“Wie ich die Fische beneide” – Autor Thomas Hürlimann wird 65

Thomas Hürlimann im Juni dieses Jahres in Luzern anlässlich der Premiere des Freilichtspiels "Das Luftschiff".
Thomas Hürlimann im Juni dieses Jahres in Luzern anlässlich der Premiere des Freilichtspiels "Das Luftschiff". © KEYSTONE/URS FLUEELER
Der Hektik und Schnelllebigkeit der Welt, ihrem Lärm und ihrer Unrast kann der Schweizer Schriftsteller Thomas Hürlimann wenig abgewinnen. Oder doch: Ein Werk mit den ewigen Themen Tod und Vergänglichkeit. Heute wird er – vor kurzem noch todkrank – 65 Jahre alt.

Thomas Hürlimann schöpft bevorzugt aus dem eigenen Leben. Auch dann, wenn es um den Tod geht. Seinen Beinahe-Krebstod 2014 hat der Schriftsteller in einem Artikel für die Wochenzeitung “Die Zeit” geschildert.

Die “Kurze Story meiner Auferweckung” ist eine Welt-Anklage: “Diesen Lärm halte ich nicht aus, und das Schlimme ist: Er nimmt zu von Jahrhundert zu Jahrhundert. Irgendein Esel brüllt immer, irgendein Radio plärrt in jedem Winkel, und wo, ausser in einem Grab, könnte ich, der unfreiwillig Auferstandene, Ruhe finden? Ah, wie ich die Fische beneide!”

Der in Zug geborene Hürlimann verliess die Schweiz früh. Nach der Stiftsschule des Klosters Einsiedeln im Kanton Schwyz und einem abgebrochenen Philosophie-Studium in Zürich und Berlin lebt er seit 1974 mit einer längeren Unterbrechung weitgehend in der deutschen Hauptstadt.

1981 debütierte Hürlimann mit seinem Erzählband “Die Tessinerin”. Die sechs autobiografischen Geschichten machten grossen Eindruck. Sterben, Tod und Vergänglichkeit werden zu seinen zentralen Themen. Eine Entwicklung, die auch mit der tiefen Bestürzung über den Krebstod seines Bruders 1979 zusammenhängt.

Auch Hürlimanns politische Betrachtungen können als ureigenste Erfahrungen aus dem Leben eines Politikersohnes gelesen werden. Für einen Eklat sorgte sein politischer Roman “Der grosse Kater” (1998), in dem es um Macht, Intrigen in der Politik, Liebe und Menschlichkeit geht.

Zwei Tage eines Bundespräsidenten werden dort beschrieben, die unverkennbar Parallelen zu seinem Vater Hans aufweisen, der 1979 selber Bundespräsident war.

Auch als Dramatiker war der Schweiz-Skeptiker Hürlimann erfolgreich. So erhielt er 2014 den Alemannischen Literaturpreis – weil er in der Tradition von Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt die Verwicklungen und Verstrickungen seines Heimatlandes in sich selbst und in den Nationalsozialismus unter die Lupe nehme, hiess es in der Begründung der Jury.

Hürlimann lehrt am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und an der Universität Konstanz. Seine Werke wurden in 21 Sprachen übersetzt. 2012 erhielt Hürlimann den Thomas-Mann-Preis für sein Werk, mit dem er dem Wissen von der Zerbrechlichkeit des Daseins eine tiefe Menschlichkeit entgegensetze, so die Jury damals.

(SDA)


Newsletter abonnieren
0Kommentare
noch 1000 Zeichen