Mehr Schutz nach Amoklauf in Salez

In Salez kam es im August zu einem Tötungsdelikt mit drei Toten.
In Salez kam es im August zu einem Tötungsdelikt mit drei Toten. © TAGBLATT/Benjamin Manser
Ein knappes halbes Jahr ist vergangen, seitdem die Ostschweiz von einer unfassbaren Tat erschüttert wurde. Diese ist in mehrfacher Hinsicht nicht ohne Wirkung geblieben: Nach dem Amoklauf in einem Regionalzug bei Salez verstärken die SBB und die SOB ihre Sicherheitsvorkehrungen.

Am Nachmittag des 13. August 2016 hat ein 27-jähriger Schweizer in einem Zug der Südostbahn (SOB) wahllos Passagiere mit einem Messer und einer brennbaren Flüssigkeit angegriffen. Die Attacke ereignete sich kurz vor dem Bahnhof Salez auf der Strecke zwischen Buchs und Sennwald.

Die Wahnsinnstat forderte zwei Opfer, drei weitere Personen wurden verletzt. Acht Zugpassagiere stellten an dem Tag ihre Zivilcourage unter Beweis und verhinderten Schlimmeres. Auch nach dem Eintreffen der Rettungskräfte leisteten sie noch tatkräftige Unterstützung.

Der Täter selbst nahm sich danach sein Leben. Er stammte aus Tuggen SZ, hatte aber auch einen Wohnsitz in Liechtenstein. Seine Opfer hatte er nicht gekannt, das Motiv bleibt unklar.

Erkenntnisse für Bahnunternehmen

Mehrere Schweizer Bahnunternehmen haben inzwischen zusätzliche Massnahmen getroffen, um die Sicherheit von Passagieren und Personal zu erhöhen, berichtete die «Südostschweiz» am Montag in ihrer Printausgabe. Die SOB, die in Salez betroffen war, hat dafür gesorgt, dass die Feuerlöscher in den Zügen besser erkennbar sind. Mit farblichen Anpassungen wurde die Brandfall-Signalisierung verbessert. Auch soll ein Informationsblatt in der Nähe der Türen dafür sorgen, dass Passagiere im Notfall richtig handeln. «Ein Zuviel an Massnahmen wäre allerdings kontraproduktiv, da dies zu vermehrter Angst führen könnte», sagt SOB-Mediensprecherin Ursel Kälin gegenüber FM1Today.

Im neuen Voralpen-Express, der zur Zeit gebaut und ab 2019 eingesetzt werde, würden die Feuerlöscher näher beim Ein- und Ausstiegsbereich platziert. Darüber befände sich dann ein Bildschirm, der den Reisenden im Ernstfall Hilfe und Anweisung gibt.

«Angst wird geschürt»

«Wenn wir nach so einem tragischen Ereignis die Sicherheitseinrichtungen nochmals prüfen und hinterfragen, geht es um Optimierungen», betont die Mediensprecherin. Heutzutage gäbe es nicht mehr kriminelle Vorfälle als früher, allerdings mitunter das Gefühl, dass dem so sei. «Das grosse und stetig wachsende Medienangebot und die Internationalisierung bringen es mit sich, dass wir zeitnah von überall jeglichen Vorfall aus den hintersten Winkeln der Erde ‘serviert’ bekommen. Da kann schon der Eindruck entstehen, dass es eine Zunahme gibt», sagt Kälin.

«Die ‘Bad news is good news’-Mentalität fördert das mediale Aufgreifen von – insbesondere tragischen – ‘Vorfällen’ und deren Verbreitung.» Geschürt werde damit sicher auch die Angst  – und ein extremes Sicherheitsbedürfnis, «wie wir es hier in der Schweiz bisher in dieser ausgeprägten Form nicht kennen», werde gefördert. Bis dato sei die SOB «ausserordentliche Situationen pragmatisch und mit gesundem Menschenverstand angegangen».

«Wir reagieren situativ»

«Das Sicherheitsempfinden unserer Reisenden ist nach wie vor sehr hoch», bestätigt auch SBB-Mediensprecher Christian Ginsig. Vonseiten des Unternehmes werde die Sicherheitslage laufend beobachtet «und wir reagieren situativ auf nationale oder internationale Entwicklungen». Bei der SBB Transportpolizei sei beispielsweise auch die Einsatzzentrale personell verstärkt und die Abläufe bei der Alarmierung von Polizei, Feuerwehr und Sanität optimiert worden.

Die SBB haben auch im Zusammenhang mit terroristischen Entwicklungen in Europa die Sicherheitslage überprüft und kurzzeitig als Sofortmassnahme die Präsenz von Sicherheitspersonal an Bahnhöfen erhöht.

Im Jahr 2016 hat es bei den SBB 157’006 Anrufe auf die Einsatzleitzentrale gegeben – das ist ein Plus von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Täter war passiv aggressiv

Nach dem Amoklauf in Salez waren zahlreiche Verschwörungstheorien und Falschmeldungen aufgetaucht. Dass es sich bei dem Täter um einen gebürtigen Schweizer handelt, stellten einige Medien per se in Frage.

Ein ehemaliger Freund des Täter beschreibt ihn als Mobbingopfer, das sich nie gewehrt hat. Ab einem unbestimmten Zeitpunkt sei der an sich kommunikative, aber stets zurückhaltende junge Mann immer mehr verstummt.

(cla)

Spurensuche in Tuggen


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