“Wer verkauft schon einen Franken für 95 Rappen?”

Von Rohner Raphael
Mit wenigen Rappen pro Briefmarken machen sie ein Geschäft. Werner Schrepfer und Hans Grünenfelder.
Mit wenigen Rappen pro Briefmarken machen sie ein Geschäft. Werner Schrepfer und Hans Grünenfelder. © FM1Today/rar
Ein findiger Ostschweizer Briefmarkensammler verkauft alte Briefmarken unter ihrem Wert weiter und macht damit ein grosses Geschäft. Die Kunden freut’s – der Post ist es egal.

“Ich werde von Anfragen überschwemmt”, freut sich der Rapperswiler Briefmarkenhändler Hans Grünenfelder. Er und sein Geschäftspartner und Schwager, Werner Schrepfer, kaufen alte Briefmarken auf, die sie dann weiterverkaufen: “Wir bezahlen den Leuten einen fairen Preis für ihre Sammlung und machen das beste daraus”, erklärt Grünenfelder.

Sammler sterben aus

“Früher sammelte jeder Briefmarken, es war ein regelrechter Hype – jetzt sterben die Sammler langsam aus und die Marken bleiben liegen”, sagt Grünenfelder. Meist wissen die Leute nicht genau, was sie damit anfangen sollen. Die Marken haben enorm an Sammlerwert verloren. Trotzdem kaufen Grünenfelder und Schrepfer täglich ganze Sammlungen auf: “Ungestempelte Briefmarken haben ihren Wert ja nicht verloren und sind noch immer gültig.”

Darum sei ihnen die Idee auch gekommen, die alten neuen Marken aufzukaufen und wiederzuverkaufen: “So haben alle Freude daran: Der Sammler bekommt Geld für seine Marken, Unternehmen sparen Geld für das Porto und ihre Kunden freuen sich an schönen Marken auf den Rechnungen.” Grünenfelder kauft die Marken für 70 Prozent des aufgedruckten Werts an und verkauft sie dann 5 Prozent unter ihrem Wert: “Ein Rappengeschäft, aber wo bekommt man heute noch einen Franken für 95 Rappen?”

Täglich bis zu 5000 Franken

“Oft wünschen sich Kunden für ihre Briefe und Rechnungen schöne Briefmarken, die etwas mit dem Unternehmen zu tun haben – aktuell sind alte Marken gefragt mit Eisenbahnmotiven und Tieren”, sagt Grünenfelder.

Die alten Briefmarken werden von Hand sortiert und jeweils ergänzt, bis sie dem heutigen Porto entsprechen. Grünenfelder: “Bei uns kleben alle, Kinder, Eltern, Verwandte, Freunde die Briefmarken auf. Manchmal müssen wir sogar die Nächte durcharbeiten.” Die Briefmarkenhändler aus Rapperswil setzten mit ihren alten Marken einiges um: “Pro Tag zwischen 3000 bis 5000 Franken”, schätzt Grüenenfelder.

Der Post ist der Handel egal

Bei der Post hat man nichts gegen dem Verkauf und der Verwendung von alten Briefmarken. Oliver Flüeler, Mediensprecher der Post, sagte auf Anfrage, dass die Post lediglich die gültige Frankatur kontrolliere: “Von wem die Briefmarke erstanden, überreicht oder gar geschenkt worden ist, ist nicht Sache der Post.”

Der Briefmarkenhändler Grünenfelder bleibt indes aber selbst ein Sammler: “Bei den postfrischen Marken gebe ich nicht alle weiter – es hat hin und wieder Raritäten darunter, die einen gewissen Sammlerwert haben.”


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