Das sind die neuen Fussballregeln

Die Regeln zum Handspiel sollen klarer werden.
Die Regeln zum Handspiel sollen klarer werden. © KEYSTONE/DPA/Jan Woitas
Ab dem 1. Juni gelten weltweit im Fussball neue Regeln. Betroffen ist zum Beispiel das Handspiel oder auch der Modus bei der Auswechslung. Hier gibt es den Überblick.

Die International Football Association Boards (IFAB) treffen sich regelmässig, um Anpassungen bei den Fussball-Regeln zu besprechen. Gleich einige grössere und kleinere Änderungen wurden an der diesjährigen Sitzung in Aberdeen beschlossen. Die Regeln gelten für alle Ligen und Wettbewerbe ab dem 1. Juni, einzige Ausnahme ist der Final der Champions League vom 2. Juni.

Das sind die Änderungen:

Handspiel

Regeländerung:
– Weiterhin gilt, dass die Körperfläche nicht mit Arm oder Hand vergrössert werden darf. Es gibt neu jedoch eine Ausnahme: Wenn der Ball von einem anderen Körperteil des Spielers berührt wird, der Spieler dann zu Boden geht und mit der Hand oder dem Arm den Sturz abfedern will.
– Wird ein Goal per Hand erzielt, wird es grundsätzlich aberkannt. Dabei ist völlig egal, ob ein absichtliches Handspiel vorausgegangen ist.
– Das gilt auch für Tore, bei denen in der Entstehung ein unabsichtliches Handspiel vorausgegangen ist.
– Diese Handspiel-Regeln gelten nur für die angreifende Mannschaft. Wird unabsichtlich mit der Hand ein Tor verhindert, ist das kein Regelverstoss.
– Misslingt dem Goalie die Ballannahme bei einem Rückpass, darf er den Ball in die Hand nehmen.

Begründung:
Mit den Änderungen soll hauptsächlich mehr Klarheit entstehen, wann ein Handspiel ein Vergehen ist. Für einen Spieler ist es völlig natürlich, dass er seinen Fall mit dem Arm oder der Hand abfedern will, somit liegt kein absichtliches Handspiel vor.

Anspiel

Regeländerung:
– Das Team, das den Münzwurf gewinnt, darf zwischen Anspiel oder Spielhälfte wählen. Bisher konnten sie nur wählen, auf welche Seite sie zuerst spielen wollten.

Begründung:
Weil frühere Regeländerungen mehr Möglichkeiten beim Anspiel erlauben (zum Beispiel ein direktes Goal), würden immer mehr Teams zuerst den Ball wollen. Die Seitenwahl sei den Captains meistens egal.

Torjubel

Regeländerung:
– Feiert ein Spieler «illegal» sein Tor (zum Beispiel indem er das Trikot auszieht), bleibt die Gelbe Karte gültig, auch wenn das Goal aberkannt wird.

Begründung:
Das Vergehen gegen die Fairness und der übertriebene Jubel hat den gleichen Effekt, egal ob das Tor zählt oder nicht.

Abstoss/Freistoss im eigenen Strafraum

Regeländerung:
– Bei einem Torabstoss oder auch einem Freistoss im eigenen Strafraum, muss der Ball diesen nicht mehr verlassen, bevor er von einem Mitspieler angenommen werden darf.

Begründung:
Das Spiel soll so flüssiger werden. Die Gegner müssen beim Freistoss oder Torabstoss weiterhin ausserhalb des Strafraums sein und mindestens 9,15 Meter Abstand haben.

Freistoss

Regeländerung:
– Spieler der angreifenden Mannschaft dürfen nicht mehr in der Freistossmauer von drei oder mehr Spielern stehen.
– Die angreifenden Spieler müssen mindestens einen Meter Abstand zur Mauer einhalten.
– Werden diese Bedingungen nicht eingehalten, gibt es indirekten Freistoss für die andere Mannschaft.

Begründung:
Laut IFAB gibt es «keinen legitimen taktischen Grund», in die gegnerische Mauer zu stehen. Es ist reine Zeitverschwendung. Ausserdem widerspricht es dem Fairness-Gedanken des Spieles.

Schnelle Ausführung des Freistosses

Regeländerung:
– Auch wenn der Schiedsrichter dem foulenden Spieler eine Gelbe oder Rote Karte geben will, kann die angreifende Mannschaft den Freistoss rasch ausführen, die Karte bekommt der Spieler dann beim nächsten Unterbruch. Das gilt aber nur, wenn das Team des foulenden Spielers nicht vom Schiedsrichter abgelenkt worden ist.

Begründung:
Ein vielversprechender Angriff soll nicht mehr durch ein taktisches Foul unterbunden werden können.

Penalty

Regeländerung:
– Der Goalie muss nicht mehr mit beiden Füssen auf der Torlinie stehen. Ein Fuss genügt künftig.
– Der Penaltyschütze darf eine (kurze) medizinische Pause vor dem Kick machen.

Begründung:
Es wäre dem Schützen gegenüber unfair, wenn er den Penalty nicht ausführen kann, weil er das Spielfeld kurz verlassen muss. Wenn der Penaltyschütze seinen Anlauf verzögert, ist es eine völlig natürliche Bewegung des Goalies, wenn er nicht mehr mit beiden Füssen auf der Linie steht.

Schiedsrichterball

Regeländerung:
– Wird das Spiel im Strafraum unterbrochen, bekommt der Goalie danach den Ball.
– Wird das Spiel ausserhalb des Strafraums unterbrochen, bekommt jene Mannschaft den Ball, die ihn zuletzt berührt hat.
– In beiden Fällen müssen die gegnerischen Spieler mindestens einen Abstand von vier Meter einhalten.
– Der Schiedsrichter ist nicht mehr Luft. Wird der Ball vom Schiedsrichter ins Tor oder zu einem gegnerischen Spieler abgelenkt, aber auch wenn nach einer Schiedsrichter-Berührung ein vielversprechender Angriff ausgeführt werden könnte, gibt es einen Schiedsrichterball.

Begründung:
Derzeit werden Schiedsrichterbälle häufig dazu genutzt, den Ball möglichst weit in die gegnerische Hälfte zu kicken, damit der Gegner den Angriff neu aufbauen muss. Bekommt jene Mannschaft den Ball, die ihn zuletzt berührt hat, ist das fairer.

Weitere kleinere Regeländerungen

– Es wird neu zwischen «Abkühlungs-Unterbruch» (90 Sekunden bis 3 Minuten) und «Trinkpause» (maximal 1 Minute) unterschieden.
– Ein Spieler, der ausgewechselt wird, muss das Spielfeld bei der ihm nächsten Aussenlinie verlassen.
– Gelbe und Rote Karten können auch Trainern und Offiziellen gezeigt werden. Ist nicht klar, wer auf der Bank das Vergehen begangen hat, bekommt der Trainer die Karte.

(rr)


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