Absurde Vertragsdetails

Visa für Marokko bei Flug nach Lissabon? So tückisch sind Buchungsplattformen

Nico Conzett, 11. Juni 2022, 12:07 Uhr
Ich will doch eigentlich nur ans Meer fliegen. Und dafür einen Flug buchen. Weil ich das ganze online via Buchungsplattform machen will, wird das vermeintlich simple Anliegen zur Nervenprobe. Ein Erfahrungsbericht.
Ungefähr so wie dieser Strandverkäufer habe ich mich den möglichen Zusatzservices der Buchungsplattformen gefühlt. (Symbolbild)

Bald ist Sommerferienzeit und bei vielen Leuten steht nach zwei Jahren Corona-Einschränkungen ein Trip ans Meer weit oben auf der Prioritätenliste. So auch bei mir. Doch bis man sich irgendwo an einer Mittelmeerküste genüsslich in den Sand pflanzen, die Sonne auf den Ranzen scheinen und den obligaten Sonnenbrand abholen darf, braucht es je nach Ferienvorhaben ein ordentliches Stück Planung. Essentieller Bestandteil dieser: Die Buchung eines Flugs.

Wer sich nicht für ein All-Inclusive-Paket bei einem traditionellen Reisebüro entscheidet und sich der Herausforderung Ferienplanung selbst annimmt, spürt bald, dass der Weg zum ungestörten Meeraufenthalt so einige Tücken zu beinhalten vermag.

Buchen via Onlineplattform: Kann ja nicht so kompliziert sein, oder?

Weil in mir mit den länger werdenden Tagen und steigenden Temperaturen das Bedürfnis nach Sonne und Salzwasser stetig wuchs, schloss ich mich einer Gruppe Freunde an, die die portugiesische Hauptstadt Lissabon als Sommerferiendestination auserkoren hatte. Da meine Freunde den Flug schon gebucht hatten, nahm ich mich dieser Herausforderung separat an. Kann ja nicht so kompliziert sein, habe ich gedacht.

Doch weit gefehlt. Selten habe ich es als so undurchsichtig empfunden, online etwas zu kaufen. Aber von vorne. An Angeboten fehlt es im Internet freilich nicht. Wer «Flug nach Lissabon» googelt, wird regelrecht erschlagen von einer ganzen Armada an Online-Buchungsplattformen. Momondo, Ebookers, Kiwi, eDreams – um nur die bekanntesten zu nennen.

Harmlos zu Beginn, ultimativ verwirrend gegen Schluss

Über Vergleichsdienste wie Skyscanner bekommt man eine üppige Auswahl an Möglichkeiten vorgesetzt. Ohne mir viele Gedanken zu machen, wähle ich die oberste Option aus. Dann Schritt 1: Auswahl des konkreten Flugs. Passende Uhrzeit, passender Preis – zack, angeklickt, alles simpel und gut verständlich.

Doch bereits bei Schritt Nr. 2, der Ticketwahl, werde ich erneut mit einem Bündel an Auswahlmöglichkeiten konfrontiert. Mit der Menge an solchen steigt auch die Anzahl Fragezeichen auf meiner Stirn. Unterschiedliche Anzahl Gepäckstücke, manchmal darf man den Flug ohne Mehrkosten canceln, mal nicht und gleiches gilt für das Verschieben des Reisedatums. Mit 70 Franken Mehrkosten beim Ticket kann ich 280 Franken Mehrkosten bei einer allfälligen Umbuchung verhindern, wird mir weisgemacht. Verwirrend.

Absurd: Höhere Geld-Zurück-Garantie und Bestätigungsmail gegen Aufpreis

Noch verwirrender wird es bei den nächsten Schritten. Nachdem man seine Personalien eingegeben hat, kann man einen bunten Strauss an Zusatzservices buchen. Dabei scheint alles separat buchbar: Reiseversicherung, höhere Geld-Zurück-Garantie, ja sogar für ein Bestätigungsmail muss ich einen zusätzlichen Service kaufen. Die Fragezeichen auf der Stirn sind längst zu Schweissperlen mutiert. Der einst so verlockende Preis auf der rechten Bildschirmseite wächst und wächst und scheint schon bald gar nicht mehr so verlockend.

Ich kämpfe mich wacker durch, lese pflichtbewusst Reglement um Reglement, um mir selbst das Gefühl halbgarer Sicherheit zu holen und mir einzureden, dass ich einigermassen weiss, was ich da für einen Vertrag abschliesse. Ehrlichweise muss ich mir jedoch eingestehen, dass ich die Hälfte nicht verstehe. Doch ich kämpfe mich bis zum letzten Schritt durch.

Visa für Marokko bei Flug nach Lissabon? Das Mass ist voll

Da wird es mir doch noch zu bunt. Jetzt werde ich nämlich darauf hingewiesen, dass ich doch überprüfen soll, ob ich für die Einreise nach Marokko berechtigt bin. Marokko? Ich will doch nach Lissabon?

Nun, Hintergrund dieser Aufforderung ist ein simpler Trick der Buchungsplattformen, der den Kundinnen und Kunden preislich entgegenkommen soll. Mein gewählter Flug ist eigentlich einer mit Zieldestination Marrakesch in Marokko – mit Zwischenlandung in Lissabon. Die Idee ist, dass Passagiere vom insgesamt günstigeren Flug nach Nordafrika profitieren können, indem sie einfach in Lissabon aussteigen.

Doch damit ich am Flughafen Zürich überhaupt in dieses Flugzeug einsteigen darf, muss ich für Marokko einreiseberechtigt sein. Mir reichts. Zwar überprüfe ich aus reinem Interesse, ob man als Schweizer visafrei nach Marokko einreisen darf (ja, man darf), doch unterdessen sind die Zweifel zu gross. Zweifel, dass bei all diesen verschiedenen Vertragsdetails und der kompliziert anmutenden Reise doch irgendetwas schief gehen könnte – und der Ferien- plötzlich zum Stresstrip mutiert. Was, wenn ich zwar in Lissabon aussteige, aber die mein Gepäck vergessen? Und dieses nach Marrakesch weiterfliegt? Solche Fragen stelle ich mir.

Ein First-World-Problem, aber ein ziemlich mühsames

Ich habe genug und breche den Buchungsvorgang ab. Die Schweissperlen haben mittlerweile der Schwerkraft nachgegeben und sich auf meine Tastatur verlagert. Kann ja nicht so kompliziert sein, habe ich anfangs gedacht. Doch, kann es. Ich entscheide mich, mich zurückzubesinnen. Und meinen Flug bei einem traditionellen Reiseanbieter zu buchen. Zahle ich halt ein wenig mehr – vielleicht ist es in Tat und Wahrheit ja gar nicht mehr, Stichwort Zusatzservices – dafür nimmt mir jemand das mühselige Buchungsprozedere ab. Und falls etwas nicht wie gewünscht klappt, muss ich auch nicht mit halbdurchsichtigen Onlineplattformen oder Fluggesellschaften streiten. Das ist es mir wert.

Es ist mir natürlich schon bewusst: Es ist ein absolutes First-World-Problem, über das ich mich hier beschwere. Aber: Mühsam und unnötig nervenaufreibend ist das Buchungs-Hin-und-Her mit gewissen Online-Plattformen meines Erachtens trotzdem. Schweissperlen auf der Stirn möchte ich in meinen Ferien schliesslich nur, weil ich permanent am Strand liege.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 11. Juni 2022 06:34
aktualisiert: 11. Juni 2022 12:07
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