Alptracker

Technik statt Tod: Eine alternative Methode gegen Wölfe

Nico Conzett, 11. Oktober 2020, 08:15 Uhr
Lichtblitze und Lärm anstatt Gewehr und Kugeln gegen Wölfe: Ein Schwyzer Unternehmen will dieses seit einigen Jahren existierende System perfektionieren. Nach dem Nein zum neuen Jagdgesetz erhofft sich die Firma nun, dass stärker darin investiert wird.

Die Abstimmung über das neue Jagdgesetz hat die Schweiz bewegt. Immer wieder thematisiert wurden im Abstimmungskampf auch intensivierte Herdenschutzmassnahmen. Nicht umsetzbar, zu teuer und zu aufwendig seien diese, wurde von den Befürwortern der Vorlage angeführt. Eine Firma aus Schwyz tüftelt an einer Schutzmethode, die genau diese Probleme lösen könnte.

Alarm bei auffälligen Bewegungen 

Das Konzept des «Alptrackers» ist recht einfach. Einigen Schafen einer Herde wird ein Sender am Hals montiert. Dieser zeichnet die Bewegungen und Position der einzelnen Schafe auf und sendet die Daten in regelmässigen Abständen an den Hirten oder Schafbesitzer. Wenn die Tracker auffällige Bewegungen, beispielsweise Fluchtverhalten, registrieren, schlagen sie Alarm. Ein grosser Vorteil der Sender: Sie sind sehr energieeffizient und funktionieren mit einem Batteriensatz ein halbes Jahr.

Dieser Teil des Konzepts funktioniert gemäss Stefan Aschwanden, dem Inhaber der Alptracker AG, schon sehr zuverlässig. Seine Firma arbeitet mit verschiedenen Kantonen wie Graubünden, Glarus oder dem Wallis zusammen. Dort sollen die Geräte flächendeckend zum Einsatz kommen.

Aktuell testen die Entwickler nun die Kombination mit einem zweiten Mittel gegen den Wolf, dem sogenannten Vergrämungseffekt. Mittels Lichtblitzen und aufgenommenen akustischen Signalen in Form von Menschenstimmen aus dem Trackergerät sollen die Raubtiere abgeschreckt und vorerst in die Flucht geschlagen werden.

Den Bauern Zeit verschaffen

Denn gerade Wölfe würden sich zwar beim ersten Mal verscheuchen lassen, dann jedoch zurückkehren und es wieder versuchen, sagt Aschwanden. «Doch der Alptracker verschafft den Hirten und Bauern Zeit. Sie können, nachdem sie vom System gewarnt wurden, zur Schafherde gehen und dort weitere Massnahmen treffen, um die Tiere zu schützen, beispielsweise grössere Zäune aufstellen.»

Die Technologie mit den Vergrämungseffekten existiert zwar schon länger. Jedoch wurden diese Signale jeweils nach dem Zufallsprinzip oder durch einen Bewegungsmelder ausgelöst, was nur bedingt effizient ist. Das Ziel von Aschwanden und seinen Kollegen ist es, dass die Effekte eben genau dann ausgelöst werden, wenn es wirklich nötig ist.

Ermöglicht genauere Statistiken

Aschwanden ist überzeugt, dass die Technologie seines Unternehmens viele Probleme der Bergbauern im Zusammenhang mit dem Herdenschutz und dem Wolf lösen kann. Beispielsweise könnten mittels den GPS-Daten tote Tiere rasch lokalisiert werden. Wenn dann direkt ein DNA-Test gemacht wird, kann bestimmt werden, ob es sich um einen Wolfsriss handelt oder nicht.

Denn das sei heute schwierig zu bestimmen, da Tiere oft erst nach Tagen gefunden werden. Je länger es bis zum Fund dauert, desto schwieriger ist die Definition der Todesursache. Und Befürworter und Gegner hätten gerade im Abstimmungskampf die Todesfälle entweder dem Wolf in die Schuhe geschoben oder den Wolf jedes Mal von der Schuld freigesprochen, genau so wie es gerade gelegen kam. Der Alptracker helfe hier mit, Klarheit zu schaffen, so Aschwanden.

Vor allem als temporäre Massnahme sinnvoll

Wenn dieses Gerät so vielversprechend ist und so viele Vorteile bietet, warum kommt es dann noch nicht häufiger zur Anwendung? Daniel Mettler von der Agridea, der Fachstelle für Herdenschutz, sieht zwar ebenfalls Potenzial in der Technologie, schränkt aber ein: «Zuerst muss die Technologie einwandfrei funktionieren, bis es sich lohnt, sie in der Landwirtschaft einzusetzen.»

Zudem könne die Technik mit den Vergrämungseffekten zwar durchaus effizient sein, es bestehe jedoch die Gefahr, dass sich die Raubtiere an die Geräusche beispielsweise gewöhnen könnten. Denkbar sei somit vor allem, dass die Geräte in betroffenen Gebieten temporär zur Anwendung kommen, um kurzfristig Schäden zu verhindern.

Die effizienteste Möglichkeit, Schafherden in den Alpen vor Wölfen zu schützen, seien nach wie vor Herdenschutzhunde, denn an die Reaktion dieser würden sich die Wölfe nicht gewöhnen können.

Alternativen sind gefragt

Nach dem Nein zum neuen Jagdgesetz stellt der vereinfachte Abschuss von Wölfen keine Option mehr dar, um Schafherden zu schützen. Deshalb sind Alternativen gefragt. Stefan Aschwanden erhofft sich deshalb durch das Abstimmungsresultat mehr Unterstützung für sein Projekt.

Denn dass die Alptracker noch nicht einwandfrei funktionieren, führt Aschwanden auch darauf zurück, dass nicht genügend Geld in die Technologie investiert wird. Schmunzelnd sagt er: «Wenn die Gegner und Befürworter nur zehn Prozent des Abstimmungsbudgets in unser Gerät investiert hätten, hätten wir vielleicht gar nicht abstimmen müssen.»

Nico Conzett
Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 11. Oktober 2020 07:25
aktualisiert: 11. Oktober 2020 08:15