«Bin nun mal eine brötige Ostschweizerin»

Karin Keller-Sutter: Eine CVP-Kandidatur aus der Ostschweiz wäre «ein Gott wohlgefällig Werk».
Karin Keller-Sutter: Eine CVP-Kandidatur aus der Ostschweiz wäre «ein Gott wohlgefällig Werk». © Keystone
Die St.Gallerin Karin Keller-Sutter will Bundesrätin werden. Was sie zur Kandidatur bewogen hat und wieso sie die optimale Ostschweizer Vertreterin wäre, erklärt sie im Interview.

Frau Keller-Sutter, wieso wollen Sie Bundesrätin werden?
Ich habe grossen Respekt vor dem Amt. Noch vor einiger Zeit konnte ich es mir nicht vorstellen. Andererseits konnte ich mich in den letzten sieben Jahren im Ständerat entwickeln.

Sie haben sich auch in Bern vernetzen können.
Ja, ich bekam für meine Kandidatur Ermunterungen quer durch alle Parteien von Kolleginnen und Kollegen im Ständerat. Ich hatte das Gefühl: Wenn die mir helfen und Vertrauen in mich haben, dann wage ich das nochmals.

Sie sprechen es an: Vor acht Jahren sind Sie mit ihrer Kandidatur gescheitert. Damals sagten Sie, dass Sie sich das nicht mehr antun wollen.
Das stimmt. Aber die Bestärkung der Kolleginnen und Kollegen im Ständerat war wichtig. Sie haben mich damals beim Rücktritt von Didier Burkhalter (2014, Anm. d. Red.) gebeten, mir eine Kandidatur bei der nächsten Vakanz nochmals zu überlegen.

Man muss sich bewusst sein, dass eine mögliche Wahl das ganze Leben verändert.

Was hat sich seither geändert?
Heute weiss ich, dass das damals gar nicht hätte funktionieren können. Die Erfahrungen aus der Bundespolitik sind entscheidend. In der Bundespolitik ist es schwierig, wenn man von aussen kommt.

Eine Woche lang haben Sie sich mit dem Entscheid Zeit gelassen.
Das ist schon angemessen, angesichts der Tragweite dieses Entscheids. Man muss sich bewusst sein, dass eine mögliche Wahl das ganze Leben verändert. Man ist nicht nur von 8 bis 17 Uhr Bundesrätin.

Was hat den Ausschlag gegeben?
Der Rückhalt über die Parteien hinaus. Und natürlich die Gespräche mit meinem Mann, meinem Bruder, meinen Freunden und Kolleginnen und Kollegen.

Viele Leute fordern ja eine weitere Frau für den Bundesrat.
Ich finde auch, dass die Frauen untervertreten sind. Gerade im Ständerat. Ich würde mich freuen, wenn nächstes Jahr viele Frauen kandidieren, egal wo. Die Bevölkerung sollte adäquat vertreten sein.

Die Ostschweizer Sicht ist ein emotionaler Aspekt.

Falls Sie gewählt werden: Haben Sie ein Wunschdepartement?
Nein, es geht nicht darum, eine Departementschefin oder einen Departementschef zu wählen. Es geht um einen Bundesrat, der für das ganze Land verantwortlich ist. Ich finde diese «departementale Sicht» keine gute Entwicklung.

Sie haben sich in Ihrer politischen Karriere immer für die Ostschweiz eingesetzt. Als Bundesrätin hätten Sie plötzlich eine andere Rolle.
Die Ostschweizer Sicht ist ein emotionaler Aspekt. In Bern werden alle Deutschschweizer ja schon in einen Topf geworfen, obwohl wir verschiedene Sichtweisen haben. Ich werde die Prägung und Denkweisen aus der Ostschweiz nicht ablegen.

Wie genau wollen Sie die Ostschweiz vertreten?
Ich bin nun mal eine brötige Ostschweizerin, ich bin, wie ich bin. Die Mentalität, die Art und der Umgangston finden überall Eingang. Vielleicht bin ich bei gewissen Entscheiden betreffend Strassen und Bahn ein bisschen sensibler. Aber ich konnte ja in der St.Galler Regierung auch nicht nur die Region Wil vertreten. Man muss damit rechnen, dass man auch mal einen Entscheid gegen den Kanton fällen muss.

Ich müsste einen Wald und einen Hund in Bern organisieren.

Was wäre Ihre erste Amtshandlung im Bundesrat?
Warten wir mal ab. Zuerst müssen mich die Kantonalpartei und die Fraktion nominieren und dann muss ich noch gewählt werden. Dann haben wir noch immer genug Zeit, zu überlegen, was wir anstellen könnten…

Es besteht ja noch immer die Möglichkeit, dass die CVP auch einen Ostschweizer nominiert. Weil der CVP-Bundesrat zuerst gewählt wird, wäre das für Sie wohl nicht ganz optimal.
Das wäre ein Gott wohlgefällig Werk, wenn zwei Ostschweizer nominiert werden würden.

Das wäre kein Problem für Sie?
Nein.

Sollten Sie gewählt werden, hätten sie kaum mehr Zeit für Ihre geliebten Waldspaziergänge mit dem Hund.
Naja, ich müsste einen Wald und einen Hund in Bern organisieren.

(abl/red.)


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