Eine App gegen das Lädelisterben

Monika Gojkovic (links) und Sonja Bloch wollen mit ihrer App die Vielfalt der Stadt St. Gallen aufzeigen.
Monika Gojkovic (links) und Sonja Bloch wollen mit ihrer App die Vielfalt der Stadt St. Gallen aufzeigen. © pd
Zwei St.Gallerinnen haben die App «ohne Senf» entwickelt. Diese enthält einen Veranstaltungskalender, der alles abdecken soll, was in der Stadt läuft. Die App soll aber auch gegen das Lädelisterben helfen.

Nina Rudnicki/St.Galler Tagblatt

«In St.Gallen erfährt man von neuen Läden oder Veranstaltungen oft zu spät. Nämlich dann, wenn sie zugegangen oder vorbei sind», sagt Sonja Bloch. Die St.Gallerin hat daher zusammen mit Monika Gojkovic vor kurzem die Plattform «ohne Senf» gegründet. Ziel ist es, die Lädeli in der Stadt und alles, was läuft, auf einen Blick sichtbar zu machen. «ohne Senf» funktioniert als App und ist kostenlos in den App-Stores verfügbar. Für Ortsunkundige enthält die App Tourenvorschläge durch die Stadt und schlägt Orte fernab von Touristenattraktionen vor.

Aber auch Einheimische sollen ihre Stadt neu entdecken. Über die Funktion «Speziell für dich» können Geschäfte Vergünstigungen publizieren und die Bevölkerung so dazu anregen, einmal etwas Neues auszuprobieren. Herzstück von «ohne Senf» ist aber der Veranstaltungskalender mit dem Anspruch, in Kürze sämtliche Veranstaltungen in der Stadt aufzulisten. Das ist laut Bloch und Gojkovic in St.Gallen bislang einmalig. «Wir wollten einen vereinfachten Gesamtüberblick schaffen. In unserem Kalender ist daher von kulturellen Veranstaltungen über öffentliche Vorträge, Yogastunden, Wochenmärkten bis hin zu Partys und Konzerten alles übersichtlich aufgelistet», sagt Monika Gojkovic. «Jetzt kann niemand mehr behaupten, in St.Gallen sei nichts los.»

Orientierungsprobleme aus der Welt schaffen

Die beiden haben im vergangenen halben Jahr jede freie Minute in ihr Projekt und den Aufbau von «ohne Senf» gesteckt. Ursprünglich wollten sie etwas gegen das Lädelisterben tun. Nach und nach rückte aber immer mehr in den Vordergrund, zugleich auch die Lebensqualität und Vielfalt von St.Gallen aufzuzeigen. Denn darin sei die Stadt nicht zu übertreffen, sind sie sich einig. Sowohl Sonja Bloch als auch Monika Gojkovic leben seit mehreren Jahren in der Gallusstadt. Davor sind sie wie viele junge Menschen in die Welt hinausgezogen und haben in verschiedenen Städten und Ländern gelebt. Monika Gojkovic arbeitete im Eventbereich und im Tourismus und lebte eine Zeit lang in Italien. Heute ist sie Oberstufenlehrerin. «Als ich nach St.Gallen zurückkam, hatte ich erst einmal Orientierungsprobleme und erfuhr von vielem zu spät», sagt sie. Sonja Bloch arbeitet Teilzeit in Zürich für das Start-up Crowd Container. Bei ihrem Umzug nach St.Gallen vor über neun Jahren stand sie wie Monika Gojkovic vor der Herausforderung, dass sie nicht wusste, was in der Stadt los ist. «Das wollen wir mit unserer App eben verhindern.»

«Ohne Senf» bezeichnen die beiden Mittdreissigerinnen als ihr Herzensprojekt. «Unser Ziel ist es, der Stadt etwas zurückzugeben», sagt Sonja Bloch. «Viele sagen, hier sei es so langweilig, aber das stimmt nicht.» Finanziert wird «ohne Senf» über die Beiträge, die die Geschäfte bezahlen, wenn sie Vergünstigungen veröffentlichen. Die Einträge im Veranstaltungskalender sind hingegen gratis, können aber gegen Entgelt optisch hervorgehoben werden. Bei den Geschäften kommt dieses Konzept laut Monika Gojkovic gut an. «Viele Ladenbesitzer finden es gut, dass wir eine neue Plattform schaffen», sagt sie. «Auf Facebook können sie sich immer weniger verlassen, weil die Posts dort nach oft unbekannten Kriterien erscheinen, oder eben nicht.» Andere Ladenbesitzer seien nicht im Internet präsent, für sie sei «ohne Senf» ebenfalls eine praktische Alternative.

Mit aufblasbaren Bratwürsten unterwegs

In den nächsten Tagen wollen Sonja Bloch und Monika Gojkovic vermehrt mit ihren Wurst-Modellen – zwei übergrossen, aufblasbaren Bratwürsten – in St.Gallen und der übrigen Schweiz unterwegs sein. Auf Instagram veröffentlichen sie anschliessend die Fotos. Zu sehen sind etwa zwei St.Galler Polizisten, die mit den Würsten posieren. Einmal steckt die Wurst während einer Skitour im Rucksack, ein anderes Mal sitzt sie in einem Stadtbus. «Wir haben lange überlegt, wie wir unsere Plattform nennen sollen und wie wir einen Bezug zu St.Gallen schaffen», sagt Sonja Bloch. «So kamen wir auf die Bratwurst und den Senf.» Eine gemeinsame Kollegin hatte dann die zündende Idee zum finalen Namen. Es sei vielleicht etwas klischeehaft, sagen Bloch und Gojkovic. «Aber über die St.Galler Bratwurst kommt man einfach überall mit jedem sofort ins Gespräch.»

Dieser Artikel erschien am 17. Januar zuerst auf Tagblatt Online.


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