Alpaufzug verschönert Ruckhaldetunnel

Der Graffiti-Künstler Pirmin Breu verschönert den Ruckhaldetunnel.
Der Graffiti-Künstler Pirmin Breu verschönert den Ruckhaldetunnel. © FM1Today/Stefanie Rohner
Die Bauprojekte der Appenzeller Bahnen auf der Strecke zwischen St.Gallen und Teufen befinden sich im Endspurt. Am 7. Oktober soll der erste Zug die Strecke meistern. Im Ruckhaldetunnel ist aber jetzt schon Einiges los: Der Graffiti-Künstler Pirmin Breu sprayt den «längsten Alpaufzug» auf die Tunnelwand.

Die Bauarbeiten am 700 Meter langen Tunnel zwischen dem St.Galler Güterbahnhof und dem Riethüsli-Quartier stehen vor dem Abschluss. Dazu gehört auch eine Verschönerung der Tunnelröhre durch «Kunst am Bau». Appenzeller-Bahn-Direktor Thomas Baumgartner lud am Mittwoch zum Tunnelspaziergang.

Auf 700 Metern erstreckt sich der gesprayte Alpaufzug durch das Tunnel. Es dürfte der längste sein, den es bisher gegeben hat. «Ich hoffe, das wird so bleiben», sagt Pirmin Breu. Noch ist Breu nicht fertig, aber auf gutem Weg. Wie viele Stunden er schon investiert hat, weiss er nicht so genau. Seit einem Jahr allerdings ist er mit dem Projekt Alpaufzug beschäftigt.

250 Figuren auf 700 Metern

«Auf diesen Wänden zu sprayen, ist eine grosse Herausforderung, aber Herausforderungen liebe ich. Erst dann wird es richtig spannend», so Breu. Er hat schon viele Dosen verbraucht, denn die Wände saugen die Farbe regelrecht auf.

Er hat Hilfe beim Anbringen der Schablonen. Sind sie erst einmal auf der Wand, verfeinert er seine Kunstwerke anschliessend mit weisser Farbe. Mit Airbrush erreicht er einen 3D-Effekt.

Der Alpaufzug ist simpel gehalten, aber ganz klar zu erkennen. Wer künftig mit den Appenzeller Bahnen reist, kann Kühe, Ziegen, Hunde und Appenzeller Sennen bewundern. Gesamthaft sind es rund 250 Figuren. Die Kunst wird leicht beleuchtet, so dass man sie auch sicher sehen kann. «Ich bin gespannt auf meine erste Fahrt durch den Tunnel. Dann sehe ich, wie es wirkt», so Breu.

«Schön, legal zu sprayen»

Der Künstler hat seine Wurzeln im innerrhodischen Oberregg – so hat er die Traditionen des Appenzellerlandes mit der Graffiti-Kunst kombiniert. Bekannt ist er unter anderem für seinen «Alp-Auf-Zug», eine Komposition eines Alpaufzugs im Siebdruck auf der Appenzeller Bahn.

Zuvor durfte er einmal einen Wagen der Appenzeller Bahnen besprayen – innert 15 Minuten. «So konnte ich den Zug legal besprayen, wohl der erste in der Schweiz», sagt Breu und lacht.

Er wanderte einst nach New York aus, sprayte dort seine Figuren auf U-Bahn-Züge, kehrte in die Schweiz zurück und bietet heute unter anderem Graffiti-Projekte für Schulklassen im Aargau an. Vom Auftrag der Appenzeller Bahn zeigt er sich begeistert. Es sei für ihn eine Rückkehr zu den Wurzeln.

Zur Graffiti-Kunst kam er in den 80er-Jahren. Damals allerdings waren seine Werke illegal. Bei Nacht hat er damals als Teenager die Wände für sich beansprucht. «Es ist schon schön, legal und in aller Ruhe sprayen zu können», sagt Breu.

Polizei durchsuchte sein Haus

In Muri, seinem Wohnort, sind er und seine Freunde als Teenager zu 30 Leuten in der Nacht auf Spray-Aktion gegangen. «26 sind Schmiere gestanden, vier haben gesprayt. Nach einem Jahr war klar, wer dahinter steckt, die Polizei hatte aber keine Beweise», sagt Breu.

Und doch haben sie bei ihm eine Hausdurchsuchung durchgeführt und all seine Gspänli vernommen. So kam dann doch raus, wer dahinter steckt. So musste er für 14 Graffitis gerade stehen. «Damals kannten wir die Folgen illegaler Sprayerei nicht, weil es noch so neu war», sagt Breu.

Eröffnung der Strecke im Oktober

Die Appenzeller Bahn modernisiert derzeit ihre Linien. Der Bau des Ruckhaldetunnels für 63 Millionen Franken ermöglicht den Einsatz von neuen Zügen, die durchgehend von Appenzell über Teufen nach St. Gallen und weiter nach Speicher-Trogen verkehren. Die bisherige Zahnradstrecke wurde aufgehoben.

Im September sind Testfahrten mit den neuen «Tango»-Zügen geplant und am 6. Oktober wird die «Durchmesserlinie» festlich eröffnet. Vorerst fahren die Züge wie bisher im Halbstundentakt. Ab etwa März 2019 will die Appenzeller Bahn den Fahrplan zwischen St.Gallen und dem Appenzellerland auf den 15-Minuten-Takt verdichten.

(str/sda)


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