Lila Wolken über Frauenfeld

Stephanie Martina, 8. Juli 2017, 16:48 Uhr
Der erste Festivaltag am inzwischen ausverkauften Openair Frauenfeld hätte nicht besser enden können: Marteria, einer der erfolgreichsten deutschen Rapper, flashte Frauenfeld. So manch eine dürfte vergangene Nacht zu einem neuen «Marteria Girl» geworden sein.

«Frauenfeld – ihr seid die geilsten», schrie Marteria in die Menschenmenge unter ihm, als er um fast 1 Uhr nachts die Bühne betrat. Doch dieses Kompliment war eigentlich gar nicht nötig, denn der Rostocker hatte die Besucher ab der ersten Minute auf seiner Seite. Marteria, einer der erfolgreichsten deutschen Rapper, wusste genau, was das Frauenfelder Publikum hören wollte – und er spielte alles: «Marteria Girl», «Endboss», «OMG» und seinen wohl bekanntesten Hit «Lila Wolken». Daneben präsentierte er jede Menge Songs aus seinem im Mai erschienenen Album «Roswell», zum Beispiel «Das Geld muss weg» oder «Aliens».

Grosses Ausziehen: Marteria forderte seine Fans auf, ihre Shirts auszuziehen und wegzuwerfen - wer sich traut:

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Marteria flasht Frauenfeld

Während es Marteria mit seinen Songs und einer beeindruckenden Show inklusive Pyroeinlagen gelang, die Besucher während über einer Stunde mitzureissen, war die Stimmung beim Auftritt von «Usher and the Roots» etwas verhaltener. Openair-Besucher Mauro aus Luzern erklärt, warum: «Wenn man Musik toll findet und Funk und Soul etwas abfeiern kann, dann ist ‹Usher and the Roots› bestimmt das Richtige. Wenn man aber nur etwas in die Nacht hineinfeiern und nicht zu viel überlegen will, dann ist es viel zu komplex und kompliziert.» US-Superstar Usher und seine weltbekannte Begleitband The Roots coverten gegenseitig Songs, doch so richtig Party wurde dazu nicht gemacht. «Der Beat fehlt irgendwie», findet David aus Wil.

Gegen Ende ihres Auftritts spielten sie schliesslich mit «Yeah!» einen von Ushers grössten Hits. Doch während bei «Usher and the Roots» alle nur auf diesen einen Song gewartet zu haben scheinen, war bei Marteria jeder Song einer, auf den das Frauenfelder Publikum gewartet hatte.

«Ich habe sein Füdli berührt»

Kein Wunder, war es textsicher und bis 2 Uhr voller Energie. Und auch nach dem Konzert waren die Besucher noch geflasht: «Das war legendär und nicht wiederholbar. Ich habe es richtig gefühlt», sagt eine Besucherin und kreischt: «Ich habe sein Füdli berührt, als er unten in der Menge war.»

Fans stürmen Bühne – Konzert abgebrochen

Das OK-Team zieht nach dem ersten offiziellen Festivaltag eine positive Bilanz. Über 50‘000 Besucher feierten bei über 33 Grad zu Acts wie Kontra K, 187 Strassenbande oder Travis Scott – ohne nennenswerte Zwischenfälle.

Abgesehen von einem: Das Konzert von US-Rapper Desiigner musste kurz vor Schluss abgebrochen werden, weil mehrere Dutzend Fans die Bühne stürmten. Wie Joachim Bodmer, Mediensprecher des Openair Frauenfelds, aber gegenüber dem «St.Galler Tagblatt» sagte, war die Aktion halb so wild. Denn die Aktion mit den Festivalbesuchern auf der Bühne war geplant – allerdings sollten die Fans die Bühne danach wieder verlassen. Dies taten sie aber nicht.

Festivalbesucher stürmten die Bühne während des Auftritts des US-Rappers Desiigner
Festivalbesucher stürmten die Bühne während des Auftritts des US-Rappers Desiigner
© Keystone/Nick Soland

«SRF Virus» hat den Moment in einem Video festgehalten:

Openair ausverkauft

Gegen Abend verkündeten die Veranstalter, dass das Openair Frauenfeld nun definitiv ausverkauft sei. Damit feiern in den nächsten Tagen insgesamt 170'000 Besucher am Festival. Und manche von ihnen bestimmt so lange, bis die Wolken wieder lila sind...

Stephanie Martina
Quelle: stm
veröffentlicht: 7. Juli 2017 06:06
aktualisiert: 8. Juli 2017 16:48