Tsering Hug hat endlich ein Geburtsdatum

Tsering Hug hat nun endlich wieder einen Pass, mit dem sie auch reisen kann (Symbolbild).
Tsering Hug hat nun endlich wieder einen Pass, mit dem sie auch reisen kann (Symbolbild). © KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER
Die Schweizerin Tsering Hug musste bis zum Kreisgericht gehen, um endlich einen gültigen Pass zu erhalten. Die gebürtige Tibeterin erlangte undankbare Bekanntheit durch ihr offiziell erscheinendes Geburtsdatum «00.00.1964». Jetzt hat sie wieder ein Geburtsdatum im Pass.

Tsering Hug aus Walenstadt kam mit ihrem Pass nicht weit. Beim Zoll zeigte es als Geburtsdatum «00.00.1964» an, was auch zu Problemen führte.

Die Frau musste sich ein Jahr lang darum bemühen, einen gültigen Pass ausgestellt zu bekommen. Sie sei von Amtsstelle zu Amtsstelle geschickt worden, aber niemand habe sich für zuständig gefühlt.

Schliesslich sah sich Tsering Hug gezwungen, sich ans Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland zu wenden. Dieses hat in einem Entscheid vom 6. Oktober festgestellt, dass Tsering Hug am 28. März 1964 geboren ist, berichtet der Sarganserländer.
Das regionale Zivilstandsamt Sarganserland hat die Anweisung bekommen, dieses Datum in den relevanten Registern einzutragen. Bald kann die Frau einen Pass beantragen, der ihr ein problemloses Reisen ermöglicht.

Odyssee durch Ämterwelt

Das Problem, dass hinter dem zur Posse gewordenen Geschichte steckt: Tsering Hug stammt aus dem Tibet, wurde aber in Indien geboren – von wo sie keinen Geburtsschein hatte.

Ihre Familie gelangte 1971 über das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in die Schweiz. Als Geburtsdatum wurde ihr der 1.1.1964 zugeteilt. Der Neujahrstag galt fortan als Hugs Geburtstag, steht auf dem Lernfahrausweis, der ID und allen anderen Dokumenten. Hug lebte gut damit – bis sie im Sommer 2015 einen neuen Pass bekam. In diesem stand als Geburtsdatum plötzlich «00.00.1964». Hintergrund: Bei der Überführung ihres Geburtsdatums in ein neues zentrales Info-Register des Bundes, fiel ihr Geburtsdatum weg.

Nachfrage bei Mutter als Lösung

Nun konnte ihr das Kreisgericht endlich helfen. In seiner Argumentation bezieht sich das Gericht auf die amtlich beglaubigten Aussagen der Mutter von Frau Hug, die sich an die Geburt ihrer ersten Tochter erinnern kann. Genauer gesagt ist Tsering Hug laut der Mutter im Frühjahr, in der Zeit des ersten Frühlingsvollmonds im Jahr des Drachen auf die Welt gekommen. Zugegen gewesen bei der Geburt sei nur der Vater von Tsering Hug, der inzwischen verstorben ist.
Für das Kreisgericht hinterliessen die Angaben von Hugs Mutter einen zuverlässigen und wahrheitsgetreuen Eindruck.

Tsering Hugs bezeichnet sich als Schweizerin und Tibeterin im Herzen. Ihr innigster Wunsch sei es, sich auch örtlich zwischen den beiden Kulturen bewegen zu können. Am liebsten würde sie deshalb nach Tibet reisen. Jetzt hat sie wieder einen Pass mit dem das möglich ist.

(red.)


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