Verein will kritischen Meinungsaustausch unter Offizieren fördern

Nicht immer einig: Ein Teil der Offiziere fühlt sich von den bestehenden Offiziersvereinigungen nicht mehr gut vertreten. (Archiv)
Nicht immer einig: Ein Teil der Offiziere fühlt sich von den bestehenden Offiziersvereinigungen nicht mehr gut vertreten. (Archiv) © KEYSTONE/URS FLUEELER
Eine Gruppe von Offizieren hat am Wochenende einen alternativen Verein gegründet. Er soll eine Plattform sein, auf der sich Milizoffiziere kritisch äussern können und sollen, ohne das Ende ihrer militärischen Karriere fürchten zu müssen. “Milizoffiziere Schweiz – Unabhängig. Wach.

Kritisch” lautet das Motto des Vereins. Er wendet sich an junge Milizkader, denen er eine Alternative zu den bestehenden Offiziersvereinigungen bieten will. Über die Gründung des Vereins berichteten die “Zentralschweiz am Sonntag” und “Ostschweiz am Sonntag”.

Die Initianten lehnen laut eigenen Angaben “die Kultur des befohlenen Denkverbots in der Armee und in VBS-nahen Organisationen” ab. Der Verein sei derzeit “in Gründung”, sagte Hauptinitiator Hanspeter Draeyer am Sonntag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Die Internetseite milizoffiziere.ch sei am vergangenen Freitag aufgeschaltet worden.

Er habe den Verein zusammen mit acht alten Kameraden gegründet, sagte der Oberst im Generalstab a. D. aus Eich LU. Als nächstes wollen die Gründer schauen, wie der Rücklauf ausfällt, und dann entscheiden, welches die angebrachteste Rechtsform sei. Seit Freitag seien rund 18 Rückmeldungen eingegangen.

Ziel des Vereins sei, einen offenen, unbeeinflussten Dialog zur Sicherheit zu ermöglichen – ohne Maulkorb. Geplant ist unter anderem ein Blogtool, mit dem Offiziere ihre Meinung auf der Internetseite sachlich und offen kundtun könnten.

Ausdrücklich unerwünscht sind Angriffe gegen Personen oder Polemiken. “Es ist nicht unser Ziel, frustrierte Offiziere abzuholen”, stellt der Gründer klar. Der Verein will auch nicht als Whistleblowing-Plattform missverstanden werden. Whistleblowern stehe ja der Weg über die Presse mit Quellenschutz zur Verfügung, das sei die bessere Gangart.

Ziel der angestrebten Diskussion über Sicherheit und Sicherheitspolitik ist es laut der Internetseite, auf reale und gefährliche Bedrohungen die richtigen Antworten zu finden.

​Die vom Parlament beschlossene Weiterentwicklung der Armee (WEA) etwa wird diesem Anspruch aus Sicht des Vereingründers nicht gerecht. Die Reform fusse auf einer Sicherheitsanalyse aus dem Jahr 2010 und sei alles andere als zeitgerecht. “Hier bahnt sich ein Blindflug an”, sagte Draeyer. Keine Firma orientiere sich bei der Neuausrichtung ihrer Strategie an einem sieben Jahre alten Papier.

Die vorgesehene Armeereform verstosse gegen den in der Verfassung verankerten Verteidigungsauftrag. Es bestünden bereits heute Sicherheitsdefizite. Mit der WEA werde die Verteidigungsfähigkeit der Schweizer Armee jedoch “auf lächerliche Art gestutzt”, so Draeyer. Das Referendum gegen die Reform sei daher legitim. Mit der Gruppe Giardino, die Unterschriften gegen die Reform sammelt, habe der Verein jedoch nichts zu tun.

(SDA)


Newsletter abonnieren
0Kommentare
noch 1000 Zeichen