Neue Lärmregeln bedrohen Clubszene

Clubs, hier das Kaff in Frauenfeld, fürchten um ihre Existenz.
Clubs, hier das Kaff in Frauenfeld, fürchten um ihre Existenz. © zVg
Der Bund verschärft auf 2019 seine Lärmschutzverordnung für Veranstalter. Für Ostschweizer Clubs und Konzertlokale ein herber Schlag – für einige könnten die neuen Regeln sogar das Aus bedeuten.

Im Horst Klub in Kreuzlingen spielen hauptsächlich Gitarrenbands – Garagerock, Punk oder Hardcore. Alles Musikrichtungen mit einer gewissen Lautstärke. Ob die Konzerte in Zukunft noch möglich sind, ist ungewiss. 2019 tritt die neue Lärmschutzerverodnung des Bundesamtes für Gesundheit in Kraft. Unter anderem schreibt diese Veranstaltern vor, dass Konzerte mit einer Lautsärke von über 93 Dezibel mit speziellen Messgeräten aufgezeichnet und von geschultem Personal überwacht werden müssen. Zum Vergleich: Die Lautstärke eines unverstärkten Schlagzeuges, liegt bei gut 100 Dezibel. «Ich gehe davon aus, dass eine Menge Probleme auf uns zukommen», sagt Stefan Böker, Wirt des Horst Klubs. Für die Anschaffung von neuen Messgeräten rechnet er mit Kosten von 5000 Franken. Dazu kommt, dass er neues Personal einstellen müsste. «Das liegt bei unserem Budget nicht drin. Das ist Utopisch. Ich fürchte, dass könnte sogar das Aus für den Horst Klub bedeuten», sagt Böker.

«Forderungen sind realitätsfremd»

Sorgen macht sich auch David Nägeli, vom Kaff in Frauenfeld. Das Kulturlokal bietet Platz für gut 100 Zuschauer. Betrieben wird es von einem Verein – die Mitglieder arbeiten ehrenamtlich. Von der neuen Lärmschutzverordnung hält Nägeli nicht viel. «Sie sind sehr realitätsfremd, diese Forderungen». Auch im Kaff fehlt das Geld für teure Messgeräte und neues Personal. Nägeli stösst aber auch die Vorschrift sauer auf, dass Club-Betreiber in Zukunft alle Veranstaltungen 14 Tage im Voraus beim Bund melden müssen. «Bei uns im Kaff spielen viele Musiker oder DJs Spontankonzerte, wenn sie gerade in der Gegend sind. Das ist dann nicht mehr möglich, was sehr schade ist», sagt Nägeli. Er befürchtet, dass die neue Verordnung schwerwiegende Folgen für die ganze Schweizer Musik -und Clubszene hat. «Konzerte in der Schweiz werden durch die Lärmbeschränkung viel unattraktiver – nicht nur für die Besucher, sondern wohl auch für ausländische Bands auf Tour.»

Widerstand regt sich

Gross ist die Empörung auch im Elephant-Club in St. Gallen. «Für eine gute Stimmung braucht es einen gewissen Musikpegel», sagt Erkan Tanir, administrativer Leiter des Clubs. Er könne nicht verstehen, dass der Bund auf Clubs und Konzertlokale losgeht. «Wenn alles reglementiert wird, gibt es bald keine guten Partys mehr».
Schweizweit regt sich nun Widerstand gegen die neuen Lärmregeln. Musikschaffende haben kürzlich eine Petition lanciert, mit dem Ziel, die Bundesverordnung zu kippen und so das Aussterben vieler kleinerer Clubs abzuwenden. Mehrere tausend Personen haben die Petition bereits unterschrieben. Unter Ihnen auch Stefan Böker vom Horst Klub in Kreuzlingen. Er könne sich vorstellen, noch weiter gegen die Pläne des Bundesamtes für Gesundheit zu mobilisieren. Denn: «Wie laut die Konzerte sind, zu denen man selbst geht, sollte jeder für sich selbst entscheiden dürfen. Das muss nicht von oben reglementiert werden».

(mas)


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