Ostschweiz

Gastronomen zu Massnahmen: «Es wird Beizensterben geben»

Géraldine Bohne, 19. Dezember 2020, 08:35 Uhr
Die Gastrobranche hofft auf baldige finanzielle Unterstützung.
© Keystone
Die Gastronomie treffen die neuen Corona-Massnahmen des Bundes hart: Ab Dienstag müssen Restaurants und Bars für mindestens einen Monat schliessen. Die Ostschweizer Gastropräsidenten sind wütend und enttäuscht.

Es ist der zweite harte Schlag für die Gastronomie innert weniger Wochen: Nach der Vorverlegung der Sperrstunde auf 19 Uhr müssen die Restaurantbetriebe nun komplett schliessen. «Das ist ein wunderschönes Weihnachtsgeschenk für zehntausende Wirte, Bäcker und Metzger», spottet Walter Tobler, Präsident von Gastro St.Gallen.

Das Gastgewerbe sei bereits so stark verschuldet, Härtefallregelungen alleine würden nicht mehr ausreichen. «Das sind auch nur Darlehen.» Tobler würde sich A-fonds-perdu-Beiträge wünschen, doch die Hürden, solche zu bekommen, seien hoch. Die Gastrobranche kämpfe schon seit Wochen auf politischer Ebene für solche Unterstützungsbeiträge. Man wolle damit auch weitermachen. «Wir werden wahrscheinlich am Montag erneut auf die Strasse gehen», sagt Tobler.

Walter Tobler, Gastro St.Gallen

© St.Galler Tagblatt/Urs Bucher

Ohne Unterstützung gibt es Beizensterben im Frühling

Ohne weitere finanzielle Mittel werde die Beizenlandschaft im Frühling massiv anders aussehen. «Die Arbeits- und Sozialämter werden sich freuen.» Der Gastro-Präsident ist über den Bundesratsentscheid wütend und enttäuscht. «In Österreich und Deutschland wurde sofortige Hilfe angekündigt.» In Österreich würden Wirte rund 80 Prozent ihres Umsatzes erhalten, in Deutschland liege der Anteil bei 70 bis 75 Prozent. «Auch wir haben unserer Regierung ein Berechnungsbeispiel vorgelegt.» Tobler hofft, dass davon Kenntnis genommen wurde.

Wie es weitergeht? «Ich weiss es nicht. Eigentlich hätten wir nur bis Ende November in diesem Rahmen weitermachen können.» Man werde nun aber alles daran setzen, dass es eine finanzielle Lösung geben wird.

Massnahmen verlängern Beizenlockdown in Graubünden

Auch der Bündner Gastropräsident, Franz Sepp Caluori, ist enttäuscht. Enttäuscht vor allem deswegen, weil der Kanton Graubünden schon vor Wochen diese Massnahme beschlossen hatte und nun keine Erleichterung vornehmen kann. «Wir haben die Restaurants bereits vor Wochen geschlossen, um die Gastro über Weihnachten öffnen zu können», so Caluori gegenüber FM1Today.

Franz Sepp Caluori, Gastro Graubünden

© Keystone

Nun hoffe man, dass der Kanton den R-Wert mit den Massnahmen bereits soweit senken konnte, damit die Gastrobetriebe zwischen Weihnachten und Neujahr wieder öffnen können. Wenn die Gastronomie dann aufmachen könne, seien alle willkommen, auch Gäste aus anderen Kantonen. «Man kann sich im Restaurant kaum anstecken, die Schutzmassnahmen sind so gut.»

«An Weihnachten hätte noch Umsatz generiert werden können»

Im Kanton Thurgau sieht eine vorzeitige Öffnung der Gastrobetriebe wegen der epidemiologischen Lage schwieriger aus. «Ich hoffe, dass am 22. Januar nicht nochmals andere Massnahmen beschlossen werden», sagt Gastro-Thurgau-Präsident Ruedi Bartel. Auch er ist nicht glücklich über die Massnahmen des Bundesrats.

Ruedi Bartel, Gastro Thurgau

© Thurgauer Zeitung/Reto Martin

«Wenigstens können wir dieses Wochenende noch offen haben.» Trotzdem fallen die Massnahmen zur «dümmsten Zeit». «An Weihnachten hätten wir wenigstens noch ein wenig Umsatz generieren können.» Der Gastropräsident hofft nun darauf, dass möglichst schnell Hilfe kommt. «Die Rechnungen und Versicherungen müssen weiter bezahlt werden.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 18. Dezember 2020 19:22
aktualisiert: 19. Dezember 2020 08:35