Valartis Gruppe reicht Gesuch um definitive Nachlassstundung ein

Regulatorische Vorschriften bringen die Valartis Group, die Schweizer Muttergesellschaft der Valartis-Bankengruppe, in finanzielle Bedrängnis.
Regulatorische Vorschriften bringen die Valartis Group, die Schweizer Muttergesellschaft der Valartis-Bankengruppe, in finanzielle Bedrängnis. © KEYSTONE/URS FLUEELER
Die Bankenholding Valartis Group steckt in Zahlungsschwierigkeiten. Der Verwaltungsrat reicht am Montag ein Gesuch um definitive Nachlassstundung von sechs Monaten beim Kantonsgericht Zug ein. Als Grund gibt Valartis einen vorübergehenden Liquiditätsengpass an.

Im Juli hatte das Kantonsgericht bereits ein Gesuch um provisorische Nachlassstundung von vier Monaten bewilligt, auf eine öffentliche Bekanntmachung wurde damals verzichtet, wie Valartis am Montag mitteilte.

Der Verwaltungsrat habe nun festgestellt, dass sich eine erfolgreiche Sanierung innert der viermonatigen Frist nicht umsetzen lasse. Der liechtensteinischen Finanzholding Valartis Finance Holding wurde bereits im September ein Konkursaufschub gewährt.

Als Grund für die Sanierungsbedürftigkeit gibt Valartis einen vorübergehenden Engpass bei den flüssigen Mitteln an. Die Zahlungsengpässe beschränken sich laut Mitteilung vom Montag ausschliesslich auf die Holding-Gesellschaften der Valartis Gruppe in der Schweiz und in Liechtenstein.

Die beiden Privatbanken der Gruppe – die Valartis Bank (Liechtenstein) AG und die Valartis Bank (Austria) AG – und deren Kundenbeziehungen seien von der Nachlassstundung beziehungsweise von dem Konkursaufschub in Liechtenstein nicht betroffen. Sie verfügten weiterhin über eine sehr hohe Liquidität, heisst es, und der normale Geschäftsbetrieb werde hier entsprechend weitergeführt.

Die im Zusammenhang mit der Reorganisation der Gruppe im Jahr 2014 umgesetzte gruppeninterne Konzernfinanzierung zugunsten der Schweizer Muttergesellschaft sowie der liechtensteinischen Finanzholding Valartis Finance Holding stehe möglicherweise in Konflikt mit regulatorischen Vorschriften.

Per 1. Februar 2015 wurden neue Vorschriften für die Konzernfinanzierung in Liechtenstein und Österreich in Kraft gesetzt. Zudem stellten gruppeninterne Kreditgeberinnen in Ausübung vertraglicher Rechte die Konzernfinanzierung zwischenzeitlich fällig – forderten also die Rückzahlung der Kredite, wie es weiter hiess.

Die Zahlungsverbindlichkeiten gegenüber gruppeninternen Kreditgeberinnen der Valartis Finance Holding belaufen sich per Ende Oktober auf rund 64 Millionen Euro und rund 39 Millionen Franken. Die Verbindlichkeiten der Valartis Group AG betragen rund 8 Millionen Franken. Weiter kann die Valartis Group auch eine Forderung eines externen Gläubigers von rund 18 Millionen Euro nicht bedienen.

Der Sanierungsplan sieht laut Mitteilung vor, dass die beiden Privatbankentöchter in Liechtenstein und Österreich verkauft werden. Die Gruppe geht davon aus, dass dieser Verkauf bis Ende Jahr erfolgen wird. Gespräche mit Kaufinteressenten seien zurzeit im Gang.

Mit dieser Veräusserung hat der Valartis-Verwaltungsrat entschieden, dass die Gruppe sich vollständig aus dem Private Banking zurückzieht und sich auf die Beteiligungen im Bereich Private Equity, Immobilien-Management und Finanzdienstleistungen konzentriert und sich als Beteiligungsgesellschaft positioniert.

Valartis hat bereits einen starken Umbau hinter sich. In den vergangenen Jahren hat die Bankengruppe mehrere Unternehmensteile abgestossen, die nicht mehr zur Strategie passen oder nicht rentierten. Unter anderem verkauft wurde das Kreditkartengeschäft, die Beteiligungsgesellschaft ENR Russia sowie die Schweizer Banktochter. 2014 hatte Valartis aufgrund von Sonderfaktoren durch den Umbau und Investmentverlusten als Folge der Russland-Krise einen Rekordverlust von 73,3 Millionen Franken geschrieben.

(SDA)


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