Wut nach Urteil für bockigen Moslem

Emir Tahirovic stellt seine Religion über gesellschaftliche Normen.
Emir Tahirovic stellt seine Religion über gesellschaftliche Normen. © TVO
Diese Woche wurde das Urteil des Kreisgerichts gegen Emir Tahirovic aus St.Margrethen verkündet – und dieses ist für viele Bürger zu mild ausgefallen. Der als bockiger Moslem bekannte Bosnier ist mit seiner strengen und sturen Religionsausübung vielen ein Dorn im Auge. SVP-Politiker Mike Egger möchte ihn nun sogar via Crowdfunding ausschaffen lassen.

Weil er seine Kinder immer wieder aus religiösen Gründen eigenmächtig aus der Schule nimmt und Verfügungen von Behörden ignoriert, wurde der Bosnier Emir Tahirovic mit einer Busse von insgesamt 4000 Franken abgestraft. Tahirovic nahm das Urteil an. Doch die Wut in seinem Wohnort St.Margrethen wird immer grösser – und auch politische Reaktionen liessen nicht auf sich warten. Die Staatsanwaltschaft und viele Bürger hätten den Bosnier lieber im Gefängnis gesehen, weil der strenggläubige Moslem zum wiederholten Male Schweizer Gesetze missachtet und das mit seiner Religion begründet hat; mit einer Busse sei es nicht getan.

“Er soll Land verlassen”

Entsprechend heftig sind die Reaktionen auf das Urteil, gerade in Sozialen Medien. Auch weil Tahirovic als Sozialhilfebezieher von der öffentlichen Hand lebe, sei die Busse ein Witz, heisst es. In St.Margrethen ist die Stimmung gereizt. “Wir schämen uns, dass wir so eine Person in unserem Ort haben. Auch andere Moslems in unserem Ort schämen sich. Es wäre besser, wenn er wieder in seine Heimat gehen würde”, so der O-Ton aus der Bevölkerung.

Mike Egger, SVP-Kantonsrat aus Berneck, hat schon vor längerer Zeit eine Petition für die Ausschaffung von Emir Tahirovic lanciert und beim Migrationsamt abgegeben. Doch nach dem “milden Urteil” möchte er erneut einen Vorstoss machen, um die Kantonsregierung unter Druck zu setzen.

Gleichzeitig möchte Egger nächste Woche eine ungewöhnliche Aktion starten: Er will prüfen lassen, ob es möglich ist, speziell für diesen Fall ein Crowdfunding-Projekt zu initiieren. Im Klartext bedeutet das: Es soll ein Ausschaffungsflug durch eine Geldsammlung finanziert werden. “Damit der Herr Tahirovic das Land verlässt”, sagt Egger – und führt weiter aus: “Er hat alle verrückt gemacht. Er hat nicht nur Behörden, sondern auch die Verwaltung beschäftigt. Das hat enorme Kosten verursacht – und das immer zu Lasten des Steuerzahlers. Das kann es nicht sein”, pocht der Politiker auf einen weniger milden Umgang mit Tahirovic. Doch auch wenn noch so viel Geld für einen Flug gesammelt werden könnte – aus rechtlicher Sicht ist eine solche Zugangsweise nicht gültig.

Keine Solidarität mehr

Sogar im politisch linken Lager hat sich Emir Tahirovic alle Kredite verspielt. “Es gibt Rechte, aber es gibt auch Pflichten”, betont Laura Bucher, Präsidentin der SP St.Margrethen. “Meiner Meinung nach gibt es auch einen gewissen Anspruch an eine gesellschaftliche Kooperation.” Auch das System der Solidarität stosse irgendwann an seine Grenzen, sagt Bucher.

Emir Tahirovic möchte sich Medien gegenüber nicht äussern. Auf Twitter zeigt er sich aber weniger scheu. Integration für Muslime in der Schweiz bedeutet seiner Meinung nach, “dass sie auf Befehle reagieren wie: Sitz, Hand, Glaub so…”. (red)

Tahirovic postet auf Twitter

TVO-Beitrag vom 1. Juli


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