Wechselkurseffekte und Maggi-Nudeln bremsen Nestlé

Die Kosten der Rückrufaktion für die Maggi-Fertignudeln in Indien haben Nestlé in den ersten neun Monaten des Jahres gebremst. Indien hat dem Nahrungsmittelmulti vorgeworfen, die Nudeln seien verunreinigt. (Archivbild)
Die Kosten der Rückrufaktion für die Maggi-Fertignudeln in Indien haben Nestlé in den ersten neun Monaten des Jahres gebremst. Indien hat dem Nahrungsmittelmulti vorgeworfen, die Nudeln seien verunreinigt. (Archivbild) © KEYSTONE/AP/AIJAZ RAHI
Nestlé hinkt den eigenen Erwartungen hinterher. In den ersten neun Monaten bremsten Wechselkurseffekte und der Verkaufsstopp von Maggi-Fertignudeln in Indien die Umsatzentwicklung des Nahrungsmittelkonzerns. Nun senkt der Konzern seine Umsatzprognosen.

Von Januar bis September setzte Nestlé 64,9 Milliarden Franken um. Im selben Zeitraum im Vorjahr waren es 66,2 Milliarden gewesen. Wechselkursveränderungen sorgten Nestlé zufolge für Einbussen von 6,7 Prozent. Organisch – also ohne Wechselkurs- und Akquisitionseffekte – sei Nestlé aber um 4,2 Prozent gewachsen, teilte Nestlé am Freitag mit.

Damit verlangsamte sich das Wachstum im dritten Quartal im Vergleich zur ersten Jahreshälfte, als Nestlé noch ein Plus von 4,5 Prozent aufwies. Der Konzern rechnet nun nicht mehr damit, sein selbst gestecktes Wachstumsziel von rund 5 Prozent zu erreichen. Er senkte die Prognose auf rund 4,5 Prozent. Erste Analystenreaktionen fielen enttäuscht aus. Während sich die Entwicklung der abgesetzten Mengen im dritten Quartal mit den Erwartungen decke, habe Nestlé die Absatzpreise nicht in erhofftem Ausmass erhöhen können.

“Nach einer guten Leistung in der ersten Hälfte des Jahres wurden wir im dritten Quartal von aussergewöhnlichen Ereignissen beeinflusst und in unserer Leistung deutlich beeinträchtigt”, sagte Konzernchef Paul Bulcke an einer Medienkonferenz.

Insbesondere höhere Rabatte auf verschreibungspflichtige Arzneimittelprodukte bei der Hautpflege-Sparte Nestlé Skin Health und der Verkaufsstopp der Maggi-Fertignudeln in Indien belasteten Bulcke zufolge das Wachstum.

Nachdem die indische Lebensmittelaufsicht bei Tests zu hohe Bleiwerte in den Nudeln gemessen hatte, wurden die Produkte aus den Verkaufsregalen geräumt. Das sorgte für Einbussen in Asien. Dazu kam, dass die Umsätze in China weniger stark als erwartet anzogen.

Während Nestlé organisch in Nord- und Südamerika 6,2 Prozent zulegen konnte und in Europa, dem Nahen Osten und Nordafrika um 4,0 Prozent, erhöhte sich der Umsatz in Asien, Ozeanien und Subsahara-Afrika lediglich um 1,1 Prozent.

Gar rückläufig sind die Umsätze in Asien, wenn lediglich klassische Lebensmittel wie der lösliche Kaffee Nescafé oder die Kitkat-Schokolade berücksichtigt werden. Denn die Verkäufe von Mineralwasser (Nestlé Waters), Babynahrung (Nestlé Nutrition) sowie Nespresso-Kaffee, dem Geschäft mit Unternehmenskunden und Gesundheitsprodukten (Übrige Aktivitäten) weist Nestlé üblicherweise separat aus. Sie tragen zusammen etwas mehr als einen Drittel zum Konzernumsatz bei.

Nestlé hofft nun, den Nudel-Skandal bald ausgestanden haben. Nestlé Indien habe eine positive Entscheidung vom hohen Gericht in Mumbai erhalten und arbeite mit den Behörden daran, das Produkt wieder in die Gestelle der Läden zu bekommen, sagte Finanzchef François-Xavier Roger.

Das Gericht hatte Mitte August das Verkaufsverbot für die Nudeln für ungültig erklärt, zugleich aber neue Tests angeordnet, bevor das Fertiggericht in die Geschäfte zurückkehren darf. Am Freitag teilte Nestlé Indien mit, man habe nun die angeordneten Testresultate erhalten. Diese zeigten, dass alle 90 Proben Bleiwerte unter den erlaubten Maximalwerten enthielten.

Man wolle nun wieder Maggi-Nudeln produzieren, wolle diese aber erst verkaufen, wenn die staatlich beauftragten Labors diese als sicher erklärt hätten, hiess es weiter. Das solle so schnell wie möglich geschehen. Konzernchef Bulcke dämpfte allerdings an der Medienkonferenz die Erwartungen, gebe es doch zahlreiche administrative Hürden.

Sowohl Roger als auch Bulcke betonten, die grundlegenden Geschäftsdaten zeigten eine positive Dynamik. Profitieren konnte Nestle denn auch von einer Erholung des schwächelnden Tiefkühlkostgeschäfts in Nordamerika. Wie die Konkurrentin Unilever verkaufte der Konzern zudem dank dem heissen europäischen Sommer mehr Glacé.

Weiterhin als Wachstumsmotor erweist sich das Geschäft mit Hunde- und Katzennahrung mit Marken wie Felix oder Gourmet, dem löslichen Kaffee Nescafé sowie Mineralwasser wie San Pellegrino und Süsswaren wie Kitkat. Viele Anleger sahen dies jedoch anders. Der Aktienkurs von Nestlé tauchte am Freitagmorgen um rund 2 Prozent.

(SDA)


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