Wer hat die schönste Wiese?

So sieht eine Magerwiese aus, auf der diverse Arten wachsen.
So sieht eine Magerwiese aus, auf der diverse Arten wachsen. © pd
Der Kanton Appenzell Ausserrhoden kürt die schönste Wiese im Kanton. Beworben haben sich über 30 Bewirtschafter mit 60 Wiesen. Die Jury geht nun auf Bewertungstour.

Blumenwiesen voller Blüten, hier ein Löwenzahn, da eine Butterblume, dort ein Spitzwegerich. Die Blütenpracht der Blumenwiesen zeigt gerade ein abwechslungsreiches Gewand. «Die Schweizer Wiesen werden aber immer weniger artenreich», sagt Alfred Brülisauer. Er ist Projektleiter der Wiesenmeisterschaft in Appenzell Ausserrhoden, bei der dieses Jahr die schönsten Wiesen im Kanton ausgezeichnet werden.

Artenvielfalt und Blütenpracht geben Punkte

Es gibt drei Kategorien: Magerwiese, Streuwiese und Magerweide. Botaniker bewerten die Wiesen und machen Aufnahmen. «Bei den besten Teilenhmern geht ausserdem eine Jury vorbei, die den Sieger kürt», sagt Brülisauer. Dabei wissen die Kritiker genau, worauf sie achten müssen. «Bewertet wird die Artenvielfalt, aber auch der optische Aspekt wie die Blütenvielfalt und Strukturen wie Hecken oder Baumgruppen spielen eine Rolle.»

Eine solche Wiese zieht man heran, wenn man auf Dünger verzichtet und die Wiese erst spät und weniger oft schneidet. Die Wiesen werden etwa zwei Mal im Jahr geschnitten, normale Wiesen in der Landwirtschaft kann man bis zu sieben Mal schneiden. Für den wegfallenden Ertrag bei Magerwiesen erhalten die Bauern Öko-Beiträge von Bund und Kanton.

Initiiert hat die Meisterschaft das Amt für Landwirtschaft und die Fachstelle Natur- und Landschaftsschutz des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Angelehnt an die Wiesenmeisterschaft im Kanton St.Gallen wird jene im Ausserrhodischen durchgeführt.

Meisterschaft soll durch die Ostschweiz wandern

Während in den letzten fünf Jahren Wiesen im Kanton St.Gallen bewertet wurden, wird die Meisterschaft nun ausserkantonal weitergeführt. «Ich könnte mir vorstellen, dass nächstes Jahr Innerrhoden dran ist, übernächstes Jahr vielleicht der Kanton Thurgau.»

Die Meisterschaften werden von den Bauern gut aufgenommen, im Kanton Appenzell Ausserrhoden wurden mehr als 60 Wiesen für den Preis angemeldet. «Mit so vielen Anmeldungen haben wir nicht gerechnet», sagt Alfred Brülisauer.

Die Öffentlichkeit interessiert sich

Mit dem Verleih eines Preises für die beste Wiese wollen der Bauernverband Appenzell Ausserrhoden, WWF Appenzell, Pro Natura und der Kanton Appenzell Ausserrhoden die Vielfalt der Wiesen im Kanton der Öffentlichkeit näher bringen. «Wir wollen den Bauern zeigen, dass die Öffentlichkeit Interesse an den Leistungen der Bauern hat», sagt Alfred Brülisauer. Wanderer und Spaziergänger freuen sich über die schönen Wiesen am Wegrand. «Auf der anderen Seite wollen wir auch der Öffentlichkeit zeigen, dass es Bauern gibt, die sich für Artenvielfalt und Biodiversität einsetzen.»

Ausserdem soll die Artenvielfalt erhalten werden. «Durch die intensive Bewirtschaftung der Heuwiesen hat die Artenvielfalt abgenommen. Ausserdem hat es in vielen Wiesen nur noch Arten, die auf Düngung ansprechen und besonders ertragreich sind», sagt Alfred Brülisauer.

Ab Dienstag bis zum 15. Juni werden die Wiesen von der Jury begutachtet. Die Preisverleihung für die schönste Ausserrhoder Wiese findet am 25. August statt.

Nächstes Jahr gibt es eine Heckenmeisterschaft

Seit 2014 zeichnet auch der Kanton St.Gallen seine schönsten Wiesen aus, letztes Jahr wurde das Rheintal genauer unter die Lupe genommen. Das Tal ist seit etwa hundert Jahren landwirtschaftlich nutzbar, zuvor war der Boden wegen des Rheins viel zu nass. Seitdem wird der Boden allerdings landwirtschaftlich intensiv genutzt.

Nicht nur Wiesen sind landwirtschaftlich wichtig. «Nächstes Jahr wollen wir im Kanton St.Gallen Hecken auszeichnen», sagt Alfred Brülisauer. Hecken bieten Schutz für Wild, Vögel, kleinere Säugetiere und für diverse Insekten. Ausserdem geben sie grossen landwirtschaftlichen Flächen Struktur. Für Bauern sind sie allerdings lästig. «Wenn man eine Wiese mit grossen Maschinen bewirtschaftet, sind Hecken beim Wenden im Weg.» Die Heckenmeisterschaft soll im gleichen Stil ausgetragen werden wie die Wiesenmeisterschaft. «Wir sind gespannt, wie diese ankommen wird.»

(enf)


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