Kaum wirksam

Experten halten wenig von Masken für Primarschulkinder

Dario Brazerol, 23. Januar 2021, 06:41 Uhr
In Zürich müssen Primarschülerinnen und -schüler ab der 4. Klasse künftig Masken tragen. (Symbolbild)
© Getty Images
Während einige Kantone vorpreschen und die Maskenpflicht auf Primarstufen ausweiten, sieht man im Kanton St.Gallen keine Notwendigkeit, diese einzuführen. Der Chefarzt am Ostschweizer Kinderspital zweifelt die Wirksamkeit dieser Massnahme stark an.

Sie wird kontrovers diskutiert: die Maskenpflicht für Schülerinnen und Schüler auf der Primarstufe. In Zürich gilt seit dieser Woche ab der vierten, in Basel-Land ab der fünften Klasse die Maskentragepflicht. Als Gründe werden die steigenden Fallzahlen in den Primarschulen und die Verbreitung der Corona-Mutationen genannt.

«Richtiges Tragen wird mit abnehmendem Alter schwierig»

Und in St.Gallen? Besprochen wurde das Thema, wie der St.Galler Bildungschef Stefan Kölliker im Interview mit FM1Today sagt. Aufgrund der Verbesserung der Lage werde vorerst aber davon abgesehen – trotz Präsenzunterricht auf allen Stufen. Aktuell gilt die Maskenpflicht schweizweit ab zwölf Jahren.

Auch die St.Galler Kantonsärztin Danuta Zemp weist darauf hin, dass die Masken bei Kindern auf Primarstufe nur wenig sinnvoll sind: «Die Masken müssen korrekt getragen werden, was mit dem abnehmenden Alter der Kinder zunehmend schwierig ist. Zudem wissen wir, dass Kinder eher von den Erwachsenen angesteckt werden als umgekehrt.»

Chefarzt am Ostschweizer Kinderspital zweifelt an Wirksamkeit

Dies bestätigt auch Roger Lauener, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin am Ostschweizer Kinderspital: «Es gibt keine klaren Daten, welche auf eine Reduktion der Fallzahlen durch eine Maskenpflicht für Kindergarten- und wahrscheinlich auch Primarschulkinder hinweisen.» Daran hätten auch die Corona-Varianten nichts geändert, sagt Lauener und verweist auf eine kürzlich in England durchgeführte Studie von Public Health England.

Diese zeigt: Von rund 68'000 Fällen mit der Virus-Variante machten die 0- bis 9-Jährigen lediglich 6 Prozent aus. «Um die Pandemie einzudämmen, müssen wir die Massnahmen, die erwiesenermassen etwas bringen, konsequent umsetzen, und zwar bei den Erwachsenen, die 94 Prozent der Fälle beitragen; und wir sollten nicht bei Kindern, die in der erwähnten Studie maximal 6 Prozent der Fälle beitragen, mit Massnahmen experimentieren, von denen wir nicht wissen, was sie helfen.»

Maskenpflicht könnte Lernfortschritt beeinträchtigen

Weiter sagt Lauener: «Bei jeder Massnahme muss man sich fragen, was sie bringt, was der Aufwand ist und was mögliche Nebenwirkungen sind.» Für jüngere Kinder könne es im Hinblick auf den Lernfortschritt bereits problematisch werden, wenn die Lehrperson eine Maske trage. «Die Kinder müssen vor allem im Sprachunterricht sehen, wie die Lehrperson spricht. Für Kinder, welche in der Schule bereits Mühe haben, wird so ein zusätzliches Problem geschaffen.»

Roger Lauener ist Mitglied der Spitalleitung am Ostschweizer Kinderspital, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin sowie Facharzt für Allergologie und Immunologie.

© Ostschweizer Kinderspital

Auf die körperliche Gesundheit habe die Maske bei Kindern aber keinen schädlichen Einfluss. «Es gibt keine Hinweise darauf, dass beispielsweise die Atmung beeinträchtigt wird. Diesbezüglich machen wir uns also keine Sorgen.» Sollte es zu einer Maskenpflicht an Primarschulen kommen, gäbe es spezielle Kindermasken, so Lauener. Aber: «Diese sind nicht so weit verbreitet.»

Schulschliessungen verhindern

Wichtig ist Roger Lauener auf jeden Fall, dass Schulschliessungen vermieden werden können. «Ob breit angelegte Testungen, wie sie zum Beispiel in Graubünden durchgeführt werden, da helfen können, muss untersucht werden.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 23. Januar 2021 06:41
aktualisiert: 23. Januar 2021 06:41