«Noch kaum von so krassem Fall gehört»

Von Angela Müller
«Rezepte, wie man in Ausnahmefällen reagieren soll, gibt es nicht», sagt Ralf Eigenmann.
«Rezepte, wie man in Ausnahmefällen reagieren soll, gibt es nicht», sagt Ralf Eigenmann. © Tagblatt/Urs Jaudas
Ein Vorfall im VBSG-Bus schlägt hohe Wellen: Ein 62-jähriger Mann steht einer jungen Frau bei, die belästigt wurde, und kassiert dafür Schläge. Ähnliche Situationen kommen ab und zu in VBSG-Bussen vor – die Chauffeure sind vorbereitet, sagt ihr Chef.

Er hat genau das getan, was sich die meisten nicht getrauen. Der 62-jährige Mann hat eingegriffen. Letzten Freitagmorgen um 7 Uhr hat ein Angetrunkener im Bus der Linie 4 beim Marktplatz eine junge Frau offensichtlich sexuell belästigt. Der ältere Herr stellte den Täter zur Rede, daraufhin schlug ihm der Aggressor mit der flachen Hand ins Gesicht.

Kurz nach dem Angriff stieg der Täter aus und traktierte von aussen den Bus. Er hatte zu spät bemerkt, dass eine junge Frau den Vorfall gefilmt hatte. Der Chauffeur reagierte richtig: Er alarmiert die Leitzentrale und verschloss die Tür.

«Ich bewundere, wie couragiert der 62-jährige St.Galler eingegriffen hat und bin auch stolz, dass der Chauffeur richtig reagiert hat», sagt Ralf Eigenmann, Direktor der Verkehrsbetriebe St.Gallen (VGSG). «In den zehn Jahren, in denen bei der VBSG bin, habe ich noch kaum von so einem krassen Fall gehört», sagt Eigenmann. Er hält fest, dass Gewalt in den lokalen Bussen nicht zunimmt.

Trotzdem wurde das Personal für ähnliche Fälle vorbereitet. Vor einiger Zeit hatten die Chauffeure einen Weiterbildungskurs zum Thema. Das Wichtigste: Hilfe holen. «Doch Rezepte, wie man reagieren soll, gibt es nicht», sagt Eigenmann.

Für solche Ausnahmesituationen – vor allem Unfälle – haben die Chauffeure einen Notfallkit in der Fahrerkabine. Hier drin befinden sich Checkliste, Unfall-Protokolle und ein Erste-Hilfe-Set. «Es ist wichtig, dass das Fahrpersonal richtig reagiert und ausgerüstet ist», sagt Eigenmann.

Gezielte Schulung zur Deeskalation erhält das Personal, das Tickets kontrolliert. «Hier kann es immer wieder zu brenzligen Situationen kommen», sagt Eigenmann.

Weiter Informationen zum Thema Zivlicourage findet man auf der Seite der Schweizerischen Kriminalprävention.

(agm)


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