Goldacher Garagist

Das ist der beste Dellendrücker des Landes

Christoph Thurnherr, 12. Dezember 2019, 05:37 Uhr
An der internationalen Dellendrück-Meisterschaft erreichte der Goldacher Garagist Hakan Kirgiz den neunten Platz. Die grosse Finalshow verpasste er damit nur ganz knapp. Das wurmt ihn zwar, aber er kann trotzdem zufrieden sein.

Zwei Dellen, eine Stunde Zeit zum Ausbessern. Das sind die einzigen Vorgaben an der internationalen Meisterschaft im Dellendrücken in Osaka. Dabei als einer der 48 Teilnehmer war Hakan Kirgiz (30) aus Goldach. Und er wusste sich im internationalen Feld zu behaupten. Kirgiz erreichte den neunten Platz, obwohl es für ihn gar nicht so gut gelaufen ist. 

«Wegen des Jetlags konnte ich nicht schlafen, hinzu kommt natürlich die Aufregung», sagt Kirgiz. «Und dann war ich auch noch in der letzten Gruppe.» Das schlägt auf die Konzentration, und die ist beim Dellendrücken elementar. «Ich war mit meiner eigenen Arbeit nicht ganz zufrieden», sagt der Goldacher als einziger und damit bester Schweizer Dellendrücker im Teilnehmerfeld. 

Kirgiz musste sich während der Arbeit total verrenken. 

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«Das hat an meinem Ego gekratzt»

Trotzdem kann der Garagist stolz sein. «Vor dem Wettbewerb hatte ich auf eine Platzierung zwischen zehn und zwanzig gehofft», sagt Kirgiz. Mit dem neunten Platz hat er seine eigene Erwartung übertroffen – eigentlich. Denn wenn er nur einen Platz weiter vorne gewesen wäre, hätte er es ins Finale geschafft. 

«Das hat ein bisschen an meinem Ego gekratzt. Das Finale wäre toll gewesen, dort hat man mehr Zeit und kann sein Können besser zeigen.» Trotzdem sei es eine tolle Erfahrung gewesen. Denn die Dellendrücker sind immer noch eine relativ kleine Berufsgruppe. Die internationale Szene und deren Arbeitstechniken kennenzulernen, sei sehr spannend gewesen. 

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Quelle: FM1Today

Hakan Kirgiz kam zum ersten Mal in der Lehre mit dem Dellendrücken in Kontakt. Er interessierte sich immer mehr dafür, sein Chef sah das Potenzial und stellte ihm dafür Zeit zur Verfügung. «Allerdings kann man in der Schweiz nur die Grundlagen lernen. Den Rest muss man sich selbst beibringen», sagt Kirgiz. 

Jeder macht es anders 

Wichtig sei vor allem, dass die Delle nicht zu gross und der Lack nicht kaputt ist. Dann kann ein Autoblech durch Massieren und Hebeln wieder gerade gebogen werden. Bei den richtigen Voraussetzungen kann man eine Delle auch «ziehen». Dafür nimmt Kirgiz eine Art Saugnapf, befestigt ihn mit Heissleim und zieht die Delle nach aussen, um sie dann wieder eben zu klöppeln. 

Die eine Technik gibt es nicht. Auch an der Meisterschaft in Osaka ging jeder Dellendrücker ein wenig anders vor. Der Zugang zum Handwerk sei deswegen alles andere als einfach. Man müsse sehr viel Zeit investieren, um das Dellendrücken zu lernen, sagt Kirgiz: «Ich habe mir das Wissen bei der Arbeit, aber auch an sehr vielen freien Tagen und Wochenenden angeeignet.»

Was auf der Karte genau steht, wissen wir leider auch nicht.

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Aktuell gibt es laut dem Garagisten nur eine Handvoll Dellendrücker im FM1-Land. Ob er sein hart erarbeitetes Wissen dereinst in einem Lehrgang weitergeben möchte, kann er noch nicht sagen. «Ich kann es mir schon vorstellen. Zuerst einmal möchte ich aber einfach mal weiter Dellen ausbessern», sagt Kirgiz.

Unter anderem auch an der nächsten internationalen Meisterschaft. Und mit der Erfahrung des diesjährigen Wettbewerbs schafft er es vielleicht auch zu einem Resultat, das ihn selbst zufrieden stellt. 

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 12. Dezember 2019 05:37
aktualisiert: 12. Dezember 2019 05:37