Das gewisse Etwas fehlt noch

Nationaltrainer Vladimir Petkovic im Gespräch mit Spielmacher Xherdan Shaqiri
Nationaltrainer Vladimir Petkovic im Gespräch mit Spielmacher Xherdan Shaqiri © KEYSTONE/ENNIO LEANZA
Die Schweizer Nationalmannschaft wird beim 1:2 in Belgien für einen starken Auftritt nicht belohnt. Will sie zur erweiterten Spitze Europas gehören, muss sie ihr Offensivspiel zwingend verbessern.

Die Schweizer spielten im in die Jahre gekommenen Stade Roi Baudouin in Brüssel gut. Phasenweise sogar sehr gut. Letztlich aber nicht gut genug, um gegen die Nummer 1 der Weltrangliste etwas Zählbares zu erreichen. Die grössere individuelle Klasse entschied die Partie zugunsten des derzeit mit Weltmeister Frankreich aufregendsten Nationalteams Europas.

Die SFV-Auswahl hatte in der jüngeren Vergangenheit mehrmals bewiesen, dass sie auch in Wettbewerbsspielen mit den Besten mithalten kann; beim 0:0 gegen Frankreich an der EM 2016, beim 2:0-Sieg gegen Europameister Portugal in der WM-Qualifikation oder beim 1:1 gegen Brasilien zum Auftakt der WM in Russland. Auch gegen den WM-Dritten Belgien wussten die Schweizer über weite Strecken zu gefallen, eine Stunde lang waren sie mindestens ebenbürtig. Das defensive Kollektiv funktionierte, dank der Variabilität in der Vorwärtsbewegung gelangen einige sehenswerte Spielzüge.

Dass es am Ende doch nur zu einer Ehrenmeldung reichte, hatte mehrere Ursachen: die Klasse des Gegners, das doch nicht ganz perfekte Spiel in der Abwehr und die fehlende Durchschlagskraft in der Offensive. Zwei, drei Dinge hätten sie in der zweiten Halbzeit nicht optimal gemacht, sagte Yann Sommer. Die Kritik des Keepers galt aufgrund des ersten Gegentors auch ihm selbst.

Bis zu jener Aktion hatte die Mannschaft die taktischen Vorgaben des Coaches nahezu optimal umgesetzt. Der Ausfall von Manuel Akanji, der Nummer 1 in der Innenverteidigung, fiel nicht ins Gewicht. Fabian Schär spielte trotz fehlender Spielpraxis bei Newcastle tadellos, Nico Elvedi erledigte seinen Job im siebten Länderspiel wie ein Routinier.

Im Spielaufbau bewiesen die Schweizer Mut. Sie versuchten das Heft in die Hand zu nehmen, im Wissen um die gefährlichste Waffe der Belgier: das schnelle Umschaltspiel. Angeführt von Granit Xhaka in der Rolle eines Quarterbacks und Xherdan Shaqiri als offensiver Spielmacher wussten sie im Spiel nach vorne zu gefallen. Erst in der gegnerischen Gefahrenzone offenbarten sich die Probleme. Der letzte Pass, das entscheidende Dribbling oder der Torabschluss gelang selten wunschgemäss. «Wir müssen auf den letzten 30 Metern cleverer und noch frecher werden», sagte Xhaka.

Haris Seferovic konnte seine gute Form aus dem Kluballtag nicht ausspielen. Mario Gavranovic erfüllte mit dem Tor seine Rolle als Joker zwar perfekt, in der einen oder anderen Szene fehlte aber auch ihm die Durchschlagskraft. Im krassen Gegensatz dazu standen die Kontrahenten der beiden Stürmer von Benfica Lissabon und Dinamo Zagreb – sie waren von einem anderen Kaliber. Dries Mertens, Romelu Lukaku und Eden Hazard gehören bei Napoli, Manchester United und Chelsea zu den Stars der Mannschaft, Shaqiri, der beste Schweizer Offensivakteur, muss bei Liverpool mit der Rolle des Ergänzungsspielers Vorlieb nehmen.

Dass die Schweiz im Angriff nicht über die Qualität eines Topteams verfügt, ist keine neue Erkenntnis. Der Abend von Brüssel zeigte aber in aller Deutlichkeit, dass diese Generation diesen Mangel zumindest teilweise beheben muss, will sie einst an einer Endrunde mit einer Viertelfinal-Qualifikation ihr Versprechen einlösen. Im März beginnt die EM-Kampagne. Nationaltrainer Vladimir Petkovic weiss um die auf ihn wartende Aufgabe – es wird eine der schwierigsten in seiner Ära.

(SDA)


Newsletter abonnieren
0Kommentare
noch 500 Zeichen