Alles oder nichts in Tschiertschen

Das Skigebiet Tschiertschen steht vor einer ungewissen Zukunft.
Das Skigebiet Tschiertschen steht vor einer ungewissen Zukunft. © Keystone/Arno Balzarini
Eine Fusion, die Haushalte greifen in die Tasche oder man stellt den Betrieb direkt ein. Diese drei Szenarien gibt es rund um die Bergbahnen Tschiertschen in Graubünden. Das Skigebiet kämpft seit Jahren mit den roten Zahlen.

Die Bergbahnen Tschiertschen BBT befinden sich in einer prekären Lage. Jährlich schreiben sie ein Minus zwischen 200’000 und 400’000 Schweizer Franken. Bis jetzt wurden die Kosten dank Spenden und Darlehen gedeckt. «Wir wollen aber eine nachhaltige Lösung», sagt Martin Weilenmann, Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen Tschiertschen. Die BBT-Verantwortlichen haben deshalb verschiedene Geschäftsmodelle geprüft. Folgende drei Varianten liegen jetzt auf dem Tisch und wurden der Bevölkerung präsentiert:

Haushalte beteiligen sich:
Das Skigebiet wird weiter betrieben, sofern die Ein- und Zweitwohner sich an den Kosten beteiligen. Und zwar mit 1000 bis 2000 Franken pro Haushalt und Jahr. Die Bergbahnen Tschiertschen würden sozusagen zum Service Public werden.
Als Vorbild wird hier die Bündner Gemeinde Vals genommen. Dort wurde ein ähnliches Modell erfolgreich integriert.

Fusion mit Arosa/Lenzerheide:
Bei dieser Variante würde sich Tschiertschen mit einem attraktiven Skigebiet zusammenschliessen. Allerdings ist das kleine Skigebiet auf die Hilfe vom grossen Arosa/Lenzerheide angewiesen. Denn erste Berechnungen zeigen, dass dieses Projekt mit einer Pendelbahn 15 bis 17 Millionen Franken kosten würde.

Stecker ziehen:
Aus, Ende, Amen. Auch diese Möglichkeit ziehen die Verantwortlichen in Betracht. Sie sehen darin sogar eine Chance: Ein neuer «sanfter» Tourismus könnte aufgebaut werden.

Bevölkerung kann sich äussern

Die drei Varianten hauen die Bevölkerung von Tschiertschen offenbar nicht aus den Socken. «Wir haben aber gespürt, dass die Leute froh sind, dass sie in den Prozess miteinbezogen werden und nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden», sagt Martin Weilenmann. Nun kann sich die Bevölkerung, mittels einer Umfrage, zur Skigebiet-Zukunft äussern.

Erste Gespräche mit dem grossen Nachbarn

Weilenmanns Favorit ist der Zusammenschluss mit dem grossen Skigebiet Arosa/Lenzerheide. «Das ist für mich persönlich die zukunftsgerichtetste Variante.» Erste Gespräche sind bereits geführt worden. Wenn die Umfrage zeigt, dass auch die Bevölkerung diese Variante bevorzugt, könnte man laut Weilenmann an diesen Gesprächen anknüpfen.

Wie es mit dem kleinen Skigebiet in naher Zukunft weiter geht, ist noch unklar. Die Gemeinde und die BBT-Verantwortlichen wollen die Zukunft aber bis Ende 2021 geklärt haben.

Um den Skigebetrieb im nächsten Winter sicherzustellen, werden jetzt, laut «grheute», Sofortmassnahmen eingeleitet. Unter anderem wird das Tarifsystem angepasst und die Liegenschaftssteuern und Gästetaxen erhöht.

(lae)


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