Vögel und Primaten sind trotz verschiedener Gehirne gleich schlau

Von wegen "Vogelhirn": Rabenvögel sind genauso schlau wie Menschenaffen. Sie können sich zum Beispiel selbst im Spiegel erkennen. (Archiv)
Von wegen "Vogelhirn": Rabenvögel sind genauso schlau wie Menschenaffen. Sie können sich zum Beispiel selbst im Spiegel erkennen. (Archiv) © KEYSTONE/AP GREAT FALLS TRIBUNE/Robin Loznak
Gehirne von Vögeln und Säugetieren unterscheiden sich deutlich. Vögeln fehlt etwa der Neocortex, der bei Säugern für höhere kognitive Leistungen verantwortlich ist. Dennoch sind kognitive Fähigkeiten von Vögeln jenen von Primaten ebenbürtig.

In einem Übersichtsartikel im Fachjournal “Trends in Cognitive Sciences” haben der Kognitionsbiologe Thomas Bugnyar von der Universität Wien und Onur Güntürkün von der Ruhr-Universität Bochum verschiedene Studien analysiert, die diverse kognitive Fähigkeiten von Vögeln nachgewiesen haben.

Sie zeigten dabei, dass “das mentale Geschick von Rabenvögeln und Papageien ebenso ausgeprägt und vielfältig ist wie das der Menschenaffen”, so Güntürkün, Leiter der Abteilung Biopsychologie in Bochum, in einer Mitteilung der Universität Wien.

Bisher ging man vielfach davon aus, dass die Vögel ihre kognitiven Fähigkeiten nur in speziellen Bereichen anwenden können, wie beim Verstecken von Futter. Verschiedene Studien zeigen jedoch die Breite ihrer kognitiven Leistungsfähigkeit.

Sie können unter anderem logisch denken, sich selbst im Spiegel erkennen und sich in andere hineinversetzen. Und das trotz der grossen anatomischen Unterschiede im Gehirn von Vögeln und Säugetieren. Meistern letztere komplexe mentale Aufgaben im Neocortex, läuft dies bei Vögel in äquivalenten Strukturen des Grosshirns ab.

Zudem unterscheidet sich die Gehirngrösse der beiden Tiergruppen wesentlich: “Während die Gehirne von Menschenaffen durchschnittlich 275 bis 500 Gramm auf die Waage bringen, schaffen es die kognitiv ebenso geschickten Vögel ohne Kortex gerade einmal auf 5 bis 20 Gramm”, so Bugnyar.

Die Wissenschafter fragten sich deshalb, “ob es möglich ist, dass sich in 300 Millionen Jahren unabhängiger Entwicklung der Arten sehr unterschiedliche Hirnmechanismen für komplexe Denkprozesse entwickelt haben”.

Bei ihrer Auswertung zeigte sich, dass sich trotz der offensichtlichen Unterschiede im Detail diverse Gemeinsamkeiten zeigen: Einzelne Gehirnareale sind zum Beispiel auf ähnliche Weise verschaltet und beide Tiergruppen besitzen eine präfrontale Hirnstruktur, die ähnliche exekutive Funktionen steuert.

Unklar ist noch, wie solche Ähnlichkeiten entstanden sind. Die neuronale Basis dafür könnte von den gemeinsamen Vorfahren von Vögeln und Säugetieren stammen.

Für wahrscheinlicher halten die Autoren aber, dass die Gemeinsamkeiten unabhängig voneinander in der Evolution entstanden sind, da beide Tiergruppen vor ähnlichen Herausforderungen standen. Das würde bedeuten, dass bestimmte Verschaltungsmuster im Gehirn notwendig sind, um höhere Denkleistungen zu erbringen.

Klar ist für die Forscher, dass der Neocortex der Säugetiere für komplexe Kognition nicht erforderlich ist. Und auch das relative Hirngewicht spielt offensichtlich für die mentalen Fähigkeiten keine Rolle.

(SDA)


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