Fotoverbot: Berichte in 61 Ländern

Das «herzliche Fotografier-Verbot» der Gemeinde Bergün war für die Tourismusabteilung ein Erfolg.
Das «herzliche Fotografier-Verbot» der Gemeinde Bergün war für die Tourismusabteilung ein Erfolg. © Keystone/Gemeinde Bergün
Das gemeindeweite Fotoverbot im Bündner Bergdorf Bergün hat letzes Jahr die Gemüter bewegt. Nun ist klar: Die Werbekampagne von «Graubünden Ferien» war ein voller Erfolg.

«Herzliches Fotografierverbot.» Tafeln mit dieser Aufschrift im Bündner Bergdorf Bergün sorgten im Mai letztes Jahr für zahllose Reaktionen und zwar im In- und Ausland. Das Ganze war ein origineller Werbegag aus Graubünden, wurde aber konsequent durchgezogen. Die 500-Seelen-Gemeinde beschloss an einer Versammlung mit einem Gesetz ein «gemeindeweites und herzliches Fotografierverbot» zu erlassen. Das Verbot wurde mit 46 zu 2 Stimmen bei 5 Enthaltungen überaus klar verabschiedet. Der Grund: Personen, die gerade nicht im Bergdorf weilen, sollen von Fotos aus Bergün nicht unglücklich gemacht werden.

Landesweiter Shitstorm

Es sei wissenschaftlich bewiesen, dass schöne Ferienfotos auf den sozialen Netzwerken die Betrachter unglücklich machten, schrieb die Gemeinde damals. Die Gefahr sei in Bergün besonders gross, weil das Dorf so eine schöne Landschaft zu bieten habe. Bei einer Zuwiderhandlung drohte die Gemeinde mit einer Busse von 500 Franken. Nicht überall kam diese Aktion gut an. Auf Schweizer Medienportalen gab es so manchen Shitstorm, der die augenzwinkernd gemeinte Werbeaktion als arrogant und dumm abtat. Kommentare wie: «Nach Bergün fahre ich nun erst recht nicht. Verbote gibt es in der Schweiz schon genug», entsprachen der Mehrheit.

Insgesamt drei Beschwerden gingen gegen das Verbot ein. Zwei davon wurden wieder zurückgezogen, nachdem die ganze Aktion als Werbekampagne erkannt und das Verbot nach drei Monaten wieder aufgehoben wurde. Bei der dritten Beschwerde entschied das Verwaltungsgericht, nicht darauf einzutreten.

Bergün auf der ganzen Welt bekannt

Trotz des ganzen Gegenwinds war die Kampagne für die Macher ein Erfolg. Die Aktion hatte national und international für Furore gesorgt und das kleine Dorf sowie Graubünden auf der ganzen Welt bekannt gemacht. So wurde in 61 Ländern und auf sechs Kontinenten über Bergün berichtet, schreibt Graubünden Ferien GRF. Am Dienstag fand in Zürich der Swiss Effie Award statt, ein Anlass der Werbe- und Kommunikationsbranche für effektive und effiziente Markenkommunikation. «Wir haben mit der Bergün-Kampagne eine bronzene Auszeichnung gewonnen», so Martin Vincenz, CEO von GRF. Dies bestätige, dass der Entscheid zu dieser ungewöhnlichen Aktion richtig war.

Mehr Übernachtungen in Graubünden

Auch sonst ist GRF zufrieden mit dem letzen Jahr. So haben 2017 4,85 Millionen Gäste in Graubünden Ferien gemacht; in den zwei Jahren zuvor waren es 4,63 Millionen Personen. Bei der grössten Gästegruppe, den Schweizern, betrug der Zuwachs gegenüber dem Vorjahr 5,4 Prozent. «Nach den schwierigen Wintern der letzten Jahre tut ein solches Ergebnis gut und wir gehen von einer Fortsetzung des Wachstums im kommenden Sommer und den weiteren Saisons aus», so Martin Vincenz.

(kov)


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