Mörschwil

«Komplett sinnlos»: Illegaler Fussgängerstreifen verwirrt Gemeinde

Sandro Zulian, 30. Juni 2022, 08:20 Uhr
In der Gemeinde Mörschwil sorgen zwei gelbe Striche für Ärger in der Verwaltung. Auf der Bahnhofstrasse haben Unbekannte in einer Nacht- und Nebelaktion auf eigene Faust eine Fussgängerquerung gemalt. Der Gemeinderat hat einen Strafantrag bei der Polizei gestellt.

«Illegal» sei der Fussgängerstreifen «markiert» worden. So der Wortlaut in der Gemeindemitteilung von Mörschwil, die am Mittwoch verschickt worden ist. Offensichtlich haben Unbekannte «vermutlich nachts» eine Markierung in mehreren Etappen angebracht. Der erste Streifen erschien bereits im Mai, einige Wochen später tauchte der zweite auf.

Mörschwil steht vor einem Rätsel

«Anfangs glaubten wir an einen Scherz für die kommende Fasnacht», sagt die Mörschwiler Gemeindepräsidentin Martina Wäger auf Anfrage. Nachdem das ausgeschlossen werden konnte, steht der gesamte Gemeinderat vor einem Rätsel: «Wir tappen im Dunkeln.» Eines ist an der ganzen Sache aber gewiss, so Wäger: «Es ist komplett sinnlos.»

Fussgängerstreifen führt direkt in einen Zaun

Die illegale Illustration wurde auf der Höhe des neuen Wohn- und Pflegezentrums Maurini, welches nächstes Jahr eröffnen wird, auf die Fahrbahn gemalt. Wollen die unbekannten Übeltäter auf einen fehlenden, sicheren Übergang für Seniorinnen und Senioren aufmerksam machen? Wäger winkt ab: «Der Fussgängerstreifen führt direkt in einen Zaun. Dahinter befindet sich ein Privatgrundstück.» Ein Fussgängerstreifen an diesem Ort wäre nicht zielführend. Hinzu kommt, dass es für die baldigen Bewohner im Umkreis genügend sichere Trottoirs und Fussgängerüberquerungen gibt. «Auch aus Verkehrssicherheitsgründen ergibt dieser Streifen keinen Sinn.»

Martina Wäger, Gemeindepräsidentin Mörschwil

© zVg

Wegweiser in der Farbe

«Die Streifen wurden gesprayt», sagt Martina Wäger. Es handle sich allerdings nicht um die gewohnte, eher dickere Fussgängerstreifenfarbe, sondern um handelsübliche, gelbe Sprühfarbe. Mittels Schablonen seien überdies Zeichen eingesetzt worden: «So sieht man zum Beispiel einen Pfeil, der zum Bahnhof weist. Auf der anderen Seite steht ein Pfeil mit Aufschrift Kirche».

Anzeige ist raus – Streifen wird entfernt

Wäger und mit ihr der Gemeinderat gehen davon aus, dass mit der Aktion denn auch kein tieferer Sinn verfolgt wird: «Ich könnte mir vorstellen, dass es sich um einen Streich handelt. Wieso auch immer.» Wie üblich in solchen und vergleichbaren Fällen, wie zum Beispiel bei Graffitis, wurde die Polizei eingeschaltet. Eine Strafanzeige wurde eingereicht. Die Aufräumarbeiten bleiben allerdings bei der Gemeinde hängen: «Die Farbe wird demnächst abgeschliffen und entfernt.»

Steuerzahlerinnen müssen den Streich berappen

Könnte sich Martina Wäger direkt an die Delinquenten wenden, würde sie fragen, warum man so etwas gemacht hat: «Aus meiner Sicht ist das einfach unnötig. Es ist ein Aufwand, der wieder entsteht.» Denn der Streich sei nicht nur sinnbefreit, sondern ist auch kostspielig. Für die Entfernung des temporären Fussgängerstreifens kommen nämlich niemand anderes als die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler auf.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 30. Juni 2022 07:37
aktualisiert: 30. Juni 2022 08:20
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