Filmfest Cannes startet mit Zombie-Komödie und vielen Prominenten

(Fast) alles bereit für die grosse Eröffnung und die Zombieinvasion: In Cannes finden die letzten Vorbereitungen für das grosse Filmfestival statt. (EPA/GUILLAUME HORCAJUELO)
(Fast) alles bereit für die grosse Eröffnung und die Zombieinvasion: In Cannes finden die letzten Vorbereitungen für das grosse Filmfestival statt. (EPA/GUILLAUME HORCAJUELO) © KEYSTONE/EPA/GUILLAUME HORCAJUELO
Mit einer Zombie-Komödie ist das Filmfestival Cannes am Dienstagabend eröffnet worden. «The Dead Don’t Die» ist der neue Film des Amerikaners Jim Jarmusch («Night on Earth»).

Für seine Komödie konnte Jarmusch viele Stars gewinnen, von denen am Dienstagabend auch fast alle auf dem roten Teppich vor dem Premierenpalast für die Fotografen posierten: Bill Murray, Chloë Sevigny und «Star Wars»-Bösewicht Adam Driver gehen darin als Polizisten auf Zombiejagd, während Tilda Swinton die Schwert schwingende Bestatterin gibt, die sich gegen die Untoten bestens zur Wehr setzen kann.

Selena Gomez und Steve Buscemi müssen sich ebenfalls in Sicherheit bringen, Tom Waits hingegen taucht als bärtiger Waldschrat auf. Musikikone Iggy Pop ist einer der Untoten.

Doch bevor die von Fans sehnsüchtig erwartete Zombie-Komödie am Abend das Festival mit weiteren Gala-Gästen wie Julianne Moore, Jarvier Bardem und Charlotte Gainsbourg eröffnete, musste Festivalleiter Thierry Frémaux gleich zu mehreren Kontroversen Stellung beziehen – und sorgte mit seinem Auftreten mitunter für Irritation.

Warum Alain Delon (83) die Ehrenpalme bekommt, obwohl er in einem TV-Interview unter anderem zugab, früher seine Frau geschlagen zu haben? Die Frage danach versuchte Frémaux zu unterbinden und griff den fragenden Journalisten persönlich an: «Ich weiss nicht, was Sie in Ihrem früheren Leben gemacht haben.» An der Palme für Delon hielt er jedenfalls fest. «Wir geben ihm ja nicht den Friedensnobelpreis.»

Diese Reaktion ist verwunderlich, hatte sich das Festival im vergangenen Jahr doch mit der #MeToo-Bewegung solidarisch gezeigt und «Null Toleranz gegenüber sexuellem Missbrauch und Missbrauch jeglicher Art» geschworen.

Auch Fragen nach der Gleichstellung von Frauen reizten Frémaux spürbar – von 21 Wettbewerbsfilmen stammen gerade einmal vier von Frauen. Die im vergangenen Jahr verabschiedete Erklärung «5050 in 2020», wonach bis 2020 ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis herrschen soll, gelte nur für das Festival intern, erklärte Frémaux nun. «Es wäre ein Zeichen von Respektlosigkeit, einen Film nur auszuwählen, weil er von einer Frau stammt.»

«The Dead Don’t Die» ist einer von 21 Beiträgen, die in diesem Jahr im Wettbewerb des Filmfestivals um die Hauptpreise konkurrieren. Schweizer Filmemacher sind nicht dort vertreten. Allerdings gibt es einige Beiträge mit deutschsprachiger Beteiligung: Die Österreicherin Jessica Hausner hat es mit «Little Joe» erstmals in die Hauptkonkurrenz geschafft – und ist zugleich eine von vier Frauen im Rennen um die Goldene Palme.

Der US-Amerikaner Terrence Malick präsentiert mit «A Hidden Life» eine deutsche Koproduktion, in der mit dem im Februar verstorbenen Bruno Ganz sowie Joel Basman gleich zwei Schweizer zu sehen sind. Der Film erzählt vom Schicksal eines Regime-Gegners, der den Kriegsdienst bei der Wehrmacht verweigert und von den Nazis ermordet wird.

Die höchste Auszeichnung des Festivals ist die Goldene Palme. Sie wird für den besten Film vergeben. Vorsitzender der internationalen Jury ist in diesem Jahr der mexikanische Oscar-Preisträger Alejandro González Iñárritu («The Revenant»).

Ebenfalls Gast in Cannes ist die Produzentin von «Chris the Swiss»: Sereina Gabathuler wurde für das EFP-Programm Producers on the Move selektioniert. Der Animationsfilm «Chris the Swiss» feierte letztes Jahr in Cannes Weltpremiere und räumte beim Schweizer Filmpreis im März ab. Dieses Jahr wird Gabathuler in Cannes ihr neues Projekt «Frozen Soil» präsentieren, den zweiten langen Animationsfilm von Kofmel.

In der Sektion Un Certain Regard zeigt das Festival den Animationsfilm «Les Hirondelles de Kaboul» von Eléa Gobbé-Mévellec und Zabou Breitmann. Der Film ist eine Koproduktion der Schweiz mit Frankreich und Luxemburg.

Und in der Sektion Quinzaine des Réalisateurs feiert «Les Particules» von Blaise Harrison Weltpremiere. Der Spielfilm ist das Debüt des französisch-schweizerischen Regisseurs und wurde mit Frankreich koproduziert.

(SDA)


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