Romanshornerin wollte Berlin-Attentäter heiraten

Die junge Romanshornerin konnte sich vorstellen, Anis Amri zu heiraten
Die junge Romanshornerin konnte sich vorstellen, Anis Amri zu heiraten © Screenshot ZDF
Der Attentäter vom Berliner Weihnachtsmarkt stand kurz vor seiner Tat in Kontakt mit einer jungen Frau aus Romanshorn. In einem Fernsehbeitrag wendet sich die Frau, die zum Islam konvertiert ist, erstmals zu Wort. Sie sagt, sie hätte sich vorstellen können, Amri zu heiraten, aber nicht so schnell wie er es wollte.

Anis Amri, dem Attentäter vom Berliner Weihnachtsmarkt, drohte die Abschiebung. Eine Heirat hätte dies verhindern können. Deshalb war er verzweifelt auf der Suche nach einer Frau, die ihn heiraten würde. Wohl auch deshalb hatte der Tunesier über Facebook Kontakt zu 140 Frauen, eine davon lebt in Romanshorn. Die 29-Jährige hatte während Monaten mit Anis Amri gechattet, Fotos ausgetauscht und auch mit ihm per Videotelefonie gesprochen.

Romanshornerin konnte sich Heirat vorstellen

Reporter des ZDF-Magazins «Frontal 21» haben die Romanshornerin besucht. Da die junge Frau anonym bleiben will, wird sie im Beitrag nur von hinten gezeigt. Um ihr Gesicht zu verstecken, hat sie die Kapuze ihrer Jacke hochgezogen. Ihre Stimme wird nachgesprochen. Während der kurzen Szenen sitzt die Thurgauerin auf einem Skateboard und raucht.

Sie erzählt, dass Anis Amri sie gefragt habe, ob sie einen Nikab tragen würde, einen Gesichtsschleier, der nur die Augen frei lässt. Sie hätte gesagt, dass sie sich das vorstellen könne. Auch hätte sie sich vorstellen können, Amri zu heiraten. Es ging ihr aber alles zu schnell. «Vielleicht ein Jahr warten und dann», sagt sie im Fernsehbeitrag.

Amri wollte sich kurz vor Anschlag mit ihr treffen

Anis Amri versuchte mehrmals seine Facebook-Freundin zu besuchen. Im Juli 2016 fuhr er im Fernbus nach Friedrichshafen. Seine Einreise in die Schweiz wurde allerdings von der Bundespolizei vereitelt, weil seine Papier nicht gültig waren. Der Tunesier wurde festgenommen, nach 24 Stunden aber wieder freigelassen.

Kurz vor dem Anschlag meldete er sich bei seiner Freundin per Telefon. Er sagte, er sei in einem Hotel und fragte sie, ob sie sich für eine Stunde treffen könnten. Die Romanshornerin lehnte ab, sie hätte keine Zeit. «Es war, als hätte er geweint.» Heute macht sie sich Vorwürfe: «Hätte ich mich auf das Treffen eingelassen, hätte ich vielleicht den Tod verhindern können.»

Unbekannte in Moscheen von Egnach und Salmsach

Wer ist die Frau, die mit dem Terroristen geflirtet hat? Wie das «St.Galler Tagblatt» schreibt, kennt man die junge Thurgauerin in den Moscheen von Egnach und Salmsach nicht. Die Gläubigen, die sich in Salmsach einfinden, seien zu über 90 Prozent Albaner. In der Moschee in Egnach werde nur Türkisch gesprochen, sagt Bekim Alimi, Imam in Wil und Präsident des Dachverbandes islamischer Gemeinschaften Ostschweiz. Im Dachverband gäbt es keine Konvertiten, sagt er. Wenn sie keine gebürtige Muslima ist, wäre sie aufgefallen.

Chat über verschlüsselten Messenger-Dienst

Anis Amri steuerte am 19. Dezember 2016 einen LKW auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz zu. Dabei kamen zwölf Menschen ums Leben, viele weitere wurden verletzt. Von einem der Handys, das die Ermittler am Tatort gefunden haben, führt eine Datenspur in die Thurgauer Bodensee­region – zur 29-jährigen Konvertitin. Die junge Romanshornerin und Anis Amri sollen über einen verschlüsselten Messenger-Dienst gechattet haben.

(red.)


Newsletter abonnieren
2Kommentare
noch 500 Zeichen

HTML-Version von diesem Artikel