Kaputter Blitzer sorgt für Millionenloch

Auf dem Gemeindegebiet von Sirnach steht der «Goldesel» der Kantonspolizei Thurgau.
Auf dem Gemeindegebiet von Sirnach steht der «Goldesel» der Kantonspolizei Thurgau. © Tagblatt/Andrea Stalder
2,2 Millionen Franken fehlen in der Bussenkasse der Kantonspolizei Thurgau. Grund ist ein kaputter Blitzer auf der Autobahn A1, aber auch der Fahrstil der Autofahrer, der für weniger Bussen gesorgt hat.

Die Einnahmen durch den Blitzer auf der Autobahn A1 vor Wil sind ein fester Bestandteil des Budgets der Thurgauer Kantonspolizei, schreibt das Tagblatt. Der Blitzkasten steht direkt an der Grenze zum Kanton St.Gallen, wegen des vielen Verkehrs ist es die lukrativste Radaranlage im Kanton. Letztes Jahr war dem allerdings nicht so.

Bussenbudget komplett daneben

Dies geht aus der Jahresrechnung der Kantonspolizei Thurgau hervor. Diese sah Einnahmen über 11,3 Millionen Franken aus Ordnungsbussen vor, realisiert wurden davon im Jahr 2018 aber nur 9,1 Millionen Franken – 2,2 Millionen Franken oder 15 Prozent weniger als budgetiert.

Der Blitzkasten auf der A1 ist Hauptgrund für den Einnahmenausfall, er war für zwei Monate ausser Betrieb. «Nach einem Defekt wurde die Anlage ausgetauscht, statt sie zu reparieren», sagt Daniel Meili, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau, zum Tagblatt. Offenbar war der Ersatz nicht sofort einsatzbereit.

Blitzer sind die Thurgauer Goldesel

Welcher Anteil des Einnahmeausfalls durch den Blitzkasten verursacht wurde, ist nicht genau bezifferbar. Allerdings sind die Radaranlagen auf den Autobahnen A1 und A7 jene, welche die meisten Geschwindigkeitsübertretungen registrieren. Und: «Geschwindigkeitsübertretungen machen den grössten Teil der Ordnungsbussen aus», wie Meili sagt.

Thurgauer werden immer anständiger

Dazu kommt, dass die Busseneinnahmen seit Jahren rückgängig sind, weil sich die Autofahrer immer mehr an die Verkehrsregeln halten. Vor fünf Jahren wurden noch rund 0,5 Prozent aller Fahrer bei einer Radarkontrolle geblitzt, heute ist es noch die Hälfte, schreibt das Tagblatt. Auch die Verzeigungen bei der Staatsanwaltschaft hätten abgenommen. Die Thurgauer Kantonspolizei ärgert sich aber nicht über die ausbleibenden Einnahmen, sondern freut sich über den Trend. Das Unfallrisiko gehe bei angepasster Geschwindigkeit zurück.

(red.)


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