US-Bürger nach 33 Jahren Haft durch DNA-Probe entlastet

Endlich frei: US-Gefangener sass 33 Jahre unschuldig im Gefängnis. (Symbolbild)
Endlich frei: US-Gefangener sass 33 Jahre unschuldig im Gefängnis. (Symbolbild) © KEYSTONE/AP/Damian Dovarganes
In den USA ist ein Mann nach 33 Jahren aus der Haft entlassen worden, nachdem eine DNA-Probe seine Unschuld bewiesen hatte. Der Oberste Gerichtshof des Bundesstaats Virginia widerrief am Donnerstag das Urteil gegen den heute 59-jährigen Ex-Matrosen Keith Harward.

Als sich die Gefängnistore im Jahr 1982 hinter Harward schlossen, war er noch ein junger Mann, das volle, dunkle Haar sauber gescheitelt. Als Matrose hat er gedient, auf dem damals nagelneuen Flugzeugträger USS Carl Vinson.

Als am 14. September der Werftarbeiter Jesse Perron mit einer Brechstange erschlagen und seine Frau stundenlang vergewaltigt wurde, kam schnell Harward in Verdacht. Zwei Geschworenen-Jurys sprachen ihn schuldig, 33 lange Jahre verbrachte er hinter Gittern.

Zu Unrecht, wie sich jetzt herausstellte. Das höchste Gericht des Bundesstaates Virginia hat am Donnerstag festgestellt: Harward sass unschuldig in Haft.

Die Verbrechen hatte sein krimineller Matrosen-Kollege begangen, der später unter anderem wegen Einbruchs verhaftet wurde und 2006 in einem Gefängnis in Ohio starb. Das hat eine DNA-Analyse von Spermien einwandfrei ergeben, die bei der Frau gefunden wurden.

Am Freitagmittag (Ortszeit) kam Harward nun frei. Im blauen T-Shirt reckt er die dünnen Arme, Unterstützer an seiner Seite. Die Reste seines Haares sind über all die Jahre grau geworden, der Vollbart ebenso.

Harward ist einer von vielen in den USA. Das in New York ansässige Netzwerk Innocence Project listet 337 Urteile auf, die sich als falsch herausgestellt hätten. Im Durchschnitt hätten die Verurteilten 14 Jahre in Haft gesessen, ohne irgendetwas falsch gemacht zu haben.

2015 war ein Mann in Pennsylvania aus dem Gefängnis entlassen worden, der sogar 34 Jahre lang in Haft sass, ohne der Täter zu sein. Als alter Mann kam er schliesslich frei, konnte zumindest seinen Lebensabend im Kreis seiner Familie verbringen.

Harward wurde Opfer seiner schiefen Zähne – und einer Beweismethode, die damals als revolutionär galt, heute aber längst umstritten, wenn nicht verpönt ist. Er wurde überführt, weil zwei Gerichts-Zahnärzte seinen Kieferabdruck mit Bisswunden am Bein der vergewaltigten Frau verglichen – und beide zu dem Ergebnis kamen, die Spuren am Opfer stammten einwandfrei vom Gebiss Harwards.

Das stellte sich als falsch heraus. “Harward ist schon das 25. Opfer falscher Bisswunden-Vergleiche”, sagt Michael Kelly von dem Netzwerk. “Die Methode wurde in den vergangenen Jahren komplett diskreditiert.”

Die Generalstaatsanwaltschaft hatte den Fehler eingeräumt und selbst für die Entlassung plädiert. “Der Gedanke, dass er mehr als die Hälfte seines Lebens hinter Gittern verbringen musste, ist herzzerreissend”, sagte Virginias Generalstaatsanwalt Mark Herring. Virginia könne ihm die Jahre nicht zurückgeben. “Aber wir können sagen, dass es uns leid tut und dass wir daran arbeiten, es richtigzustellen.”

Alwin Kagey, einer der beiden Zahnärzte, die die falsche Diagnose gestellt hatte, räumte inzwischen Fehler ein. “Die Methode wurde möglicherweise damals überschätzt”, sagte er kleinlaut. “Was wirklich schmerzt: Wir haben das damals im guten Glauben gemacht.”

Harwards Anwalt Roy Lasris nahm es gelassen. “Diese verdammten Bisswunden. Seine Eltern hätten ihn zum Zahnarzt schicken sollen, dann hätte er diese ganzen Probleme nicht gekriegt.”

(SDA)


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