Radon

Krebserregendes Gas belastet St.Galler Schulen

Krisztina Scherrer, 26. Mai 2021, 08:45 Uhr
In der Schweiz sind über 170 Schulen und Kindergärten massiv mit dem radioaktiven Gas Radon belastet, darunter auch einige aus dem FM1-Land. Was das bedeutet und wie man sich dagegen schützt, erklärt uns der St.Galler Kantonschemiker.
Gerade für Kinder ist eine zu hohe Radonbelastung schädlich.
© KEYSTONE/GAETAN BALLY

Radioaktiv und krebserregend: Zwei Begriffe, die einen aufhorchen lassen. Radon heisst das radioaktive Gas, das Schulen und Kindergärten zum Teil massiv belastet und die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs ist. Die Zeitschrift «Saldo» hat 8000 Messungen ausgewertet und ist zum Schluss gekommen: Kinder und Jugendliche in rund 170 Schweizer Schulen und Kindergärten atmen zu viel des krebserregenden Radons ein.

Radonproblematik ist langwieriges Thema

Radon ist ein Edelgas, das in der Erdkruste vorkommt. Es dringt aus der Erdkruste an die Oberfläche und kann so in Häuser gelangen. Radon ist radioaktiv. «Das heisst, es zerfällt in andere Elemente und in diesem Zerfall werden radioaktive Strahlen losgelöst», sagt der St.Galler Kantonschemiker Pius Kölbener vom Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen.

An der Radonproblematik sei man schon eine Weile dran, so Kölbener. «Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat vor gut zehn Jahren den Höchstwert runtergesetzt. Der neue Zielwert der Schweiz sollte 300 Becquerel pro Kubikmeter Luft nicht übersteigen. Diesen Zielwert streben wir jetzt an.» Unter den «Top 10» der Schulen mit den schlechtesten Messresultaten ist auch je ein Schulzimmer zweier St.Galler Schulen. Das Schulhaus Murg in Quarten hat einen Wert von 1583, das Schulhaus der Oberstufe in Flums einen Wert von 1867 Becquerel pro Kubikmeter Luft.

Sanierung braucht Zeit

Aber wie kommt es, dass es an Schulen und Kindergärten einen so hohen Radonwert gibt? Kölbener: «Wir leben schon lange mit Radon. Wenn wir den Zielwert anstreben, greift der Staat ins Eigentum der Bevölkerung ein und das muss in einem vernünftigen Verhältnis zum angestrebten Ziel, der Senkung der Radonbelastung, stehen. Die notwendigen baulichen Massnahmen sind zeitaufwendig und müssen von den Betroffenen bezahlt werden.» Weil man die Radonproblematik schon lange kenne, seien Neubauten weniger davon betroffen.

Ein zweiter Faktor sind die zeitaufwendigen Messungen. «Man legt die Messzähler aus und lässt sie drei Monate stehen. Dann werden die Dosimeter ans Labor übergeben. Sind die Werte zu hoch, wird zur Bestätigung erneut gemessen.» Die Messungen werden vom Amt, aber auch von den Schulen durchgeführt. «Schliesslich liegt es aber an den Schulgemeinden, etwas zu unternehmen.» Der Kanton schaue lediglich, dass überhaupt etwas gemacht wird.

Mit einem Dosimeter kann die Radonbelastung gemessen werden. 

© Oliver Menge

Gegen die zu hohe Radonbelastung kann man unterschiedliche Sachen unternehmen, so Kölbener. «Man kann den Raum, der mit Radon belastet ist, anders, zum Beispiel als Abstellraum, nutzen.» Dann gebe es auch noch eine Reihe an baulichen Massnahmen, wie zum Beispiel den Einbau einer Belüftung. Wenn die Massnahme ergriffen wurde, muss erneut eine Radonmessung durchgeführt werden. «Um zu sehen, ob es gefruchtet hat.»

Quarten beginnt nächstes Jahr mit Sanierungsarbeiten

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat eine Sanierungsfrist festgelegt und empfiehlt: Ist der Radonwert über 300, aber unter 600 Becquerel pro Kubikmeter Luft und wird der betroffene Raum in der Woche mehr als 30 Stunden benutzt, muss er innert zehn Jahren saniert werden. Wird er weniger Stunden in der Woche genutzt, muss der Raum innert 30 Jahren saniert werden. «Wir haben immer im Blick, wie exponiert die ganze Schulklasse im Hinblick auf den Gesundheitsschutz ist. Das Krebsrisiko des Kollektivs nimmt bei einer zu hohen Radonbelastung zu und das will man verhindern», erklärt Kölbener. Kurz: Die Krebsrate, die von Radon ausgelöst wird, soll minimiert werden.

«In den Gebieten, in denen ein mittelhohes Radonrisiko herrscht, haben wir zuerst mit dem Messen angefangen. St.Gallen ist kein stark betroffener Radonkanton.» Die St.Galler Schulgemeinden seien in der Regel sehr kooperativ und einsichtig, so Kölbener. Laut «Saldo» wurde in der Flumser Oberstufe im März 2020 gemessen und «die Schule arbeitet an einem Sanierungskonzept». In Quarten fanden bereits vor zwei Jahren Radonmessungen statt. Gemäss «Saldo» sind dort bauliche Massnahmen geplant, die voraussichtlich im Jahr 2022 umgesetzt werden.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 26. Mai 2021 07:19
aktualisiert: 26. Mai 2021 08:45
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