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Eine Zeit der Chance und der Gnade

Fabienne Engbers, 12. März 2017, 08:52 Uhr
Fasten bedeutet für viele Verzicht auf Kaffee, Fernsehen, Süssigkeiten oder auf Zigaretten. Im Kloster hat der Verzicht auf Materielles aber nur einen geringen Stellenwert. Vielmehr wird dort der Fokus auf Stille gelegt, in der man sich selbst finden soll.
Die Schwestern im Kloster in Jakobsbad haben in der Fastenzeit mehr Zeit und Ruhe, unter anderem auch, um zu beten.
© St.Galler Tagblatt/Ralph Ribi

Mit dem Aschermittwoch begann die Fastenzeit. «Man nennt sie auch Busszeit, das kommt von büetzen, flicken, also ein Neuanfang. Es ist eine Zeit der Chance und der Gnade, in der wir unser Leben in der Stille betrachten wollen und sehen, wo wir uns verbessern und weiterentwickeln können», sagt Schwester Mirjam Huber. Seit über 30 Jahren lebt sie im Kloster Leiden Christi in Jakobsbad.

Fasten bedeutet hauptsächlich Stille

Fasten bedeutet für die meisten, auf ein Laster zu verzichten. Für Schwester Mirjam Huber ist der Verzicht auf Materielles jedoch nur zweitrangig. «In erster Linie bedeutet die Fastenzeit im Kloster mehr Stille, um auf Gott, unsere Mitmenschen und auf sich selbst zu hören.» Mehr Stille während den Mahlzeiten und zusätzliche Gebetszeiten sollen diesen Prozess unterstützen. «Ausserdem versuchen wir in der Fastenzeit mehr zu teilen, etwas von uns an unsere Mitmenschen und Bedürftige weiterzugeben.»

Schwester Mirjam lebt seit 1986 im geschlossenen Kloster Leiden Christi in Jakobsbad (Bild: St.Galler Tagblatt/Ralph Ribi)

«Es wird einem bewusst, was wir haben»

Natürlich kommt auch der Speiseplan im Kloster während der Fastenzeit etwas abgespeckt daher. «Da wird einem bewusst, in welchem Reichtum wir eigentlich leben», sagt die 58-jährige Schwester. Bereits ein Glas sauberes Trinkwasser lerne man in der Fastenzeit schätzen.

40 Tage ohne Schokolade sind nicht möglich

Schwester Mirjam versucht in der Fastenzeit, ihren Schoggi-Konsum etwas einzudämmen. «Ganz verzichten könnte ich darauf aber nicht.» Sie rät auch den anderen Schwestern im Kloster, lieber einmal etwas Süsses zu essen, dafür die gute Laune während der Fastenzeit nicht zu verlieren. «Ein Verzicht fordert, das darf man auch spüren.»

Tipps von der Fastenspezialistin

Wer sich fürs Fasten entschieden hat, für den hat Schwester Mirjam Huber einen Tipp auf Lager: «Der Verzicht sollte keine Last sein. Hat man sich dafür entschieden, soll man sich darüber freuen, wenn einem etwas gelungen ist. Sollte man scheitern, soll man nicht verzweifeln, wieder mutig weitermachen und daran glauben, das man es schaffen kann.» Auch Schwester Mirjam Huber ist in den 30 Jahren schon einmal an ihren Fastenzielen gescheitert, hat sich davon aber nicht unterkriegen lassen.

Das Gespräch mit Schwester Mirjam fand im Rahmen der FM1-Sendung «Gott und d'Wält» statt. Die Radio-Beiträge gibt es unten zum nachhören.
16. Juli 2019 - 18:35

Gott und d'Welt: Fastenzeit 1


16. Juli 2019 - 18:35

Gott und d'Welt: Fastenzeit 2

16. Juli 2019 - 18:35

Gott und d'Welt: Fastenzeit 3

Fabienne Engbers
Quelle: enf
veröffentlicht: 12. März 2017 08:52
aktualisiert: 12. März 2017 08:52