Sprunger löst Olympia-Ticket

Mujinga Kambundji war mit ihrer Leistung über 100 m einigermassen zufrieden
Mujinga Kambundji war mit ihrer Leistung über 100 m einigermassen zufrieden © KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Die Schweizer Equipe bietet an der Athletissima in Lausanne solide Leistungen. Der Ausreisser nach oben fehlt allerdings trotz der geschafften Olympia-Limite von Lea Sprunger über 400 m Hürden.

Sprunger liess sich vor dem Heimpublikum nicht lumpen, obwohl sie nach diversen Problemen in der Vorbereitung ins Hintertreffen geraten war. In 55,24 Sekunden schaffte die Europameisterin immerhin die Olympia-Limite für Tokio 2020 (55,40). Dies kann allerdings nicht der Massstab sein, im vergangenen Jahr lief Sprunger rund eine Sekunde schneller.

Der Westschweizerin gelang ein technisch solider Lauf, das Schrittmuster passte. Auf den letzten Metern vor dem Ziel kämpfte sich Sprunger noch in den 5. Rang. Die Top 3 mit Shamier Little (USA/53,73), Zuzana Hejnova (CZE/54,11) und Ashley Spencer (USA/54,11) wären auch in Top-Form schwer zu knacken gewesen.

Zum Abschluss des Abends lief die Sprint-Staffel der Frauen in 42,60 Sekunden auf den starken 3. Platz. Diese Leistung durfte nicht erwartet werden, wurde doch eine neue Aufstellung getestet – einzig Sarah Atcho blieb auf ihrer angestammten Position 2. Den Start übernahm Salomé Kora, Ajla del Ponte übergab der Schlussläuferin Mujinga Kambundji. Zum letztjährigen Schweizer Rekord fehlten 31 Hundertstel.

Mujinga Kambundji behauptete sich als Sprint-Queen der Schweiz. Die Bernerin bodigte im Direktduell Salomé Kora, die mit den 11,13 Sekunden am vergangenen Sonntag in La Chaux-de-Fonds in der ewigen Schweizer Bestenliste in den 2. Rang vorgerückt war. Kambundji durchmass bei nahezu Windstille die 100 m in 11,27 Sekunden, für die St. Gallerin stoppte die Uhr bei 11,29. Für Kambundji geht es nach einem miserablen Saisonstart aufwärts, doch von ihrer Form des Jahres 2018 ist sie noch zwei, drei Zehntel entfernt.

Jason Joseph war über 110 m Hürden zugetraut worden, den eigenen Schweizer Rekord (13,39) zu brechen. Technisch lief der Basler allerdings nicht sauber durch. Nachdem er schon die dritt- und zweitletzte Hürde klar touchiert hatte, rammte er das letzte Hindernis er mit der Fusssohle und kam ins Stolpern. Deshalb resultierte bloss eine Zeit von 13,80 Sekunden und der letzte Platz.

Joseph ist eines der grössten Talente in der Schweizer Leichtathletik. Im vergangenen Jahr entriss er Andreas Kundert den nationalen Rekord (13,41) und stiess bei den Europameisterschaften in Berlin in die Halbfinals vor – in seiner ersten Saison bei der Elite. Seit Februar ist er auch in der Halle nationaler Rekordhalter. Und die Freiluftsaison eröffnete er in Zofingen in 13,41 Sekunden.

Julien Wanders spulte die 5000 m in persönlicher Bestzeit von 13:13,84 Minuten ab. Seine starke Leistung kam in Feld der Afrikaner mit einem 14. Rang nicht richtig zur Geltung. «Ich habe meine Bestzeit verbessert, ich bin happy», sagte Wanders. Der 23-jährige Genfer hatte schon vor der Athletissima in Lausanne das WM-Ticket für Doha im Sack, jenes für die Spiele in Tokio 2020 verpasste er auf der Pontaise nur um ein paar Zehntel.

Bei den Titelkämpfen in Katar will der Romand einen Doppelstart hinlegen. Hierfür muss er auch die Limite über 10’000 m noch knacken. Anfangs Saisons war Wanders in Stockholm um 5 Sekunden gescheitert, er wird in diesem Monat nochmals einen Versuch unternehmen. Wanders ist unter anderem aktueller Europarekordhalter im Halbmarathon und über 10 km. Nun will er vermehrt auch auf der Bahn imponieren.

Selina Büchel verpasste die angestrebte Zeit in der Nähe von zwei Minuten, obwohl das Lauftempo nicht durch taktisches Geplänkel oder Positionskämpfe beeinträchtigt wurde. Die Toggenburgerin fand zum Schluss den sechsten Gang nicht und liess auf der Zielgeraden im Vergleich zur Konkurrenz Zeit liegen. Die 2:01,58 Minuten von Lausanne reichen um eine Sekunde nicht, um das Ticket für die Weltmeisterschaften in Doha zu erhalten. Die Limite liegt bei 2:00,60 Minuten.

Kariem Hussein musste sich über 400 m Hürden der Männer, die nicht als Diamond-League-Event ausgeschrieben waren, mit 50,00 Sekunden begnügen. Zum Schluss ging dem Europameister von Zürich 2014 die Kraft aus. Das Stehvermögen fehlt noch, da der Thurgauer die wirklich harten Trainings erst seit einigen Wochen wieder machen kann. Der Arzt hatte die vergangene Saison nach einem Muskelfaserriss und wegen Schmerzen im Beckenbereich abbrechen müssen. Nun ist wieder auf dem Weg zurück. Der WM-Finalist von London 2017 will auch in Doha antreten, 49,30 Sekunden sind gefordert.

(SDA)


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