Vier Zentren für Olympia in Rio de Janeiro

Im Maracanã-Stadion findet am 5. August die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro statt
Im Maracanã-Stadion findet am 5. August die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro statt © KEYSTONE/AP/FELIPE DANA
Die Organisatoren in Rio de Janeiro haben für die Olympischen Spiele vier Zentren geschaffen. Für einen verhältnismässig grossen Teil der 37 Wettkampfstätten konnten sie auf Bestehendes zurückgreifen.

Maracanã? Fussball natürlich. Copacabana? Strandleben in seiner schönsten Form. Für gut zwei Wochen gelten die gängigsten Assoziationen für die berühmtesten Markenzeichen Rios nicht mehr uneingeschränkt. Maracanã steht während den Olympischen Spielen auch für Leichtathletik oder Volleyball, Copacabana für Triathlon, Schwimmen im offenen Wasser und, natürlich, für Beachvolleyball.

Maracanã in der nordwestlichen Zone der Stadt und der südlich davon gelegene Teil Copacabana sind zwei der vier Distrikte Rios, in denen olympische Wettbewerbe ausgetragen werden. Das Zentrum der Spiele befindet sich im Südwesten in Barra da Tijuca. Deodoro im Nordwesten beheimatet die zweitgrösste Konzentration an Sportplätzen. Zu den 37 Wettkampfstätten gehören auch die Stadien in Brasilia, Salvador, São Paulo, Manaus und Belo Horizonte, in denen Fussball gespielt wird.

Auch für die ersten Olympischen Spiele auf südamerikanischem Boden wurde die Vorbereitungsphase vom Bangen um die rechtzeitige Fertigstellung der Anlagen begleitet. Diesmal dauerte es bis anderthalb Monate vor der Eröffnungsfeier, bis der letzte Bau abgeschlossen war. Als letztes Stadion konnte Ende Juni das von den Verzögerungen besonders betroffene Velodrom als vollendet vermeldet werden – dank unzähligen Kraftakten in einer Zeit, in der der Korruptionsskandal mit Hauptdarstellern aus der politischen Elite und eine tiefe Rezession das gesamte Land in eine schwere Krise gestürzt haben.

Erleichterung machte sich selbstredend auch im Internationalen Olympischen Komitee breit, dass die örtlichen Verantwortlichen all den Widerständen zu trotzen vermochten. “Rio de Janeiro ist bereit, die Welt willkommen zu heissen”, sagte die Marokkanerin Nawal El Moutawakel bei ihrem letzten Inspektionsbesuch. Die Olympiasiegerin von 1984 über 400 m Hürden ist die Vorsitzende der IOC-Koordinationskommission.

Beim IOC gehen sie sogar davon aus, dass auch die neue Metro-Linie Richtung Barra da Tijuca noch fertiggestellt werden kann. Sie soll am 1. August, vier Tage vor dem Beginn der Spiele, den Betrieb aufnehmen. Beobachter vor Ort sind diesbezüglich allerdings anderer Meinung. Für sie scheint es trotz Arbeiten im 24-Stunden-Rhythmus unvorstellbar, die neue Zugverbindung termingerecht ihrer Bestimmung übergeben zu können.

Die Anzahl der Neubauten im Hinblick auf die Olympischen Spiele hält sich in Rio in Grenzen. Die meisten der neuen Anlagen kamen in Barra da Tijuca zu stehen. Ausgerechnet in jener Gegend also, in der es sich in Rio eh am besten lebt. Dass der Ort der Betuchten zum grössten Profiteur der Spiele wird, kommt primär beim einfachen Volk nicht gut an. Begünstigungen in Form von Verbesserungen der Transport-Infrastruktur oder neuen Wohn- und Einkaufszentren sorgen für Unverständnis und Unmut.

Neben den neu gebauten Hallen und Stadien konnte unter anderem auf Anlagen zurückgegriffen werden, die für die Panamerikanischen Spiele 2007 errichtet worden waren. Da genügten Modernisierung oder Aus- respektive Umbau. Selbst das im Stadtteil Maracanã gelegene Olympiastadion, in dem die Leichtathletik-Wettbewerbe und Fussballspiele abgehalten werden, ist keine Neuanschaffung. Es dient seit acht Jahren dem Fussballverein Botafogo als Heimstätte. In Relation zu den vorangegangenen Sommerspielen in Peking und London konnten die Baukosten entsprechend tief gehalten werden. Der gesamte finanzielle Aufwand wird mit knapp zwei Milliarden Franken beziffert.

Gleichwohl sehen sich auch die Verantwortlichen in Rio mit der Frage der Nachhaltigkeit konfrontiert. Betreffend Verwendungszweck der Anlagen nach dem Ende der Spiele sind die Vorstellungen und Planungen meist fern jeder Realität. In Rio sind zahlreiche Rückbauten beziehungsweise Redimensionierungen vorgesehen. Bestehen bleibende Hallen sollen in Zukunft vor allem als Trainingszentren genutzt werden. Es sind Vorhaben, die in jüngster olympischer Vergangenheit von jedem Veranstalter genannt, in den meisten Fällen aber nicht eingehalten worden sind. Ein weiteres Mal bleibt nach dem 21. August und dem Erlöschen der Flamme nur die Hoffnung, dass die Umsetzung gelingen möge.

(SDA)


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