Gender-Gap

Darum lässt der Bundesrat Frauen diesen Winter frieren

18. September 2022, 13:49 Uhr
Im Büro fühlen sich Frauen bei etwa 25 Grad am wohlsten, Männern hingegen reichen 22 Grad. Diese Unterschiede lassen den Bund bei seinen Heiztipps jedoch kalt.
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Sobald es draussen kälter wird und der Herbst Einzug hält, beginnt wieder der obligatorische Kampf um die Heizung. Laut einer britischen Studie streiten rund ein Drittel der Paare regelmässig um die Zimmertemperatur. Während sie schon die wolligen Sachen trägt, läuft er noch im T-Shirt und Shorts herum. Die Forschung hat dazu den Begriff des «Thermostat War» hergeleitet.

Aufgrund der drohenden Energiekrise empfiehlt die Regierung im kommenden Winter die Heizungen auf knapp 20 Grad im Wohnbereich herunterzudrehen. Beim Heizen mit Gas sind es sogar nur 19 Grad, wenn der Brennstoff knapp werden sollte. Dazu geht der Bundesrat mit vorbildlicher Funktion voran und will die Temperaturen in den Verwaltungsgebäuden und die der Armee auf 20 Grad reduzieren.

Der Bund empfiehlt dies, um im Haushalt Strom zu sparen.
© Screenshot/Eidgenössisches Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung

Bei diesen Temperaturen dürfen vor allem Frauen frösteln. Einer Studie der niederländischen Universität Maastricht zufolge, bevorzugen Frauen am Arbeitsplatz eine höhere Raumtemperatur. Grund dafür sei vor allem der unterschiedliche Körperbau. Frauen haben zwar im Durchschnitt mehr Fettanteil als Männer, doch haben Männer im Schnitt mehr Muskelmasse. Und diese verbrennen Energie, was auch zu mehr Wärme führt. Ausserdem haben Frauen auch eine dünnere Haut, wodurch sie ebenfalls mehr frieren.

Büros werden für Männer geheizt

Die Wahrnehmung des Bundesamtes für Energie (BFE) ist anders. Welche Raumtemperatur für wen die Richtige sei, unterscheide sich «nicht nach Geschlecht», heisst es dort auf Anfrage der «Sonntagszeitung». Stattdessen seien Faktoren wie Alter, Gesundheit oder Wärmeempfinden hier massgebend. Ausserdem betont das BFE den Nutzen ihrer Energiesparkampagne. Wenn die durchschnittliche Raumtemperatur von 22 auf 20 Grad gesenkt werde, könne «zwischen 12 und 20 Prozent Heizenergie eingespart werden».

So soll laut Bund richtig geheizt werden.
© Screenshot/Eidgenössisches Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung

Auch wenn 20 Grad laut BFE der «allgemeinen Zumutbarkeit» entsprechen: Fakt ist auch, dass Frauen beim Heizen schon lange benachteiligt werden. In vielen Büros ist die Temperatur nämlich seit Jahrzehnten auf das Wärme- und Kälteempfinden von 40-jährigen und 70 Kilogramm schweren Männern ausgelegt, schreibt die Sonntagszeitung. Trotzdem werden diesen Winter wohl auch Männer frieren.

(sib)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 18. September 2022 08:02
aktualisiert: 18. September 2022 13:49