Dry January: Eine Pause für die Leber

Gerade nach Weihnachten und Silvester verzichten viele Menschen einen Monat lang auf Alkohol. (Symbolbild)
Gerade nach Weihnachten und Silvester verzichten viele Menschen einen Monat lang auf Alkohol. (Symbolbild) © iStock
Neues Jahr, neue Vorsätze. Gerade nach den feucht-fröhlichen Feiertagen nehmen sich viele vor, einen Monat auf Alkohol zu verzichten. Was nützt ein «Dry January»? Wir haben bei Werner Lüthi, Allgemeinarzt aus St.Gallen, nachgefragt.

Dr. Werner Lüthi, viele Leute verzichten im Januar auf Alkohol. Bringt das überhaupt etwas?
Ja, das bringt sicher etwas. Früher sagten sogar die Mediziner, es sei gesund, jeden Tag ein Glas Rotwein zu trinken. Langjährige Untersuchungen zeigen nun aber, dass dem überhaupt nicht so ist. Alkohol schädigt die Leber. Deshalb sind Pausen, zum Beispiel während eines Monats, sinnvoll. Gerade nach Weihnachten und Neujahr, wo man gerne mal ein Glas trinkt, ist es super, erst einmal darauf zu verzichten.

Ist denn ein Monat überhaupt genug?
So genau lässt sich das nicht sagen. Ein Monat ist ein guter Anfang. Zwei Monate wären natürlich besser – Alkohol ist schliesslich nicht gesund.

Was passiert im Körper, wenn man einen Monat nichts trinkt?
Steter Tropfen höhlt den Stein – auch bei gemässigten Gewohnheitstrinkern werden die Leberzellen geschädigt, da sie den Alkohol abbauen müssen. Das ist strenge Arbeit für die Zellen und sie entzünden sich. Trinkt man einen oder zwei Monate nichts, können diese Zellen heilen.

Würde sich die Leber vollständig erholen, wenn man gleich ein Jahr auf Alkohol verzichtet?
Wenn noch keine ernsthafte Schädigung der Leber vorliegt, dann auf jeden Fall. Wenn es schon Vernarbungen gibt, heilt die Leber nicht mehr, aber es verschlimmert sich dann auch nicht.

Wie merkt man denn, dass die Leber ernsthaft Schaden genommen hat?
Der Gewohnheitstrinker merkt das erst nach zwei bis vier Jahren. Der Schaden macht sich erst dann relevant bemerkbar. Ansonsten merkt man das nicht. Das würde man nur feststellen, wenn man eine Untersuchung der Leberzellen vornimmt. Sind die Zellen über Jahre hinweg ein wenig entzündet, kann das in einer chronischen Entzündung enden – was dann in einer Leberzierrose münden kann.

Dr. Werner Lüthi. Bild: zVg

Stimmt es, dass man müder ist, wenn die Leber viel arbeiten muss?
Es gibt verschiedene Symptome, gerade dann, wenn eine chronische Entzündung vorliegt. Die Leber hat dann nicht mehr ihre volle Arbeitskapazität. So werden Stoffwechselvorgänge nicht mehr korrekt ausgeführt. Das kann Auswirkungen auf Neublutbildung und die Entschlackung anderer Stoffe haben.

Was sollte man tun, wenn man wegen des Verzichts schon unruhig wird?
Dann ist man schon krank und sollte einen Arzt aufsuchen, um sich helfen zu lassen.

Und wenn man den Alkohol einfach ein wenig vermisst?
Das sind sicher erste Vorzeichen. Mit dem nötigen Willen kann man das dann vielleicht noch in den Griff kriegen. Wird man aber jedes Mal schwach und trinkt dennoch, ist man abhängig.

Gibt es überhaupt eine gesunde Menge an Alkohol?
Nein. Alkohol ist per se ungesund. Bei uns ist es allerdings ein Kultmittel. Ich trinke auch gern mal ein Glas Wein, bin also keineswegs ein Dauerabstinenzler. Grundsätzlich ist es aber einfach ungesund.

Alkohol hat auch viele Kalorien…
Ja, ein Bierbauch kommt nun mal vom Alkoholkonsum und so verliert man an Gewicht, wenn man eine Zeit lang auf Alkohol verzichtet. Es gibt also zwei positive Effekte: Die Leber kann sich erholen und der Körper baut Kalorien ab.

(Interview: Rosie Hörler)


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