Pistenbully-Shuttle nimmt Fahrt auf

Von Stephanie Martina
Das umgebaute Pistenfahrzeug bietet bis zu elf Wintersportlern Platz
Das umgebaute Pistenfahrzeug bietet bis zu elf Wintersportlern Platz © Bergbahnen Splügen Tambo
Ab Ende Januar bringt ein umgebauter Pistenbully Splügener Wintersportler ins benachbarte italienische Skigebiet Madesimo. Bei Umweltschützern sorgt das Projekt für Unmut. Sie sind enttäuscht, dass sie übergangen wurden.

Mit einem Pistenbully-Shuttle werden die Bergbahnen Splügen Wintersportgäste aus dem benachbarten italienischen Skigebiet Madesimo über den Splügenpass in die Schweiz transportieren – und umgekehrt. Bereits Ende Januar beginnt der Testbetrieb. Bis Ostern soll ein speziell umgebautes Pistenfahrzeug die Skifahrer und Snowboarder jeweils an den Wochenenden zwischen den beiden Skigebieten hin und her kutschieren.

«Einerseits verfolgen wir mit dieser Idee das Ziel, das italienische Publikum in die Schweiz zu locken, andererseits ist es aber auch für die Splügener Gäste attraktiv, wenn sie durch die Kooperation mit den Italienern mehr Pistenkilometer erhalten», sagt Ivo Frei, Verwaltungsrat der Bergbahnen Splügen Tambo AG.

Inzwischen hätten die beiden Skigebiete alle nötigen Bewilligungen erhalten, sodass einem Probelauf nichts mehr im Wege stehe. Bis der gut zweimonatige Testbetrieb am 20. Januar beginnt, sollen erste Probefahrten durchgeführt werden.

«Es fand kein Bewilligungsverfahren statt»

Bei Pro Natura Graubünden zeigt man sich überrascht, dass das Projekt bereits Ende Monat starten wird. «Wir sind davon ausgegangen, dass das Projekt öffentlich aufgelegt wird, wie es in solchen Fällen üblich ist», sagt Susanna Geissbühler, Wissenschaftliche Mitarbeiterin von Pro Natura Graubünden. Sie müsse annehmen, dass ein solches Bewilligungsverfahren nicht durchgeführt wurde. Das sei ungewöhnlich, denn ein solches Projekt brauche eine Reihe von Bewilligungen unter anderem eine für die Benutzung gesperrter Winterstrassen. Ebenso müsste das Projekt im Zonenplan der Gemeinde festgelegt werden – da sei aber bisher nichts eingezeichnet worden.

Bergbahnen sehen keinen Anlass für Gespräche

Susanna Geissberg hätte sich gewünscht, das die Bergbahnen auf die Umweltverbände zugegangen wären und sie ins Projekt miteinbezogen hätten. Auf Seiten der Bergbahnen sah man bisher keinen Anlass für Gespräche mit den Umweltschützern. Ivo Frei erklärt: «Da der Pistenbully-Transfer in einer Tourismuszone stattfindet, sind keine weiteren Abklärungen nötig. Deshalb haben wir mit dem Umweltorganisationen keine Gespräche geführt.»

Dem widerspricht Geissbühler: «Auch wenn die Fahrt nicht durch ein Winterruhegebiet führt, müssen die notwendigen Abklärungen getätigt und die erforderlichen Bewilligungen eingeholt werden. Vor allem, was die Störung von Wildtieren anbelangt», sagt Geissbühler. Wildtiere seien besonders im Winter störungsanfällig und flüchten, wenn sie erschreckt werden. Das brauche enorm viel Energie, weshalb es geschehen könne, dass die Tiere zu wenig Energie hätten, um den Winter zu überstehen.

Umweltschützer wollen Optionen prüfen

Pro Natura werde sich mit anderen Umweltschützer wie etwa dem WWF und Mountain Wilderness in Verbindung setzen und prüfen, welche Handlungsmöglichkeiten ihnen zur Verfügung stünden. Das Projekt verhindern, werden sie jedoch nicht. «Aber», sagt Geissbühler: «wir werden aktiv bleiben und das Projekt genau verfolgen. Spätestens nach Beendigung des Testbetriebs erwarten wir, dass ein Bewilligungsverfahren aufgegleist wird, damit wir Stellung nehmen können.»

Keine Bewilligung notwendig

Das Amt für Raumentwicklung Graubünden bestätigt, dass eine Anfrage über die Notwendigkeit eines Baugesuchs ausserhalb der Bauzonen (BAB) eingetroffen sei. Diese sei durch den Rechtsdienst geprüft worden. Amtsleider Richard Atzmüller bestätigt, dass ein BAB aus folgenden Gründen nicht notwendig sei: «Da es sich um eine Pilotphase handelt und die Pistenbullys nur vereinzelt auf der normalen Strasse fahren werden, brauchen die Bergbahnen Splügen Tambo AG zurzeit keine BAB-Bewilligung. Es seien keine Bauten und Anlagen vorgesehen, es fände keine Zweckänderung der Strasse statt und es sei für den Pilotbetrieb auch nicht mit erheblichen Auswirkungen auf die Nutzungsordnung zu rechnen.» Falls sich aus der Pilotphase ein beständiges Angebot entwickeln würde, müsste man die Sache nochmals anschauen und ein allfälliges Bewilligungsverfahren aufgleisen.

Auch die Zollverwaltung gibt grünes Licht. Da die Pistenbullys keine Zollstrasse befahren werden und die Strecke in der Pilotphase nur vereinzelt benutzt wird, wurde die Bewilligung erteilt, heisst es auf Anfrage.

Eine kostengünstige Zwischenlösung

Die Idee, die Schweiz und Italien zu verbinden ist in Splügen nicht neu und wird bereits seit über zehn Jahren diskutiert. Bisher haben sich die beiden benachbarten Skigebiete jedoch nie einigen können. «Auch unser Vorhaben, die Gäste mit einem Pistenbully von einem Skigbiete ins andere zu transportieren, ist nur eine Zwischenlösung. So wollen wir auf kostengünstige Weise herausfinden, ob das Bedürfnis überhaupt vorhanden ist», erklärt Frei. Nach dieser Saison werde man sehen, ob es sich lohnt, das Angebot auszubauen oder, ob es wieder gestoppt werden müsse. Momentan sei man jedoch optimistisch, dass der Pistenfahrzeug-Shuttle gefragt sein werde.

Wie dem neuen Flyer «2 Skigebiete, 2 Länder» zu entnehmen ist, kostet ein Tages-Kombibillett inklusive Pistenbully-Transfer 70 Franken (oder 60 Euro). Wer den Shuttle nutzen möchte, muss sich bereits am Vortag einen Platz reservieren und volljährig sein. Da es sich um einen Grenzübertritt handelt, weisen die Bergbahnen zudem darauf hin, dass eine ID oder ein Pass mitgebracht werden muss.


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