können.” Die Obstbauern seien verantwortungsvoll mit dem Einsatz des Pflanzenschutzmittels umgegangen. Deshalb bedauert er den Entscheid und befürchtet je nach Witterung und Infektionsbedingungen während der Blüte grosse Schäden an den Kulturen.

Die Alternativen alleine seien zurzeit noch kein Ersatz. “Die neuen Sorten sind noch im Versuchsstadium und im Anbau noch kaum verbreitet”, sagt er. “Und mit den alternativen Pflanzenschutzmittel haben wir noch zu wenig Erfahrung.”

Thurgau fordert Wiedererwägung

Die Thurgauer Regierung fordert eine Wiedererwägung des Entscheids, wie die Staatskanzlei am Mittwochnachmittag mitteilte. Das Bundesamt müsse auf den Entscheid zurückkommen und Streptomycin im Jahr 2016 zumindest teilweise für Baumschulen und Junganlagen zulassen.

Fast jeder dritte Apfel, der in der Schweiz gegessen werde, komme aus dem Thurgau. Der Obstbau sichere rund 1500 Arbeitsplätze im Kanton. Das Verbot gefährde diese Arbeitsplätze, schreibt Volkswirtschaftsdirektor Kaspar Schläpfer.  In Anbetracht der Bedeutung des Obstbaus und der verfügbaren Alternativpräparate komme das Verbot von Streptomycin zu früh. Das Argument, es ständen neue feuerbrandresistente Sorten zur Verfügung sei nicht stichhaltig, weil eine Umstellung mehrere Jahre beanspruchen werde und die Akzeptanz dieser Sorten bei den Konsumenten noch keineswegs vorhanden sei.

(SDA)


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