«Fall Raiffeisen» weitet sich aus

Offenbar wird im «Fall Raiffeisen» gegen mehr Personen ermittelt, als bisher bekannt war.
Offenbar wird im «Fall Raiffeisen» gegen mehr Personen ermittelt, als bisher bekannt war. © Keystone
Im Fall Raiffeisen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen weitere Personen aus Pierin Vincenz’ Umfeld. Zudem dürfte es andauern, bis eine Anklagevorschrift vorliegt, da den Behörden den Zugang zu Unterlagen aus der Durchsuchung von Wohnhäusern und Büros mehrere Manager fehlt.

Seit Pierin Vincenz im Juni 2018 aus der U-Haft entlassen wurde, drangen nur wenige Infos zum «Fall Raiffeisen» an die Öffentlichkeit. Aus verfahrensnahen Kreisen heisst es nun, dass die Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte in Zürich gegen mehr Personen ermittelt, als bisher bekannt war, schreibt die «NZZ am Sonntag».

Die Staatsanwaltschaft eröffnete Ende 2017 Strafverfahren wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung. Die Behörden bezifferten die Zahl der Beschuldigten bisher auf fünf Personen, darunter Pierin und sein langjähriger Geschäftspartner Beat Stocker. In der Zwischenzeit ist von mehr als fünf Personen die Rede. Dabei handelt es sich offenbar nicht um (ehemalige) Raiffeisen-Mitarbeiter, sondern um Geschäftspartner.

Obwohl Vincenz seit letzten Juni aus der U-Haft entlassen wurde, liegt noch immer keine Anklageschrift vor. Grund dafür dürfte die Versiegelung von gesammelten Material sein. Dies kann der Beschuldigte beantragen. Die Staatsanwaltschaft hat deshalb noch immer keinen Zugriff auf die Unterlagen aus der Durchsuchung von Wohnhäusern und Büros mehrere Manager.

Experten rechnen damit, dass es frühestens diesen Herbst zu Anklagen kommt. Ein allfälliger Prozess könne frühestens im Sommer 2020 beginnen. Gemäss der «Sonntagszeitung» werde Vincenz nicht nur wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung, sondern auch wegen Verletzung des Geschäftsgeheimnisses den Prozess gemacht.

Anfang Jahr hat die Zürcher Staatsanwaltschaft in dieser Sache Nadja Ceregato-Vincenz, Vincenz’ Frau, einvernommen. Nach dem Weggang ihres Ehemannes übernahm sie die Bereichsleitung von Legal & Compliance. In dieser Funktion war sie ab Oktober 2015 Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung von Raiffeisen. Die Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich führt gegen Frau Ceregato eine separate Untersuchung betreffend Verletzung des Geschäftsgeheimnisses.

Pierin Vincenz war 2018 wegen des Verdachts auf ungetreue Geschäftsbesorgung verhaftet worden. Der Bündner soll bei zwei Firmenübernahmen persönlich abkassiert haben. Vincenz bestreitet die Vorwürfe. Es gilt die Unschuldsvermutung.
(red.)


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