Lymphdrüsenkrebs

Lehrer aus Trogen braucht dringend eine Stammzellenspende

Christoph Thurnherr, 14. Oktober 2020, 07:38 Uhr
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Quelle: tvo

Es ist bereits der zweite Rückfall innerhalb von drei Jahren: Marco Schwinger hat Lymphdrüsenkrebs. Nun braucht er fremde Stammzellen. Der Familienvater wünscht sich mehr Einträge in der Datenbank – aber nicht mal für sich selbst.

Dass er erneut schwer erkrankt ist, hatte Marco Schwinger gar nicht gemerkt. «An diesem Tag habe ich auf dem Arbeitsweg einen neuen Rekord mit dem Velo aufgestellt. Ich war super drauf», sagt der 41-jährige Oberstufenlehrer.

Danach kam der tiefe Fall. Die Diagnose: Lymphdrüsenkrebs. Schon wieder. Der zweite Rückfall, festgestellt bei einem Routine-Untersuch. Bereits 2017 erkrankte Schwinger, nach einer Chemo und einer Bestrahlung schien allerdings alles wieder in Ordnung.

Zu früh gefreut. Der Tumor kam zurück. Dieses mal erfolgte die Behandlung mit eigenen Stammzellen. Und wieder schien alles gut – bis zum Tag des Velorekords.

Und auch heute beteuert Schwinger, dass es ihm gut gehe. «Ich habe kaum Beschwerden, das ist ja das Komische», sagt der Trogner Lehrer, der momentan eine hochdosierte Chemotherapie macht, um den Tumor in seiner Brust in Zaum zu halten.

Auf der Suche nach dem Match

Wie so viele ist Schwinger auf der Suche nach der, oder dem Richtigen. Was normalerweise allerdings mindestens in der Mitte der maslowschen Pyramide anzusiedeln ist, gehört bei ihm ganz nach unten: Es geht um sein Leben.

Da die Behandlung mit den eigenen Stammzellen nicht funktioniert, ist er auf einen externen Spender angewiesen. In Bern wird eine Datenbank mit sämtlichen eingtragenen Spendern geführt. Wenn es passt, spricht man von einem Match – wie auf einer Dating-App.

Die Suche nach einem passenden Spender ist jedoch extrem schwierig. «Ich war erstaunt, wie wenige Leute in diesem Register eingetragen sind», sagt Schwinger, "Dabei wäre es so einfach, auf diese Art Leben zu retten."

Viel Zuspruch für den Familienvater

Obwohl die Aussichten gering sind, einen passenden Spender zu finden, bleibt er zuversichtlich. Wie er beteuert, geht es ihm nicht bloss um sich selbst: «Es kann doch nicht sein, dass nur 150'000 Personen in der Schweiz eingetragen sind.»

Das Gespräch wird unterbochen von Schwingers kleinem Sohn, der seinen Papa etwas fragt. Mit liebevoller Stimme kümmert sich der zweifache Familienvater um ihn. Kinder – kleine und grössere – scheinen ihm wichtig zu sein.

Schwinger wünscht sich, dass sich noch mehr Leute in der Datenbank eintragen. «Es ist so einfach, Leben zu retten», sagt der Familienvater. 

© Facebook SRK Schweiz

Bei seinen Schülern hat er auf jeden Fall Eindruck hinterlassen. «Ich erhalte viele Nachrichten, von meiner Klasse und auch von Eltern», sagt der Trogner Oberstufenlehrer. Dies sei für ihn sehr emotional.

Auch unter den Facebook- und Instagram-Posts, die sein Cousin Renato abgesetzt hat, wimmelt es vor lauter Zusprüchen und Sympathiebekundungen. Der Facebook-Post wurde bereits über 4000 mal geteilt, viele Kommentierer schreiben, sie hätten sich jetzt als Spender angemeldet.

Hilf uns, für Marco eine passende Blutstammzellspende zu finden! 🙏...

Gepostet von Blutspende SRK Schweiz / Swiss Blood Stem Cells am Donnerstag, 8. Oktober 2020

Der selbstlose Schwinger

Und genau um die Anmeldungen geht es Marco Schwinger: «Es bedeutet mir viel, wenn sich aufgrund dieses Aufrufs Leute für die Datenbank anmelden, selbst wenn es für mich zu spät sein sollte. Viele glauben, der Aufwand sei riesig, doch das stimmt nicht.»

Hier kann man sich für eine Stammzellenspende anmelden. Danach erhält man ein Testpaket zugestellt. Dabei muss man lediglich ein Stäbchen in den Mund nehmen und dieses wieder einschicken. Sollte tatsächlich ein Match bestehen, dann wird man für einen weiteren Test aufgeboten.

In der Schweiz sind relativ wenige Personen im Register eingetragen. Auf der ganzen Welt sind es jedoch Millionen von potenziellen Spendern, weshalb Schwinger weiter auf sein Match hofft.

Er sei zuversichtlich. Und er schaut sogar ein wenig in die Zukunft: «Ich will unbedingt wieder Unterricht geben. Das ist meine Berufung.»

In Trogen würden sie ihn mit offenen Armen empfangen.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 14. Oktober 2020 05:30
aktualisiert: 14. Oktober 2020 07:38