«Wir brauchen mehr altes Brot»

Von Fabienne Engbers
Die ÄssBar bekommt zu wenig altes Brot - mehr Bäckereien werden gesucht.
Die ÄssBar bekommt zu wenig altes Brot - mehr Bäckereien werden gesucht. © FM1Today
Das «Brot von gestern» geht weg wie warme Weggli. Die ÄssBar in St.Gallen ist oft bereits kurz nach dem Mittag ausverkauft. Nun sucht sie nach mehr Bäckereien, die ihr altes Brot an die ÄssBar abtreten.

«Wir sind fast jeden Tag ausverkauft», sagt Sandro Furnari, Gründer und Geschäftsführer der ÄssBar.  Was die St.Galler Bäckereien nicht verkaufen können, liefern sie am nächsten Morgen an die ÄssBar. Diese verkauft Brot, Tortenstücke und Sandwiches zum halben Preis. Das Konzept funktioniert, nun müssen mehr Lieferanten her.

Kantischüler sind beste Kunden

Die Kantonsschule Burggraben liegt direkt neben der ÄssBar und dank der Kantischüler sind die besten Brötli meist schon nach der Znüni-Pause weg. «Die Sandwiches sind günstig und immer sehr fein», sagt Schülerin Daniela. «Wir kommen immer, wenn wir in der Pause Zeit haben, es stört uns überhaupt nicht, dass die Brötli von gestern sind», sagt ein anderer Kantischüler. Einige der Schüler haben primär den günstigen Preis im Kopf, andere haben auch realisiert, dass sie gegen Foodwaste ankämpfen, wenn sie ihr Pausenbrötli in der ÄssBar kaufen.

Publikum ist bunt gemischt

Nicht nur Schüler kommen in der ÄssBar vorbei, auch viele Erwachsene unterstützen das Konzept. Runa kommt ursprünglich aus Afghanistan und kommt regelmässig in die ÄssBar. «In meiner Heimat hat niemand Essen, deshalb bin ich froh, kann ich hier etwas gegen die Verschwendung von Esswaren unternehmen», sagt die junge Frau. Auch eine ältere Dame kommt öfters vorbei. «Ich finde es toll, dass man das Essen nicht wegschmeisst. Ich komme regelmässig und hatte noch nie das Gefühl, dass ein Brot alt oder nicht mehr gut war», sagt Marlene.

Einfaches Konzept

«Wenn wir um 14 Uhr nichts mehr da haben, dann müssen wir wohl oder übel schliessen», sagt Sandro Furnari. Sein Konzept kommt bei den St.Gallern an, unter anderem, weil es unkompliziert ist. Wenn jemand mal kein Bargeld dabei hat, bekommt er einen «Schuldschein». «Das funktioniert super. Manchmal haben die Leute so ein schlechtes Gewissen, dass sie am nächsten Tag extra nochmals vorbei kommen, um ihre Schulden zu bezahlen», sagt Verkäufer Nils. Auch sonst ist die ÄssBar einfach gehalten. An der Theke bezahlt man, es gibt einen weiteren Raum, in dem man essen kann. «Wir geben hier auch Kurse für Schulklassen, bei denen wir Foodwaste thematisieren», sagt Nils.

Ausbau geplant

«Weil wir fast immer ausverkauft sind, suchen wir nun mehr Bäckereien, die uns ihre Ware abgeben», sagt Sandro Furnari. Bis anhin sammeln sie die alten Gebäcke im Umkreis St.Gallen, Gossau und Herisau ein. Neu will die ÄssBar auch altes Brot in Rorschach abholen. «Wir sind dringend auf der Suche nach Partner-Bäckereien», so Furnari. Ziel ist, dass es auch um 18 Uhr noch Brot in der ÄssBar zu kaufen gibt.


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