Türkei beschiesst Stellungen kurdischer Milizen in Syrien

Beide wollen eine Waffenruhe in Syrien, doch über die Einzelheiten sind sie sich überhaupt nicht einig: Die Aussenminister der USA und Russlands, John Kerry (links) und Sergej Lawrow, bei ihrer Unterredung in Genf.
Beide wollen eine Waffenruhe in Syrien, doch über die Einzelheiten sind sie sich überhaupt nicht einig: Die Aussenminister der USA und Russlands, John Kerry (links) und Sergej Lawrow, bei ihrer Unterredung in Genf. © KEYSTONE/POOL KEYSTONE/MARTIAL TREZZINI
Die Türkei hat ihre Offensive gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und die Kurden in Nordsyrien vorangetrieben. Laut Armee kam am Samstag der erste türkische Soldat ums Leben. Drei weitere seien verwundet worden, als eine Rakete einen türkischen Panzer traf.

Die Rakete sei vom Gebiet der syrischen Kurdenmiliz YPG aus abgefeuert worden. Zwei Kampfflugzeuge vom Typ F-16 haben nach Informationen aus türkischen Sicherheitskreisen Stellungen der YPG angegriffen, die von den USA unterstützt wird. Ausserdem seien sechs IS-Einrichtungen angegriffen worden.

Bei einem Angriff im Dorf Al-Amarna habe es auch zivile Opfer gegeben, erklärte der sogenannte Militärrat der Stadt Dscharablus, der zur Rebellenallianz SDF gehört. Es handle sich um eine gefährliche Eskalation, die die ganze Region bedrohe. Nach Angaben aus türkischen Militärkreisen wurde ein Munitionsdepot südlich von Dscharablus mit Flugzeugen angegriffen.

Die türkische Armee war in dieser Woche nach Nordsyrien vorgedrungen. Unterstützt durch Spezialkräfte, Panzer und Kampfflugzeuge vertrieben die von der Türkei unterstützten Rebellen die sunnitischen Fanatiker vom so genannten Islamischen Staat (IS) aus der strategisch wichtigen Grenzstadt Dscharablus.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte deutlich gemacht, der Einmarsch diene sowohl dem Ziel, den IS zu bekämpfen, als auch die syrischen Kurden zurückzudrängen.

Damit soll ein zusammenhängendes kurdisches Gebiet in Nordsyrien verhindert werden. Die Regierung in Ankara fürchtet, dass ein Kurdenstaat entsteht und die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) im eigenen Land Aufwind bekommt.

Das Vorgehen in der Türkei ist heikel, weil die YPG ein wichtiger Verbündeter der USA im Kampf gegen den IS ist. Allerdings forderten zuletzt auch die USA einen Rückzug der Rebellen hinter eine Linie östlich des Flusses Euphrat.

Unterdessen wollen sich die Aussenminister der USA und Russlands grundsätzlich auf Schritte zu einer Waffenruhe in Syrien verständigt haben. Nach der Grundsatzeinigung am Freitagabend wollten Experten beider Länder in den kommenden Tagen in Genf noch offene Fragen klären, wie es hiess.

US-Aussenminister John Kerry sagte, es habe eine Einigung bei der “ganz grossen Mehrheit” der technischen Hürden zu einer neuen Waffenruhe in Syrien gegeben. Es solle aber nicht vorschnell etwas verkündet werden, was später scheitere. Bei dem im Februar vereinbarten Waffenstillstand seien “die Verstösse mit der Zeit eher die Norm als die Ausnahme” gewesen.

Sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow sprach von “sehr bedeutenden Schritten” hin zu einer erneuten Feuerpause in dem Konflikt. Doch müssten noch einige Einzelheiten “abgeschlossen werden”.

Beide Aussenminister hatten zuvor in Genf mehrere Stunden lang über den Syrien-Konflikt diskutiert. Zeitweise nahm auch der UNO-Sondergesandte Staffan de Mistura an dem Treffen teil. Mehrere Verhandlungsrunden zwischen Regierung und Aufständischen unter UNO-Vermittlung hatten bislang nicht zu einem Ende des Krieges geführt, dem seit Beginn des Aufstandes im März 2011 nach UNO-Angaben mehr als 290’000 Menschen zum Opfer fielen.

Die USA und Russland unterstützen in Syrien entgegengesetzte Seiten. Während Moskau ein enger Verbündeter von Präsident Baschar al-Assad ist, unterstützt Washington verschiedene bewaffnete Gruppen von Assad-Gegnern.

Nach vierjähriger Belagerung erlangten die syrischen Regierungstruppen nach eigenen Angaben wieder die Kontrolle über die bisherige Rebellenhochburg Daraja, einen Vorort am südwestlichen Rand der Hauptstadt Damaskus. Die syrische Führung und die bewaffnete Opposition hatten sich am Donnerstag auf die Evakuierung der zerstörten Stadt geeinigt.

In der nordsyrischen Millionenmetropole Aleppo geht das Sterben indessen weiter. So berichtete die in Grossbritannien ansässige oppositionsnahe Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) über zwei von der syrischen Luftwaffe über einem Rebellenviertel abgeworfene Fassbomben. Dabei seien mindestens 15 Zivilisten getötet worden.

(SDA)


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