“Ich hätte als Fan auch so gehandelt”

Will gegen Luzern wieder gewinnen: FCSG-Trainer Joe Zinnbauer.
Will gegen Luzern wieder gewinnen: FCSG-Trainer Joe Zinnbauer. © KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER
Der FC St.Gallen Trainer Joe Zinnbauer ist im Gegenwind. Von vielen Seiten wird er scharf kritisiert, nicht wenige fordern seinen Rauswurf. Vor dem Spiel gegen den FC Luzern nimmt er Stellung und erklärt, wieso er als Fan auch sauer wäre.

Joe Zinnbauer, nach dem Vaduz-Spiel gab es aus dem Fanblock “Zinnbauer raus”-Rufe. Belastet Sie dies?

Es belastet einen natürlich. Man nimmt es mit und macht sich Gedanken, aber das gehört dazu. Da haben 20, 30 Personen mit den Rufen angefangen, der Rest war in der Mehrheit. Die haben gesagt: Macht mal den Mund zu, und das stimmt mich wieder positiver. Letztendlich ist es doch völlig nachvollziehbar – nach einem verlorenen Spiel, wo du eigentlich gewinnen musst – negative Fans zu erleben. Wenn ich das stehen würde, hätte ich wahrscheinlich genauso gehandelt.

Eine Umfrage von FM1Today ergab, dass 80 Prozent der Teilnehmer der Meinung sind, dass der FC St.Gallen sich einen neuen Trainer suchen sollte. Hat das einen Einfluss auf die Mannschaft?

Nein, ich merke gar nichts. Solche Online-Umfragen gibt es ja immer wieder. Wie viele Personen nehmen da teil? Wenn es nur zehn Leute sind, ist das Verhältnis schnell einmal 70 zu 30 Prozent – oder was auch immer. Wir kennen das als Trainer – und in der Mannschaft ist auch nichts zu spüren. (722 Personen haben bei der Umfrage teilgenommen; Anm. d. Redaktion).

Dieses Jahr hat der FC St.Gallen schon viele Spiele verloren. Gibt es vonseiten des Vereins ein Ultimatum?

Nein, wir haben das Vertrauen ausgesprochen bekommen. Das spielt aber keine Rolle, wir wollen auch aus Eigenmotivation gewinnen. Wir gehen ja nicht nach Vaduz und wollen verlieren und auch jetzt gegen Luzern nicht. Wir wollen als Trainer jedes Spiel gewinnen und arbeiten weiter hart. Luzern hat zwar einen Lauf, aber das darf keine Ausrede sein. Wir wollen, wenn es möglich ist, gegen Luzern die drei Punkte hier behalten.

Vor ziemlich genau einem Jahr hat Jeff Saibene auswärts gegen Vaduz verloren und ist in der Folge von sich aus zurück getreten. Haben Sie dies auch schon in Betracht gezogen?

Das ist überhaupt kein Thema für mich. Wir werden wieder Spiele gewinnen. Die Mannschaft macht Schritte vorwärts, das hat man gegen Vaduz gesehen. Wir sind hochmotiviert – der Staff und die Mannschaft funktionieren im Training ja einwandfrei. Wenn wir sehen würden, dass wir nicht mehr an die Mannschaft rankommen, würden wir uns sicher Gedanken machen, aber wir sind mit der Mannschaft auf einem guten Weg. Natürlich hinterfragen wir uns auch und das werden wir auch nach dem Luzern-Spiel machen – aber ich hoffe, mehr im positiven Sinne. Dann kommt die Länderspielpause, da können wir die Mannschaft nochmals richtig rannehmen. Anschliessend stehen die sehr wichtigen Spiele gegen Lugano und Thun an – aber auch Luzern ist natürlich wichtig.

Kritiker meinen, dass es bei der Mannschaft keine positive Entwicklung gibt. Sehen Sie auch eine solche Entwicklung?

Ja, wir sehen sie. Natürlich spielen die Ergebnisse aber eine entscheidende Rolle. Wenn ich im Stadion sitze oder die Tabelle anschaue, dann spricht das nicht für die Entwicklung. Wir sehen die Entwicklung der Mannschaft aber und ich glaube auch, wer in Vaduz war, hat gesehen, dass die Mannschaft intakt ist und sich Chancen erspielen kann. Wir müssen die Chancen aber verwerten und dazu haben wir am Sonntag gegen Luzern die nächste Chance.

Mit dem FC Luzern kommt eine starke Mannschaft, die einen Lauf hat und nicht gerade ein Aufbaugegner ist. Was kann man gegen Luzern ausrichten?

Wir versuchen, wie in jedem Spiel, drei Punkte zu holen. Wir haben gegen GC einen ähnlich grossen Gegner vor uns gehabt und haben da auch drei Punkte geholt. Deshalb ist das auch gegen Luzern das Ziel.

(Interview: Sandro Zulian)

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