«Die tun niemandem etwas»

Die amerikanische Kiefernwanze kann man aktuell vermehrt beobachten. Sie stinkt allerdings nicht und ist für den Menschen ungefährlich.
Die amerikanische Kiefernwanze kann man aktuell vermehrt beobachten. Sie stinkt allerdings nicht und ist für den Menschen ungefährlich. © commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=30513755
Sie sind wieder da. Wanzen schwirren derzeit durch die Lüfte und suchen sich einen geeigneten Ort zum Überwintern. Nicht selten suchen sie sich dafür die guten Stuben von arglosen Bürgern aus. Insektenexperte André Mégroz erklärt im Interview, warum das kein Grund zur Sorge ist.

Herr Mégroz, aktuell kreucht und fleucht es wieder hier in der Ostschweiz und Graubünden. Vornehmlich Wanzen sehen wir immer öfter auf der Strasse und in Wohngebieten. Was sind das für Tierchen?
Zurzeit beschäftigt die Menschen vor allem die amerikanische Kiefernwanze. Eine harmlose kleine Wanze, ein eingewanderter Fremdling, der vor allem jetzt zum Winteranfang in die Häuser kommt und die Leute verunsichert.

Warum gefällt es den Wanzen in den Wohnungen?
Das ist durch die Jahreszeit bedingt. Es gibt Insekten, die im Winter versuchen, einen geschützten Ort zu finden. Hierzu gehört diese amerikanische Kiefernwanze. Und noch eine weiteres Tier ist unterwegs, aber bereits schon bekannt und ein gewohntes Bild: Die Marienkäfer. Das sind die harmlosen kleinen Tiere, die jeder gern hat. Auch die würden gerne in unseren Wohnungen und Häusern überwintern.

So überwintern Marienkäfer gerne. (Bild: André Mégroz)

Wenn jemand die angesprochene amerikanische Kiefernwanze oder gar eine marmorierte Baumwanze (diese stinkt, wenn sie sich bedroht fühlt) zuhause findet, sollte man sie im Haus lassen?
Das kommt ganz darauf an, ob man Insekten mag und welche Einstellung man grundsätzlich zur Natur hat. Beide Wanzenarten sind für den Menschen komplett harmlos. Sie sprechen zudem die marmorierte Baumwanze, die sogenannte Stinkwanze, an. Das ist ebenfalls ein Fremdling, der vor allem in der Nähe von Obstkulturen auftaucht. Diese Wanze wurde erstmals 2004 in unseren Gefilden, im Fürstentum Liechtenstein, festgestellt. Diese Wanze sondert ein Sekret ab, wenn man sie bedroht oder sie in die Enge treibt. Das kann dann ein bisschen unangenehm riechen. Aktuell ist diese Wanze aber nicht sonderlich ausgeprägt. 80 Prozent der Anfragen beziehen sich auf die amerikanische Kiefernwanze. Diese kommt am meisten in die Wohnungen und erschreckt manchmal die Mieter.

Was raten Sie jemandem, der/die gerade eine Wanze im Haus gefunden hat?
Ich würde dieses Tierchen in die Hand nehmen oder – falls man sie nicht anfassen möchte – auf ein Blatt tun. Dann kann man die Wanze ins Freie lassen. Sie sucht sich dann eine neue Bleibe, wo sie überwintern kann. Für die Menschen ist eines sehr wichtig zu wissen: Das sind völlig harmlose Tiere, die weder Erwachsenen noch Kindern etwas antun können. Die Tierchen können nicht stechen oder beissen und sie übertragen auch keine Krankheiten. Die Wanze sucht sich einfach einen Ort, um zu überwintern.

Insektenkundler André Mégroz. (Bild: Benjamin Manser / TAGBLATT)

André Mégroz befasst sich seit 50 Jahren mit Insekten. Er betreibt die Webseite «www.insects.ch» und bekommt immer wieder Anfragen von interessierten und teils auch besorgten Menschen, die ein Insekt gefunden haben, das sie nicht einordnen können. Anhand dieser Informationen kann Mégroz feststellen, welche Insekten die Menschen gerade am meisten beschäftigen.


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