Tourismus vs. Föderalismus

Gestaffelte Sportferien gegen Dichtestress: Die Debatte in der Wintertourismusbranche

· Online seit 16.01.2024, 09:26 Uhr
Schon bald stehen in der Schweiz die Sportferien an. Immer wieder stellt die Wintertourismusbranche die Forderung, dass diese Ferien besser verteilt werden sollen. Schnell steht fest: Es ist eine Forderung, die sich wohl nie erfüllen wird.
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«Dass alle immer gleichzeitig Ferien haben, ist ein Problem», sagte Andreas Züllig, ehemaliger Präsident des Branchenverbands Hotellerie Suisse in einem Interview mit der «Sonntagszeitung». Die dynamischen Preise in den Skigebieten würden dazu führen, dass Skisportbegeisterte mehr Geld als nötig in den Sportferien liegen lassen. Der oberste Hotelier fordert eine bessere Koordination der Schulferien. Doch wer koordiniert die Sportferien?

Dichtestress im Urlaub

Das ist, wie so oft in der Bildungspolitik, von Kanton zu Kanton unterschiedlich geregelt. Im Kanton Thurgau beispielsweise ist es der Regierungsrat, der die Ferientage für das ganze Schuljahr festlegt. Immer in der fünften Kalenderwoche finden da an den obligatorischen Schulen im Kanton die Sportferien statt. Führt das zu Dichtestress im Urlaub?

Monika Knill, Regierungsrätin im Kanton Thurgau, verneint diese Frage. «Wir leisten unseren Beitrag für eine bessere Verteilung damit, dass wir relativ früh in die Sportferien gehen», sagt Knill, die für das Departement Erziehung und Kultur zuständig ist.

Im Kanton Graubünden entscheidet nicht der Kanton, sondern die jeweilige Schulträgerschaft. Das sei besonders wichtig, weil viele Bündnerinnen und Bündner im Wintertourismus erwerbstätig sind und unterschiedliche Bedürfnisse haben. «Die Festlegung der Sportferien soll von Gemeinde zu Gemeinde autonom erfolgen können», heisst es auf Anfrage beim Amt für Volksschule und Sport Graubünden.

Gleicher (unrealistischer) Traum

«Wintersportferien haben einen hohen Stellenwert in der Schweiz», sagt Jürg Schustereit, der für das Marketing und den Vertrieb bei den Pizolbahnen zuständig ist. Wenn sich die Sportferien auf mehr Wochen verteilen, dann wird das Potenzial der Unterkünfte besser ausgeschöpft. «Das ist dann auch besser für die Skigebiete», erklärt Schustereit.

«Aus unserer Sicht der Bergbahnen ist es nicht ganz optimal, passt aber ganz gut», heisst es auf Anfrage bei den Arosa Bergbahnen. Das Skigebiet ist gross und die Sportbegeisterten würden sich auch während den Sportferien «gut verteilen».

«Ich stehe hinter der Forderung von Herrn Züllig», sagt Franz Sepp Caluori, Präsident Verband Gastro Graubünden, zu dem auch die Hotellerie gehört. «Es ist schade, wenn viele Gäste hier sind, wir aber keine Kapazitäten haben», so Caluori. Es sei ihm jedoch bewusst, dass «eine stärkere Absprache schwierig ist».

F steht für Föderalismus

«Herausfordernd» und «nicht zielführend», so wird die Forderung bei den zuständigen Ämtern in den Kantonen Graubünden und Thurgau kommentiert. Es sei auch nicht das erste Mal, dass diese Forderung im Raum steht.

Bereits vor einigen Jahren wurde von den Branchenorganisationen aus dem Bereich Tourismus und Bergbahnen eine solche Forderung in die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) eingebracht. Fazit: Auch die EDK hat keine Macht gegenüber dem Föderalismus. Das heisst, die einzige Möglichkeit, Schulferien interkantonal zu koordinieren, wäre über den Konkordatsweg. Doch selbst wenn eine solche einheitliche Regelung ins HarmoS-Konkordat aufgenommen wird, wäre diese für 15 Kantone (darunter auch den Kanton Graubünden) nicht bindend.

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veröffentlicht: 16. Januar 2024 09:26
aktualisiert: 16. Januar 2024 09:26
Quelle: FM1Today

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