Weniger Durst auf Schützengarten-Bier

Von Laurien Gschwend
Reto Preisig, Vorsitzender der Geschäftsleitung, an der Schützengarten-Medienkonferenz.
Reto Preisig, Vorsitzender der Geschäftsleitung, an der Schützengarten-Medienkonferenz. © TAGBLATT/Claudio Heller
Ende September ging das Braujahr zu Ende. Die Brauerei Schützengarten aus St.Gallen blickt auf einen schlechten Sommer, verschiedene Innovationen und weltweite Auszeichnungen zurück.

«Wir hätten uns mehr vom letzten Braujahr erhofft», so Reto Preisig, Vorsitzender der Schützengarten-Geschäftsleitung. Nachdem dieses Ende September vorbei war, lud das Ostschweizer Bierunternehmen am Dienstagmorgen zur Jahresmedienkonferenz. Während die gesamtschweizerische Nachfrage nach Bier im Braujahr 2015/2016 um 0,6 Prozent zurückgegangen sei, habe man dennoch ein «gutes finanzielles Ergebnis» erzielt. Den Umsatz habe man leicht steigern können. «Genauere Zahlen möchten wir aber nicht nennen», erklärt Preisig.

Wenig Durst im Sommer

Ein grosser Grund, weshalb man weniger Bier habe verkaufen können als erwünscht, sei das schlechte Wetter im Frühling sowie Frühsommer. «Die Leute hatten weniger Durst.» Und dies, obwohl im Sommer 2016 die Europameisterschaft stattgefunden habe. «Im Detailhandel hatten wir mehr erwartet», sagt Preisig. In diesem Segment habe man die Wachstumsziele nicht ganz erreicht.

Bedürfnisse mit speziellem Bier befriedigen

Das Braujahr 2015/2016 stand ganz im Zeichen der Innovation. So entwickelte Schüga die beiden Spezialitätenbiere «Red India Pale Ale» mit einem aromatischen Hopfenaroma sowie «Swiss Stout», das mit feinem Kakao angereichert ist. «Wir haben gemerkt, dass wir uns über die speziellen Biere besonders gut profilieren können», erklärt Reto Preisig die Strategie. Nur so könne man die individuellen Kundenbedürfnisse abdecken.

Eine der Innovationen aus dem letzten Braujahr: «Swiss Stout». © TAGBLATT/Claudio Heller

Eine der Innovationen aus dem letzten Braujahr: «Swiss Stout». © TAGBLATT/Claudio Heller

Schüga-Biere bei Coop-Spezialitäten

Derzeit produziert die Brauerei Schützengarten 40 Prozent Spezialitätenbiere sowie 60 Prozent Lagerbiere. Im Vergleich: In der gesamten Schweizer Bierbranche nehmen Spezialbiere einen Anteil von 20 Prozent ein. Die Produkte «Red India Pale Ale» und «Swiss Stout» werden im kommenden Jahr in die Spezialitätenabteilung des Detailhändlers Coop aufgenommen. Reto Preisig freut sich: «So können wir der gesamten Schweiz klar machen, dass wir in der Ostschweiz gutes Bier produzieren.»

Grösste Investition seit 20 Jahren

Auch technische Investitionen wurden getätigt. Das Bierlager wurde von 1000 auf 5000 Quadratmeter vergrössert, auf dem Dach des Gebäudes errichtete die St.Galler Brauerei eine Photovoltaikanlage.

Ausserdem wird in diesen Tagen eine neue Flaschenfüllerei in Betrieb genommen. In diese steckte Schützengarten rund fünf Millionen Franken. «Das ist die grösste Investition, die wir in den vergangenen 20 Jahren getätigt haben», weiss Martin Ketterer, technischer Direktor des Unternehmens.

Tochtergesellschaft im Tessin

Im April 2016 kaufte die Brauerei Schützengarten eine Kleinbrauerei im Tessin auf. Im «Birrificio Ticinese», der Tochtergesellschaft in Stabio, werden von vier Personen lokale Biere hergestellt. Gemäss Reto Preisig kann Schützengarten am Südschweizer Standort zudem die eigenen Spezialitätenbiere profilieren.

Schützengarten kann weltweit mithalten

Das Braujahr 2015/2016 war nicht nur eines der Innovationen, sondern auch eines der Preise. So gewann das Bier «Gallus 612» die Goldmedaille der «World Beer Awards». «Schwarzer Bär» bekam den ersten Platz der Auszeichnung «European Beer Star», «Red India Pale Ale» den dritten Platz. Reto Preisig lüftet das Schützengarten-Geheimnis: «Unsere Braumeister suchen mit Liebe und Engagement nach Rohstoffen, um jenes Bier zu kreieren, das sie am liebsten trinken.» Umso schöner, wenn es dann auch der breiten Masse schmecke.

Angefangene Projekte beenden

Auch in Zukunft wolle man nicht zu weit vom Standort Ostschweiz abweichen. «Schon der Markt in Zürich, Bern oder Graubünden ist für uns ein Export», sagt der Vorsitzende der Geschäftsleitung. Ins Ausland wolle man nur in Ausnahmen liefern. Im neuen Geschäftsjahr wolle man zuerst die Innovationen aus dem Vorjahr verankern – und erst dann über Neuentwicklungen nachdenken.


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