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Coronajahr 2021

Festivalsommer: Ein Stichdatum und eine Gretchenfrage

Linda Aeschlimann, 11. März 2021, 15:26 Uhr
Es sieht düster aus für die Festivalsaison im FM1-Land. Zumindest für alle Openairs, die jeweils in der ersten Saisonhälfte stattfinden. Der Branchenverband macht erneut Druck auf den Bundesrat. Jetzt brauche es einen Fahrplan – und zwar schnell.
Die Zeit wird knapp: Düster sind die Aussichten unter anderem für das OpenAir St.Gallen. (Archiv)
© FM1Today/Stefanie Rohner

Sieben grosse Festivals in Deutschland, unter anderem das Rock am Ring, und auch diverse Juni-Openairs in der Schweiz, zum Beispiel das Greenfield oder das Paléo Festival, haben schon «Corona-Forfait» gegeben. Andere Schweizer Festivals warten ab. Darunter das OpenAir St.Gallen und das Openair Frauenfeld.

Geringe Chancen für das OASG

Doch es sieht schlecht aus. Unter anderem das OpenAir St.Gallen antwortet heute auf eine Anfrage von tagblatt.ch: «Die Chancen, dass das Open Air St.Gallen stattfinden kann, sind gering», schreibt Mediensprecherin Nora Fuchs. Es fehle die Planungssicherheit.

Auch wenig Optimismus versprüht der Branchenverband Swiss Music Promotors Association – kurz SMPA. «Wenn der Bundesrat nicht bis zum 19. März Klarheit schafft, sehe ich leider für Veranstaltungen und Festivals bis zum ersten Teil des Sommers schwarz», sagt Stefan Breitenmoser, SMPA-Geschäftsführer. «Wir haben lieber eine defensive und realistische Aussage als gar keine Antwort.»

Rollende Entscheide

Statt eines Todes auf Raten fordert der Verband schweizweit einheitliche Rahmenbedingungen und Kriterien, und zwar rollend. Damit meint der Verband, dass der Bundesrat am 19. März die Regeln für Veranstaltungen bis Ende Juli festlegt, bis Ende April für Veranstaltungen bis August und bis Ende Mai die Regeln für die Events bis im September.

«Die SMPA-Mitglieder sind sich bewusst, dass die epidemiologische Lage den Fahrplan mitbestimmt und dass eine gewisse Planungsunsicherheit bestehen bleibt. Aber das gemeinsame Vorgehen hilft allen Beteiligten, die überlebenswichtigen Entscheide richtig zu fällen, die täglich grösser werdenden Schäden zu reduzieren», so Breitenmoser.

Es wird sowieso anders

Ein bisschen weniger drängt die Zeit bei den kleineren Festivals, wie dem Quellrock Openair in Bad Ragaz. Fakt ist aber: «Feuer ist überall unter dem Dach», sagt Andy Hartmann, OK-Präsident des Quellrock Openair.

In Graubünden tönt es ähnlich. Catia Tschuor, Sprecherin des Openair Lumnezia, sagt auf Anfrage von FM1Today: «Wir können es ein wenig entspannter sehen, da wir bereits ausverkauft sind.» Klar ist aber laut Hartmann, dass es in diesem Jahr anders als in anderen Jahren sein wird. Er meint damit, dass vielleicht weniger Gäste zugelassen sind, eine Maskenpflicht herrschen könnte oder die Leute einen negativen Covid-Test beim Einlass zeigen müssen.

Haben die Leute überhaupt Lust auf Festivals?

Und bei diesem Punkt stellt sich für alle, egal ob kleines oder grosses Festival, eine matchentscheidende Frage: Wollen die Leute unter solchen Umständen überhaupt ein Festival besuchen?

«Ich befürchte wirklich, dass sich die Leute lieber gedulden und ein Festival erst im nächsten Jahr unter normalen Umständen besuchen wollen», sagt Hartmann. Mögliche strenge Restriktionen könnten die Besucherinnen und Besucher daran hindern, an ein Festival zu gehen.

Die schwarzen Wolken hangen also weiter über der Schweizer Festivalszene. Und es ist davon auszugehen, dass zahlreiche Festivals die Notbremse ziehen werden und auch in diesem Jahr absagen. Egal, was am Stichdatum 19. März rauskommt.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 11. März 2021 15:26
aktualisiert: 11. März 2021 15:26