Afghanischer Geheimdienst und Regierung melden Tod von Talibanchef

Ein Zeitungsausschnitt vom Dezember 2015 zeigt das Gesicht des Taliban-Anführers Mullah Mansur. Die USA griffen mit einer Drohne ein Auto an, in dem er sich befunden haben soll. Ob er tot ist, ist noch nicht bestätigt. (Archivbild)
Ein Zeitungsausschnitt vom Dezember 2015 zeigt das Gesicht des Taliban-Anführers Mullah Mansur. Die USA griffen mit einer Drohne ein Auto an, in dem er sich befunden haben soll. Ob er tot ist, ist noch nicht bestätigt. (Archivbild) © KEYSTONE/AP/RAHMAT GUL
Der afghanische Geheimdienst NDS und der Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah melden den Tod von Talibananführer Mullah Achtar Mansur. Mansur sei bei einem Drohnenangriff in der pakistanischen Stadt Quetta getötet worden.

Sein Auto sei in Dahl Bandin angegriffen worden, teilten sie am Sonntag über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Details gab es aus ihren Büros zunächst nicht.

Das US-Verteidigungsministerium hatte in der Nacht berichtet, dass Mansur am Samstag im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet möglicherweise getötet worden sei. Der Talibanführer sei bei einem gezielten Drohnenangriff “wahrscheinlich” ums Leben gekommen, teilte ein US-Regierungsvertreter in Washington mit. Präsident Barack Obama habe den Angriff persönlich autorisiert.

Mansur war den Angaben zufolge mit einem zweiten Mann in einem Auto unterwegs, als die USA angriffen. Auch der zweite Mann sei wahrscheinlich tot.

Die Taliban wiesen die Berichte über Mansurs Tod zurück. In einer am Sonntagmorgen über einen telefonischen Kurznachrichtendienst verschickten kurzen Botschaft hiess es, die Berichte seien “gegenstandslos”. “Er lebt. Da war kein Anschlag auf ihn”, hiess es.

Mansur hatte als Nachfolger von Taliban-Führer Mullah Omar die Führung der radikalislamischen Miliz übernommen, was innerhalb der Miliz nicht unumstritten war. Ende vergangenen Jahres vermeldete die afghanische Regierung bereits einmal den Tod von Mansur, was die Taliban allerdings vehement dementierten.

Offiziell hatte Mansur Ende Juli 2015 die Führung der Taliban übernommen. Im Geheimen hatte er die Islamisten aber schon länger geführt. Denn sein Vorgänger Mullah Omar, so stellte sich damals heraus, war schon zwei Jahren vor Verkündung seines Todes gestorben. Das hatten Mansur und andere aus dem Führungsgremium aus Angst vor Machtkämpfen aber verschwiegen.

Mansur, der auf Mitte 40 geschätzt wird, war schon einflussreich, als die radikalislamischen Taliban zwischen 1996 und 2001 in Afghanistan herrschten. Er wurde zuerst Flughafenchef der grossen südafghanischen Stadt Kandahar, später Minister für den Flugverkehr.

Er war somit nicht nur für die staatliche Fluglinie Ariana zuständig, sondern auch für die Luftwaffe des Landes. Die bestand allerdings nur aus ein paar alten Flugzeugen und Helikoptern.

In einer Mitteilung machte das Pentagon Mansur für den Tod Tausender afghanischer Zivilisten und Sicherheitskräfte verantwortlich. Er sei aktiv an der Planung von Angriffen gegen Einrichtungen in Kabul und anderen Teilen Afghanistans beteiligt gewesen. Er habe auch eine Bedrohung für US-Personal und Verbündete im Land dargestellt.

“Mansur stand dem Frieden und einer Versöhnung zwischen der Regierung von Afghanistan und den Taliban im Wege”, teilte das Pentagon weiter mit. Er habe Taliban-Führer an der Teilnahme an Friedensgesprächen mit der Regierung gehindert, die zu einem Ende des Konflikts führen könnten.

Die Schlagkraft der Islamisten am Hindukusch war zuletzt ungebrochen: Laut Experten sind mehr als 100 der rund 400 Bezirke des Landes entweder in der Hand der Taliban oder dauerhaft umkämpft.

Die Zahl der zivilen Opfer war 2015 mit mehr als 11’000 Toten und Verletzten auf den höchsten Stand seit Beginn der internationalen Intervention gestiegen. 62 Prozent der Opfer seien von den Aufständischen verursacht worden, schätzt die UNO.

Am Freitag hatte die NATO beschlossen, dass der aktuelle Einsatz in Afghanistan auch im kommenden Jahr fortgesetzt wird. Im vergangenen Mai hatte die Nato noch erwogen, den aktuellen Militäreinsatz 2017 in eine zivile Mission umzuwandeln.

Für die Beratungs- und Ausbildungsmission “Resolute Support” stellen die Alliierten und ihre Partner aktuell rund 12’000 Soldaten zur Verfügung.

(SDA)


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