Er machte Barack Obama zum Popstar

Von Felix Unholz
Der amerikanische Youtube-Star Fadi Saleh bastelt Songs aus den Reden von Obama.
Der amerikanische Youtube-Star Fadi Saleh bastelt Songs aus den Reden von Obama. © Fotomontage Keystone/zvg
Wenn Barack Obama auf Youtube die Hits von Rihanna, Michael Jackson oder Bruno Mars trällert, steckt Fadi Saleh (23) dahinter. Der Youtube-Star verrät im FM1Today-Interview, wie er aus Reden von Obama neue Musikvideos zusammensetzt, die im Netz viral gehen.

Fast 50 Millionen Klicks verzeichnet das Video, in dem der US-Präsident höchstpersönlich den Sommerhit «Call Me Maybe» von Carly Rae Jepsen singt. Fadi Saleh, damals noch Biochemie-Student an der Universität in Knoxville, hat das Video in seinen Semesterferien in mühsamer Handarbeit zusammengesetzt. Wie lange es braucht, um aus Reden von Obama Youtube-Hits zu machen, verrät er uns Interview:

FM1Today: Deine Barack-Obama-Songs sind ein grosser Erfolg. Wie fühlt sich das an?
Fadi Saleh: Immer noch nicht wirklich real. Ich mache das jetzt seit fünf Jahren. Angefangen habe ich es als Hobby, das zu einer Leidenschaft wurde, die heute mein Beruf ist. Aber es fühlt sich einfach surreal an, über 1,6 Millionen Follower zu haben. Ich kann’s mir immer noch nicht vorzustellen.

Was war die witzigste Reaktion, die du bisher bekommen hast?
Es gab den Moment, als Barack Obama 2012 im Interview von einem Radio aus New Mexico gefragt wurde, ob er den Song Call Me Maybe von Carly Rae Jepsen schon mal gehört hat. Und er antwortete, dass er das Original-Video nicht gesehen habe, aber die Version mit sich selbst. Das war wirklich «crazy».

Und sogar in Asien tanzen sie zu deinen Youtube-Videos…
Ja, eine Freundin war auf einem Roadtrip in China. Sie schickte mir ein Video aus einem Club, in dem sie meine Songs spielten. Obama sang «Sexy And I Know It» und die Leute tanzten sexy dazu. Das ist die verrückteste Geschichte, die ich je gehört habe.

 

«Obama sang ‹Sexy And I Know It› und die Leute tanzten sexy dazu.»

In welchem Moment hast du realisiert, dass deine Videos viral gehen?
Ich erinnere mich noch genau, was passierte. Ich machte die Nächte durch, um mein erstes Video noch vor dem Ende der Semesterferien fertigzukriegen. Ich stellte Obama mit «Born This Way» online, ging duschen und als ich zurückkam, teilten die Leute das Video – überall. Danach habe ich eine ganze Autofahrt damit verbracht, jeden einzelnen Kommentar zu lesen, der zu dem Video reinkam. Am nächsten Tag war ich in der Today Show, bei Good Morning America und überall in Medien auf der ganzen Welt.

Wie bist du überhaupt drauf gekommen, Obama singen zu lassen?
Ich hatte gerade angefangen zu studieren, es lief harzig und ich fühlte mich schlecht. Also ging ich in die Dusche und hatte diesen einen Ohrwurm – «Born This Way». Da dachte ich plötzlich: Wie wärs, wenn Obama den Song von Lady Gaga singen würde? Ich setzte mich an ein Schnittprogramm und hab’s gemacht. Ich brauchte etwa zwei Wochen dafür und der Rest ist Geschichte.

Wie machst du diese Videos überhaupt?
Das ist ein bisschen ein Geschäftsgeheimnis. Grundsätzlich funktioniert das aber so, dass wir das Internet nach Videos von Obama absuchen. Wir schauen uns diese Videos an, um einzelne Wörter zu finden, die wir für die Videos brauchen. Dann schneiden wir die passenden Wörter heraus und im Schnittprogramm wieder neu zusammen. Die Magie besteht darin, welche Wörter wir auswählen und wie wir sie zusammenschneiden.

 

«Obama hat in seinen Reden sieben Mal ‹sexy› gesagt.»

Wie machst du das, dass Obama genau im Rhythmus singt?
Du musst es einfach immer wieder hören, bis es passt. Es ist Präzisionsarbeit. Die Schnitte zwischen den Wörtern sind so klein, dass du sie nicht mal sehen kannst, wenn du nicht mit der Lupe hinschaust.

Was machst du, wenn du ein Wort suchst, das Obama gar nie gesagt hat?
Es ist schräg, was Obama gesagt hat und was nicht. Beispielsweise hat er in all seinen Reden sieben Mal «sexy» gesagt, aber nie «swag». Ich habe aber die Wörter «sweat» und «bag» gefunden, auseinander geschnitten und zu «Swag» zusammengesetzt. Wir können da ziemlich kreativ sein – es ist alles eine Frage der Präzision.

Du sprichst von «Wir» – steckt denn ein Team hinter den Youtube-Hits?
Momentan mach ich das alleine, schneide die Videos und suche Sponsoren. Ich arbeite aber mit jemandem zusammen, der mir bei der Musik – den Instrumentals – hilft. Damit es schneller geht, will ich talentierte Leute finden, die mir beim Schneiden der Videos helfen.

 

«Es ist besser für die Welt, wenn Trump nicht gewinnt.»

Wie lange brauchst du, bis du fertig bist?
Das hängt vom Video ab. Obama-Videos gehen mittlerweile schneller, aber ich arbeite auch an anderen Videos mit Prominenten, weil Obamas Amtszeit ja bald endet. Im Schnitt arbeite ich an einem Video etwa 24 Stunden lang.

Bald sind die US-Wahlen. Aus künstlerischer Perspektive: Bist du für Trump oder Clinton?
(Lacht lange und laut) Ich bin froh, dass du so gefragt hast, weil das der einzige Grund ist, weshalb ich sagen würde: Trump. Aus künstlerischer Perspektive würde ich Trump unterstützen.

Weil Videos mit Trump lustiger sind?
Ich habe bereits ein Trump-Video gemacht und auch Hillary schon zum Singen gebracht. Was ich dabei herausgefunden habe ist, dass Hillary sehr monoton ist, während Trump sehr lebendig spricht. Wenn Trump gewinnen würde, wäre der einzige Hoffnungsschimmer, dass es viele grossartige Videos gibt. Aber ich glaube, es ist besser für die Welt, wenn Trump nicht gewinnt.

Das Interview mit Youtube-Star Fadi Saleh hat FM1-Moderator Felix Unholz telefonisch geführt. Alle Videos findest du im Channel «Baracksdubs». Darunter sind Highlights wie die Barack-Obama-Remixes von «Sorry» (Justin Bieber), «Thriller» (Michael Jackson) oder «Shake It Off» (Taylor Swift).


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